Welle der Hilfsbereitschaft in Hohenlohe

Öhringen  Durch das Coronavirus besonders gefährdete Menschen können dank Unterstützung daheimbleiben. Ehrenamtliche Helfer stehen beim Einkauf zur Seite. In Öhringen gibt es seit Anfang der Woche die Homepage "Öhringen hilft".

Von Renate Väisänen
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Welle von Hilfsbereitschaft in Hohenlohe

Eine lange Liste hat der ehrenamtliche Einkaufshelfer Nasrullah Ahmadi abzuarbeiten, der Pfedelbacher möchte in der Corona-Krise helfen.

Foto: Renate Väisänen

Nasrullah Ahmadi möchte helfen. Im Internet hat der Geflüchtete über das grassierende Coronavirus Sars-CoV-2 recherchiert und herausgefunden, dass das dadurch ausgelöste respiratorische Lungensyndrom Covid 19 insbesondere für Menschen über 50 Jahre lebensbedrohlich sein kann. Was bei ihm Besorgnis für seine Mitmenschen auslöste.

"Ich bin für euch da, bitte bleibt zu Hause" hat der Afghane mit abgebrochenem Medizinstudium in der Öhringer Facebook-Gruppe "Du weißt, dass du aus Öhringen bist, wenn" gepostet. Samt seiner Handy-Nummer und dem Angebot, für Ältere und durch Vorerkrankung gefährdete Menschen unentgeltlich einzukaufen. Nun steht der junge Mann mit Einweghandschuhen und Einkaufswagen ausgerüstet in einem Öhringer Discounter und arbeitet eine lange Liste ab, die ihm eine Klientin übergeben hat.

Kirchengemeinden koordinieren Helfer

Ahmadi steht in Öhringen nicht allein. Die aktuelle Corona-Krise hat eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst: Seit rund zwei Wochen schon steht das Hilfsangebot der evangelischen und der katholischen Kirchengemeinde für die durch das Corona-Virus besonders gefährdete Bevölkerungsgruppe zur Verfügung. Ein Anruf bei Hans-Peter Hilligardt genügt und der Koordinator der Hilfsaktion leitet die Liste mit den gewünschten Lebensmitteln an einen der zahlreichen Helfer weiter. Damit die Waren noch am selben Tag vor der Tür des Klienten stehen können.

Da die Ehrenamtlichen für die Bestellung in Vorkasse gehen und aufgrund der Sicherheitsvorschriften der persönliche Kontakt vermieden werden soll, werden die Betreffenden vor der Auslieferung per Telefonat über die Rechnungssumme informiert und gebeten, das Geld in einem Umschlag außerhalb der Wohnung zu deponieren. So erklärt der Öhringer Diakon das Procedere. Wünschen würde Hilligardt sich jedoch, dass noch mehr ältere Menschen den Hilfsdienst in Anspruch nehmen. "Man wundert sich doch, dass ältere Menschen immer noch selbst einkaufen", meint der Seelsorger auf telefonische Anfrage.

Ehrenamtliche Angebote bündeln

Dass in der Öhringer Bevölkerung ein großes Potenzial an Hilfsbereitschaft vorhanden ist, hat auch Patrick Wegener erkannt. Das Thema Nachbarschaftshilfe hat den Öhringer SPD-Stadtrat davor schon lange beschäftigt. Auch vor der Corona-Krise hat er sich schon in seiner eigenen Nachbarschaft aktiv eingebracht. Angesichts der Corona-Krise hat er die Homepage "Öhringen hilft" initiiert. Die Internetseite sei am Anfang der Woche online gegangen, berichtet Wegener.

"Wer bietet in Öhringen Hilfe an und wer möchte sich engagieren: hier sollen sich alle ehrenamtlichen Angebote bündeln", erklärt der SPD-Ortsvorsitzende. In der Corona-Krise sieht Wegener auch eine große Chance: "Sie bietet einen Ansatz, den Zusammenhalt unter den Bürgern zu stärken, obwohl dieser Zusammenhalt derzeit nicht auf dem Weg des persönlichen Kontakts geleistet werden kann", findet der Öhringer. Und er hofft, dass dieses Engagement auch nach der Krise weiter bestehen wird. Natürlich weiß Wegener auch, dass nicht jeder und insbesondere ältere Menschen einen Internetzugang haben. Deswegen sollen Flyer an die Öhringer Haushalte auf die Einkaufshilfe aufmerksam machen.

Handzettel in Ohrnberg verteilt

Diesen Weg ist auch Uwe Köhler in seinem Wohnort Ohrnberg gegangen. Rund 340 Handzettel haben er und die Ohrnberger Familie Zöllner im Öhringer Teilort an die Haushalte dort verteilt. "Die Idee ist es, ältere Mitbürger oder Vorerkrankte ohne Familie oder anderweitige Sozialkontakte zu unterstützen", erklärt der Öhringer Stadtrat den Zweck seiner Initiative. Genügend Sozialkontakte hat hingegen der Öhringer Claus Bernhold. Ebenso wie Familienangehörige, die für ihn einkaufen. Nur um auszuprobieren, ob das bundesweite Netzwerk "Die Einkaufshelfer" auch wirklich funktioniert, hat der 83-Jährige dort Hilfe angefordert. Und prompt am nächsten Tag einen Anruf von einer jungen Frau aus Bretzfeld erhalten, die sich angeboten hat, für ihn die nötigen Besorgungen zu erledigen.

 

 

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