Bekommt Kupferzell einen neuen Waldkindergarten - oder gleich zwei?

Kupferzell  Der Kupferzeller Gemeinderat spricht sich für eine naturnahe Kitagruppe aus. Eine Elterninitiative setzt sich für ein christlich-konservatives Konkurrenzmodell ein.

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Pädagogisches Konzept im Trend: In einem Waldkindergarten werden Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren in der freien Natur betreut. Spielt das Wetter nicht mit, gibt es aber auch eine Behelfsunterkunft.

Foto: Archiv/Kuhnle

Kupferzell bekommt wohl einen Waldkindergarten: Der Gemeinderat stimmte in seiner jüngsten Sitzung der Etablierung einer solchen - durch die Kommune betriebenen - Einrichtung zu. Diese soll als Außengruppe des Kindergartens Westernach realisiert werden. "Da der Kindergarten Westernach bereits das Profil Wald und Natur hat, würde dies einwandfrei passen", heißt es in der Vorlage der Verwaltung.

Gemeinde selbst besitzt kein Waldstück

"Leider besitzt Kupferzell selbst kein Waldstück", erklärt Bürgermeister Christoph Spieles. Der Kindergarten Westernach greift daher für sein bisheriges naturpädagogisches Angebot auf ein von der Gemeinde gepachtetes Grundstück zurück, das von den Gruppen rege genutzt werde.

Für den angedachten Waldkindergarten hat die Verwaltung nun eine andere Fläche im Blick, deren Eigentümer einem Verkauf offen gegenüberstehe. Daher soll nun weiter geplant und Preisverhandlungen aufgenommen werden. Mit der Fertigstellung sei im Frühjahr 2022 zu rechnen. Die Außengruppe ergänze damit gut die pädagogischen Konzepte in Kupferzell - wie jene der Theaterpädagogik im Kindergarten Carlsschule und der Gesunderhaltung im Sebastian-Kneipp-Kindergarten.

Waldkindergarten könnte Kosten senken

Im Gemeinderat und der Verwaltung geht man davon aus, dass die neue Außengruppe auch niedrigere Kosten für den geplanten Neubau des Westernacher Kindergartens bedeutet: "Anstatt für fünf Gruppen müssten dann Räume für nur vier Gruppen gebaut werden", sagt Peter Lemke von der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG).

Dadurch sänken die Kosten für Unterhalt und Neubau. Benötigt werde - da sich die Kinder ja zum großen Teil im Freien aufhalten - lediglich eine Notunterkunft wie ein Bauwagen oder eine Schutzhütte. In einer Waldgruppe könnten bis zu 20 Kinder aufgenommen werden.

Für eine kontroverse Debatte sorgte indes der Vorstoß einer Elterninitiative, einen weiteren Waldkindergarten christlicher Prägung mit einem religiösen Träger zu errichten. Spieles lehnt diese Idee ab: "Zwei gleiche pädagogische Konzepte stehen zueinander in Konkurrenz", erklärt er auf Nachfrage der Hohenloher Zeitung. Auch wenn er bürgerschaftliches Engagement grundsätzlich begrüße, befürchte er auf Dauer eine mangelnde Auslastung beider Angebote, so der Rathauschef.

Damit stößt Spieles jedoch bei einigen Gemeinderäten auf Unverständnis. Einer davon ist Eduard Karpekin von den Freien Wählern, der selbst Teil der Elterninitiative ist. "Es handelt sich dabei um ein Projekt, das allen in der Gemeinde zugutekommt", so Karpekin, dessen Sohn selbst den Westernacher Kindergarten besucht. "Das dortige naturnahe Angebot ist ständig überrannt." Eine entsprechende Nachfrage sei also vorhanden.

Vorrang für Kinder der Elterninitiative

Über die Elterninitiative sagt Karpekin, diese sei christlich-überkonfessionell und schließe keine anderen Religionen aus. Die konservative Ausrichtung könne vielmehr mit diesen Berührungspunkte schaffen. "Kinder, deren Eltern sich in der Initiative engagieren, sollen aber vorrangig einen Platz erhalten." Übrige Plätze könnten durch die Kommune oder in gemeinsamer Absprache vergeben werden. Auch einen möglichen Träger für den Kindergarten habe die Initiative bereits gefunden.

Der Gemeinderat stimmte überein, dass das Konzept der Initiative in einer der nächsten Sitzungen vorgestellt werden soll.

Gebühren erlassen
Der Gemeinderat erlässt den Eltern wegen der Corona-bedingten Schließung der Kindertageseinrichtungen erneut die Gebühren für Kindergärten und die Kernzeitbetreuung im Monat Januar. Getragen werden die Kosten hierfür zu 80 Prozent vom Land und zu 20 Prozent von der Kommune. Haben Kinder im Januar die Notbetreuung besucht, müssen die Kosten allerdings durch ihre Eltern übernommen werden. Rund ein Drittel der Kinder haben dieses Angebot im Januar genutzt.


Daub

André Daub

Volontär

André Daub arbeitet seit Oktober 2019 als Volontär bei der Heilbronner Stimme.

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