Vor 450 Jahren kam es zur Waldenburger Brandfastnacht

Waldenburg  Warum ein schreckliches Ereignis 450 Jahre später noch die Menschen in den Bann zieht: Autor Jan Wiechert hat die Waldenburger Brandfastnacht in einem Buch thematisiert.

Email
Vor 450 Jahren wird ein Faschingsfest auf Schloss Waldenburg zur Brandkatastrophe. Jetzt erscheint ein Buch dazu.

In Text und Bild wurde die Waldenburger Brandfastnacht vervielfältigt. Autor Jan Wiechert hat den verschiedenen Zeugnissen des Ereignisses vom 7. Februar 1570 nachgespürt. Selbst in Goethes Faust hat die tragische Geschichte Eingang gefunden.

Foto: privat

Es ist schon ein wenig schaurig: Roter Samt umrahmt den Lesepult. Durch die hohen Fenster des Waldenburger Ratsaals blickt man direkt auf das Waldenburger Schloss. Dort ereignete sich auf den Tag genau 450 Jahre zuvor eine fürchterliche Tragödie: Graf Eberhard hat Verwandte und Bekannte auf sein Schloss geladen, um gemeinsam Fastnacht zu feiern. Die Damen tragen engelsgleiche Kostüme mit Kerzen in den papiernen Krönchen. Die Männer dagegen haben sich mit Werk die Kostüme bestrichen, um wie Dämone auszusehen. Auch der Leibhaftige, sagt man, habe sich unter die Feiernden gemischt.

Als sich die Männer in der Nacht zum Mummenschanz (zu einem Würfelspiel) treffen, fängt ein Kostüm Feuer. Die Flammen greifen auf die anderen über. Was sich dann abspielt, ist verschiedentlich und ganz unterschiedlich beschrieben, je nachdem, ob der moralische oder der tragische Aspekt betont werden sollte.

Es kommt zu Toten und Verletzten

Wie brennende Fackeln sollen die Männer durch das Schloss geirrt sein. Ein Gast soll sich die Schnecke (also die Wendeltreppe) hinab gestürzt und dann auf dem Mist gewälzt haben. Er überstand das Unglück halbwegs unbeschadet. Andere aber erlitten grässliche Brandverletzungen, in deren Folge gar ganze Gliedmaße amputiert werden mussten. Zwei der Männer, nämlich der Gastgeber Graf Eberhard und sein Schwager, Georg von Tübingen-Lichteneck, starben sogar an den Folgen ihrer schlimmen Verletzungen.

Die lange Leidenszeit von Graf Eberhard zu Hohenlohe-Waldenburg ist der Grund, warum so viel Schriftliches überliefert ist: Der damalige Hofprediger Anton Bien hat festgehalten, mit welchen Worten er dem Grafen Zuspruch gegeben hat und wann er ihm die Heiligen Sakramente verabreichte. Und natürlich auch, wann der Graf gestorben ist.

Vor 450 Jahren wird ein Faschingsfest auf Schloss Waldenburg zur Brandkatastrophe. Jetzt erscheint ein Buch dazu.

Jan Wichert (links ) signiert eines seiner Bücher.

Foto: Yvonne Tscherwitschke

Zusätzlich zu den Schilderungen Biens hat das Ereignis aber auch in verschiedenen anderen Schriften Niederschlag gefunden - mit ganz unterschiedlicher Intention und unterschiedlichem Wahrheitsgehalt. Denn sowohl von Mund zu Mund als auch von Brief zu Brief wurde die Geschichte in der Welt verbreitet. Diesen Geschichten und schriftlichen Zeugnissen hat Jan Wiechert, Mitarbeiter im Hohenlohe-Zentralarchiv, nachgespürt. Einen Text hat er gar in Zürich gefunden. Beliebt war die Geschichte der Waldenburger Brandfastnacht auch bei katholischen Geistlichen. In den sogenannten Predigmährlein, also in moralisierenden Predigten mit warnendem Unterton, wurde sie oft weitergegeben. Allein acht Schriften hat Wiechert aufgespürt.

Rekonstruktion der Ereignisse

In seinem Buch "Die Waldenburger Fastnacht" rekonstruiert Wiechert nicht nur, was sich auf dem Waldenburger Schloss zugetragen hat. Er erklärt auch extrem unterhaltsam, warum sich die Geschichte so großer Beliebtheit erfreute. Die Geschichte, sagt Wiechert, habe sich sozusagen zur damaligen Frankfurter Buchmesse zugetragen, also zu einer Zeit, als Buchdruck eben so möglich war. Und die Tatsache, dass die Handelnden hochgestellte Persönlichkeiten waren, die wenig Interesse an der Verteilung der Geschichte hatten, machte es nur noch spannender, sie weiter zu verbreiten.

Sogar den Text für ein Lied stellt die Waldenburger Brandfastnacht. Dieses Lied haben Dorothea und Thomas Frank eingeübt. Neben verschiedenen anderen historischen Liedern tragen sie das Lied der Brandfastnacht vor - sehr zur Freude von Jan Wiechert, den sie am Abend der Buchvorstellung damit überraschen und rühren.

 

Yvonne Tschwerwitschke

Yvonne Tscherwitschke

Autorin

Yvonne Tscherwitschke ist seit 1994 bei der Heilbronner Stimme. Als gebürtige Hohenloherin weiß sie, welche Geschichten die Hohenloher interessieren.

Kommentar hinzufügen