Wie Zirkustiere der Hitze trotzen

Öhringen  Rund 15 Kubikmeter Wasser werden an heißen Tagen täglich im Zirkus Charles Knie beim Gastspiel auf der Öhringer Herrenwiese verbraucht. Menschen und Tiere kommen mit den Temperaturen gut zurecht.

Von Bettina Hachenberg

Erfrischende Dusche für Tiger und Pferde

Obwohl sie eigentlich Wüstentiere sind, dösen die Kamele und Dromedare gern im schattigen Zelt.

Fotos: Bettina Hachenberg

Der Wettergott hatte ein Einsehen und in der Nacht zum Freitag etwas Abkühlung geschickt. Verschnaufpause von der Hitze für Mensch und Tier. Dennoch hört man am Freitagvormittag bei den Raubtierkäfigen neben dem großen Zelt des Zirkus Charles Knie erst einmal das Geräusch von Spritzwasser. Mit seinen zwei Helfern reinigt der weltbekannte Raubtierlehrer Alexander Lacey die Außenwände der Käfige und füllt frisches Wasser in die Tränkebecken. Seine sieben Tiger und sechs Löwen wissen: Gleich dürfen sie in die unterteilten, insgesamt rund 500 Quadratmeter großen Außengehege.

Rein ins Bassin

Dort ist schon alles gerichtet: Plattformen mit Grün, Stämme zum Krallen wetzen, Spielbälle - und gefüllte Badebassins. Kaum öffnen sich die Käfigtüren, flitzen die Raubtiere zuerst auf die Plattformen. Kurz darauf räkelt sich schon der erste Tiger im frischen Nass. Und als dann auch noch der "Chef" ihm eine Dusche aus dem Schlauch verpasst, bekommt er einen geradezu genießerischen Großkatzen-Gesichtsausdruck.

Erfrischende Dusche für Tiger und Pferde
Tiger lieben Wasser. Und so sind die Badebecken im Außengehege gut frequentiert. Und wenn Alexander Lacey dann noch eine frische Dusche spendiert.

Denn Tiger lieben Wasser. Und besonders gern, so verrät Lacey, mögen sie - ebenso wie die Löwen - warme Milch. Von dieser gebe es für jede Großkatze nach der Abendvorstellung einen halben Liter, versetzt mit Lachsöl. "Ein Geschenk für gute Arbeit."

Immer frisches Wasser

Das Wohlergehen seiner Tiere steht für Alexander Lacey an oberster Stelle. Rund um die Uhr ist er für sie da. Wie Janine von der Gathen für die anderen Tiere des Zirkus. Die 31-Jährige ist Assistentin des Tierlehrers Marek Jama. 21 Pferde und Ponys, vier Zebras, drei Strauße, fünf Kamele und drei Dromedare, zehn Rinder und sieben Lamas hat sie im Blick. Sie ist die Ansprechpartnerin für Fütterung und Pflege, medizinische Versorgung, Tierärzte und Hufschmied. "Dass immer Wasser zur Verfügung steht, hat oberste Priorität", sagt sie mit Blick auf die heißen Tage.

Erfrischende Dusche für Tiger und Pferde

Wasser steht für alle Tiere wie hier für die Strauße ständig zur Verfügung. Janine von der Gathen achtet stets darauf.

Die Pferde würden abgeduscht oder die Beine abgespritzt, der Boden im luftigen Stallzelt mit seinen Boxen zur Abkühlung nass gemacht. Die exotischen Tiere können wählen, ob sie in den Außengehegen in der Sonne bleiben wollen oder sich in die Stallzelte zurückziehen. Am Freitagmittag jedenfalls haben sich Kamele, Dromedare und Rinder zum Dösen in den Schatten verzogen.

Pool zur Abkühlung

In der Manege proben derweil Artisten. Zwei Vorstellungen täglich haben sie bei den Gastspielen, egal ob Hitze oder nicht. "Sie kommen mit den Temperaturen gut zurecht" weiß Zirkussprecher Patrick Adolph. Aber wie bei den Tieren sei auch bei den Menschen viel trinken angesagt. "Das Krafttraining wird etwas dosiert", sagt Adolph. Und vor dem einen oder anderen Wohnwagen sorge ein kleiner, aufblasbarer Swimmingpool für Abkühlung.

 

Premiere und Programm

Die vielen kleinen und großen Besucher kommen am Freitag bei der Premiere des Zirkus Charles Knie auf der Herrenwiese aus dem Klatschen und Jubeln fast nicht mehr heraus. Was der Großzirkus in seinem rund zweieinhalbstündigen Programm zeigt, ist faszinierend. Ob Artisten wie das Rollschuh-Duo Medini oder die Messoudi Brothers mit ihrer Handstand-Akrobatik, ob die Flying Wulbers als fliegende Menschen hoch in der Zirkuskuppel, ob die preisgekrönten Tierlehrer Alexander Lacey und Marek Jama mit ihren Raubtieren, Pferden, Kamelen, Rindern und Lamas, ob der ganz schön freche Clown Henry - dazu ein Zirkusballett und Zirkusorchester - das Programm ist so hochkarätig, das man es nicht verpassen sollte. Gelegenheit dazu hat man noch am Samstag um 16 und 20 Uhr und Sonntag um 11 und 15 Uhr.

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