Fürsorglicher Fürst und Förderer der Kultur

Fürst Ludwig Friedrich Karl ließ Karlsvorstadt bauen

Fürsorglicher Fürst und Förderer der Kultur
Mit der Karlsvorstadt hat Öhringen ein weithin einzigartiges bauliches Ensemble. Begonnen wurde es unter Fürst Ludwig Friedrich Karl zu Hohenlohe-Neuenstein-Oehringen, der heute vor 200 Jahren starb. (Foto: Bettina Henke)

Heute jährt sich zum 200. Mal der Todestag von Fürst Ludwig Friedrich Karl, dem Erbauer der Öhringer Karlsvorstadt. Er wurde am 23. Mai 1723 als einziger Sohn des Johann Friedrich II. von Hohenlohe-Neuenstein (1683 - 1765) und der Dorothea Sophia, geborene Landgräfin von Hessen-Darmstadt geboren. Dorothea Sophia verstarb am 7. Juli 1723, wenige Wochen nach der Geburt ihres Sohnes.

Ludwig Friedrich Karl wuchs mit sechs Schwestern in Öhringen auf. Eine seiner Schwestern, Wilhelmine Eleonore (1717 - 1794), heiratete 1743 den Grafen und späteren Fürsten Heinrich August zu Hohenlohe-Ingelfingen. Ihr Sohn Friedrich Ludwig wurde 1805 Alleinerbe von Ludwig Friedrich Karl.

Nach einem Jurastudium in Leipzig und Aufenthalten am sächsischen Hof in Dresden, dem preußischen Hof in Berlin sowie in Holland heiratete Ludwig Friedrich Karl am 28. Januar 1749 Sophie Amalie Karoline, Herzogin von Sachsen-Hildburghausen. Das einzige Kind des Paares, Karl Ludwig Friedrich, wurde am 20. April 1754 geboren, starb aber schon am 28. Februar 1755. Danach lebte der Neffe Friedrich Ludwig zu Hohenlohe-Ingelfingen schon als Kind einige Jahre in Öhringen und wurde am 14. August 1784 als Alleinerbe eingesetzt. Zur Goldenen Hochzeit im Januar 1799 beschenkte Friedrich Ludwig die Tante und den Onkel mit einem Marmor-Porträt (Bas-Relief) aus der Werkstatt von Gottfried Schadow, Berlin. Zu sehen ist es in der Öhringer Stiftskirche.

Die Tante, Fürstin Sophie Amalie Karoline starb am 10. Juni 1799, ihr Gatte, Ludwig Friedrich Karl zu Hohenlohe-Neuenstein-Oehringen am 27. Juli 1805 im Palais in der Karlsvorstadt. So blieb ihm ein großer Teil Tragik, verursacht durch Napoleons Neuordnungspläne, erspart. Die dunklen Wolken, die schon ab 1791 von Frankreich her aufzogen, einschließlich des Todes seines Feldwebels Kaufmann in Unterheimbach und die Durchzüge französischer Truppen, dazu die importierten Unruhen in der Bevölkerung, waren Schatten genug für sein hohes Alter. War er doch, Regent seit 1765, wie schon sein Vater sein Leben lang bemüht, den nicht kleinen Landesteil kulturell aufzubauen, so wie es Hohenlohe-Kirchberg und andere Linien ebenfalls praktizierten. Er baute eine vorbildliche Hofhaltung auf, das Schloss wurde renoviert und erweitert.

Baumeister Johann Wilhelm Glenk aus Schwäbisch Hall wurde beauftragt, die repräsentative Karlsvorstadt zu errichten, in der ein Kornhaus, eine Zeichenschule und das heutige Weygang-Museum entstanden. Das Obere Tor kam erst 1792 dazu. Im Lusthaus im Hofgarten, das für festliche Anlässe schon vom Vater 1743 errichtet wurde, ließ er einen Theatersaal einbauen, die Treppe zum Hofgarten wurde erneuert und vieles mehr.

Die Schulen und Kirchen lagen ihm besonders am Herzen. Um die Dorf-Pfarrer besser beurteilen zu können, hatten sie dann und wann in Öhringen Kirche zu halten. Für die Bürger ließ er eine Leihkasse errichten, für Witwen und Waisen eine Vorsorgekasse, eine Brandversicherung war möglich.

Trotz aller Fürsorge und Tüchtigkeit gelang ihm nicht jede Unternehmung, auch wurde er nicht immer von den Bürgern entsprechend verstanden. So ist das Leben - doch man darf heute, nach 200 Jahren, dankbar an sein Wirken für Öhringen und für Hohenlohe erinnern.

Quellen: Geschichte des Hauses Hohenlohe von Adolf Fischer; Öhringen, Stadt und Stift , Werner Schenk, Kurt Schreiner, Hartmut Weber. (red)