Bernd Herzog hat alles aufs große Ziel ausgericht

Waldenburg  Der Herausforderer von Amtsinhaber Markus Knobel kandidiert bei der Waldenburger Wahl am 4. Oktober als Bürgermeister.

Email

Noch ist das große Ziel für Bernd Herzog einige Schritte entfernt − aber der Bürgermeister-Kandidat ist sich sicher, dass es ihm gelingen wird, die Wähler zu überzeugen und ins Waldenburger Rathaus einzuziehen.

Foto: Christian Nick

Die Liebe entstand beim Joggen. Gemeint ist freilich nicht diejenige zu seiner Ehefrau, mit der Bernd Herzog nunmehr ein Vierteljahrhundert verheiratet ist - sondern die zu seiner Wahlheimat Waldenburg: Auf Geschäftsreise ist Herzog in den Jahren nach der Jahrtausendwende mehrfach Gast im Panoramahotel. "Ich habe gleich gedacht, dass Waldenburg eine ganz besondere Ecke ist."

Und wie es so ist in der Liebe, wird aus dem Flirt irgendwann eine feste Bindung: Vor zehn Jahren zieht er mit Frau und Sohn in die Bergstadt. Ein "echter Wahl-Waldenburger" also. Vorher indes ist Bernd Herzog schon weite Wege gegangen - in vielerlei Hinsicht.

Der 55-Jährige erlebt Kindheit und Jugend am Stadtrand von Bielefeld: eine Schwester, eine "ganz bodenständige Familie". Der Vater ist Techniker - und vermittelt dem Jungen die Liebe zum Schrauben. Bald bastelt auch Bernd am Moped herum, macht später eine Ausbildung zum Werkzeugmacher.

Globetrotter - und "echter Wahl-Waldenburger"

Dann kommt die Bundeswehr - und eine weitere Liebe: Auf Fehmarn verbringt Herzog seine Freizeit am Strand und davor: auf dem Wasser beim Windsurfen. Sportlich wird er stets bleiben, ist seit acht Jahren Vorsitzender des Waldenburger Tennisvereins.

Bevor Bernd Herzog herzog, zog es ihn erst in die Welt hinaus: Nachdem er Mitte der 80er-Jahre an der Fachhochschule Maschinenbautechnik studiert hat, macht er an der Abendschule den IHK-Betriebswirt - "daher kenne ich mich auch mit Zahlen aus" - , arbeitet fünf Jahre lang im Vertrieb einer Bekleidungsfirma, ehe er dann Mitte der 90er in Stuttgart bei "Hahn und Kolb" - einer Tochtergesellschaft der Würth-Gruppe - anfängt.

Als Exportleiter jettet er um die Welt: China, Mongolei, Türkei, Skandinavien, Afghanistan. "Fragen Sie mich lieber, wo ich nicht war." Herzog richtet den Blick nicht nur beim Surfen gerne nach vorn. 2007 wird er Geschäftsführer beim Unternehmen "Hommel Hercules", das Werkzeuge produziert und vertreibt, trägt dort Verantwortung für 400 Mitarbeiter. Im Mai ist er dort auf eigenen Wunsch als Geschäftsführer ausgeschieden: "Ich nehme die Kandidatur ernst. Beides ist nicht miteinander zu vereinbaren." Herzog ist aber weiterhin beim Würth-Konzern beschäftigt.

Ernst nimmt er auch den Wahlkampf: In diversen sozialen Medien, beim "Speakers Corner" in den Gassen, bei Bürgerdialogen in Gaststätten und auch am Straßenrand will Herzog die Wähler für sich gewinnen.

Zwietracht beenden, Finanzen konsolidieren

Wäre er - kommunalpolitisch bislang völlig unbeleckt - dem Bürgermeisteramt denn überhaupt gewachsen? "Das ist ja keine Raketenwissenschaft, aber ich brauche Leute um mich, die Spaß an der Arbeit haben." Das sei auch Kern seiner Motivation: "Ich will endlich die herrschende Zwietracht zwischen Verwaltungsspitze und Bürgern beenden, den Gemeinderat und die Waldenburger intensiver in politische Entscheidungsprozesse einbeziehen." Dass auch er das tun und den Chef-Sessel im Rathaus erobern will: Diese Idee wurde erst vor recht kurzer Zeit geboren. 2019 ist Herzog beim Erörterungstermin zum Windpark Karlsfurtebene dabei und "entsetzt" über die Rolle der Genehmigungsbehörde. Dort sei der Wunsch, sich kommunalpolitisch zu engagieren, erstmals aufgekeimt.

Klar ist für ihn auch: "Waldenburg muss finanziell auf eine solide Basis gestellt werden. Die Katastrophe, die wir hier haben, ist nicht von alleine entstanden", glaubt er. Und: "Aus meiner Sicht braucht Waldenburg eine ehrliche und geradlinige Person an der Verwaltungsspitze, die die Bürger und Mitarbeiter für sich gewinnen kann." Dass diese Person er selbst sei - davon ist Bernd Herzog freilich überzeugt. "Sonst würde ich ja nicht antreten."

"Ich bin manchmal schon echt pedantisch"

Wie haben denn Frau und 19-jähriger Sohn auf die Kandidatur reagiert? "Wir haben darüber gesprochen, und am zweiten Abend die Entscheidung getroffen", sagt Herzog. Seine unschönste Charaktereigenschaft? "Ich bin manchmal schon recht pedantisch."

Und die drei zentralen Werte im Leben des Mannes, der kein Parteibuch besitzt und es auf Nachfrage schafft, sowohl Angela Merkel als auch Friedrich Merz und Winfried Kretschmann gut zu finden? "Ehrlichkeit, Demut und Geradlinigkeit", sagt Herzog, der nicht nur das Bürgermeister-Projekt als Ziel hat, sondern ein noch längerfristigeres: "Ich möchte 100 Jahre alt werden."

Info: Morgen wird der dritte Kandidat - Daniel Vogelmann - vorgestellt.

 

 


Christian Nick

Christian Nick

Autor

Christian Nick ist Redakteur bei der Heilbronner Stimme/Hohenloher Zeitung. Schwerpunktmäßig betreut er die Kommunen Kupferzell, Neuenstein und Waldenburg – schreibt aber auch über alles andere gerne.

Kommentar hinzufügen