Beim Brennen hat der Zoll ein Auge drauf

Pfedelbach  Zehn "Genussziele" auf den Pfedelbacher Destillatwegen bieten Einblicke in Brennereien und kredenzen Hochprozentiges. Um zu erleben, wie aus Maische Alkohol entsteht, muss man sich rechtzeitig anmelden.

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Brennen einst und heute: Ulrich Weippert (links) vor dem restaurierten Schauobjekt von 1921, Roland Dietz vor dem modernen Kessel.

Fotos: Bettina Hachenberg

"Das Ziel von jedem Brenner ist, die Frucht mit ihren Aromen ins Glas zu bringen", erklärt Ulrich Weippert. Der 41-Jährige ist nicht nur der erste Hohenloher Brennermeister, er ist auch Ideengeber und einer der Initiatoren der Pfedelbacher Destillatwege.

Zusammen mit seiner Familie betreibt er am Ortsrand von Oberohrn direkt am Destillatweg "Gfingldr" einen Obst- und Weinbaubetrieb mit Brennerei und Pferdepension. Auf fast 14 Hektar Anbaufläche im Intensiv-Obstbau und einigen Streuobstwiesen reifen dort auf rund 70 000 Bäumen vielfältige Obstsorten heran. Darunter mit Gewürzluiken- Äpfeln und Balduffer-Birnen auch alte Streuobstsorten.

Alte Brennerei von 1921 als Schauobjekt

Der Weippert"sche Hof ist eines der zehn "Genussziele" auf den Destillatwegen, in denen man Brennereien besichtigen und Produkte probieren kann. Wanderern und Radlern, die bei Weipperts vorbeikommen oder in deren Probierstube einkehren wollen, fällt die alte Brennerei von 1921 ins Auge. Ursprünglich stammt sie aus Büttelbronn, war bis 1996 in Betrieb, wurde restauriert und zur Einweihung der Destillatwege als Schauobjekt aufgestellt. Daneben liest man auf einer Tafel, wie eine Brennerei funktioniert.

Wer sich einen Einblick in die Fülle der Destillate und Liköre verschaffen will, hat in den Pfedelbacher Brennereien die Qual der Wahl. Neben klassischen Obstbränden und Likören hat jede auch ihre eigenen Spezialitäten. Was ist der Favorit des Brennermeisters Weippert? Ein Zigarrenbrand. Das sind Brände aus Äpfeln oder Trauben, die im Holzfass gereift sind und, so Weippert, "hervorragend zu einer Zigarre passen, weil sie mit dieser ihre Intensität entfalten".

Nur bestes Obst im Destillat

Beim Brennen hat der Zoll ein Auge drauf

Will man den Brennvorgang nicht nur theoretisch erklärt bekommen, kann man in den Brennereien an den Destillatwegen auch eine Brennerei in Aktion sehen. Dazu ist es aber erforderlich, dass die Brenner 14 Tage vorher den Brennvorgang beim Zoll anmelden, da der Alkohol versteuert werden muss. Daher muss sich Besuchergruppen einige Wochen vorher bei den Brennern anmelden, erklärt Roland Dietz.

Der 54-Jährige betreibt mit Ehefrau Barbara (47), die Brennerin, Destillat- und Weinerlebnisführerin ist, im Ortskern von Windischenbach eine Brennerei aus eigenem Obst. 2017 hat das Paar seine Destillathek "Schnapsdrossel" am "Kirschwasserweg" eröffnet. Natürlich gibt es auch hier wie bei allen "Genusszielen" die regionalen Spezialitäten zu kaufen. Und es gilt wie bei allen Brennern die Devise: "Nur bestes Obst kommt ins Destillat."

 

Bettina Hachenberg

Bettina Hachenberg

Autorin

Bettina Hachenberg ist seit Februar 1988 Redakteurin bei der Hohenloher Zeitung in ihrer Heimatstadt Öhringen. 

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