Vom schiefen Turm in Waldenburg fallen Steine

Waldenburg  Gleich mehrere Baudenkmäler in der Stadt müssen dringend auf Vordermann gebracht werden: Am Bergfried droht Gefahr von oben, der Lindenplatz ist gesperrt, die Friedhofsmauer marode. Was die Stadt wann tun will.

Von Christian Nick
Vom schiefen Turm in Waldenburg fallen Steine

Wegen Steinschlag-Gefahr bekommt der 33 Meter hohe historische Bergfried an der Südseite bald eine Art Fangnetz verpasst, um Passanten zu schützen.

Foto: Archiv/Renk

Eine Stadt, in deren Mauern sich Jahrhunderte widerspiegeln: Was dem touristischen Flair Waldenburgs dienlich ist, stellt die Verwaltung vor Herausforderungen. Immerhin gleich vier denkmalgeschützte Bauwerke sind mittlerweile derart vom Zahn der Zeit angenagt, dass Sanierungsbedarf besteht. Die Dringlichkeit ist jedoch durchaus unterschiedlich.

Sofort gehandelt werden muss am Lachnersturm. Denn was nur wenige wissen: Nicht nur Pisa, sondern auch Waldenburg hat einen schiefen Turm. Der 33 Meter hohe historische Bergfried neigt sich um rund 50 Zentimeter gen Süden.

In den vergangenen sechs Monaten sind bereits zweimal Steine aus dem Gemäuer herabgestürzt, einmal sogar auf ein geparktes Auto. "Wir als Verwaltung haben die Verkehrssicherungspflicht und haften bei Sach- oder Personenschäden, deswegen müssen wie da dringend ran", sagt Bürgermeister Markus Knobel.

Mehrere hunderttausend Euro an Kosten drohen

Da die marode Stelle im Gemäuer noch nicht eindeutig identifiziert werden konnte, wird auf der entsprechenden Seite zunächst eine Art Auffangkorb installiert, um Passanten und Autos zu schützen. Der genaue Sanierungsbedarf des Turms ist noch gar nicht eruiert. Möglicherweise könnte die Erneuerung mehrere hunderttausend Euro kosten, mutmaßt der zuständige Architekt Werner Schuch.

Vom schiefen Turm in Waldenburg fallen Steine

Auf den Lindenplatz dürfen derzeit keine Menschen. Das auf diesem Foto noch sichtbare Holzgerüst ist abgebaut, gefährlich ist es dort aber immer noch.

Foto: Archiv/Nick

Bereits im Oktober vergangenen Jahres hat die Hohenloher Zeitung berichtet, dass der Lindenplatz wegen Gefahr für Leib und Leben durch die marode - und mittlerweile entfernte - Holzbalken-Konstruktion gesperrt worden ist. Daran hat sich auch bis heute nichts geändert. Insbesondere, weil keine Absturz-Sicherung den steilen Abhang hinab existiert. Einstimmig artikulierten die Gemeinderäte in ihrer jüngsten Sitzung das prinzipielle Ja zur Sanierung. Wie der Platz genau umgestaltet werden wird, steht aktuell noch ebenso wenig fest wie der exakte Zeitplan.

Stadträte mahnen zur Eile

Die Stadträte Falk Kittsteiner (Freie Wähler) und Wolfgang Baas (Bürgervereinigung) mahnen zur Eile: "Es wäre schön, wenn der Lindenplatz bis zum Stadtfest im September wieder gesichert und mit einem provisorischen Geländer versehen werden könnte", so Kittsteiner.

Über die genauen Modalitäten müssen Verwaltung und Architekt jedoch wohl noch so manches Gespräch mit dem Landesdenkmalamt führen. Das Konzept der Planer: kein Stützwerk mehr, die "Aufenthaltsqualität" steigern, mehrere Sitze und Bänke sowie eine "parkähnliche Bepflanzung".

Weniger drängend, aber dennoch nötig ist die Erneuerung der Brunnenstaffel - eine alte Treppe - mitsamt der Brunnenstube. Die rund 47.000 Euro Gesamtkosten werden zu 70 Prozent durch Fördermittel vonseiten des Naturparks Schwäbisch-Fränkischer Wald getragen. Losgehen soll es voraussichtlich um Ostern 2020.

Friedhofsmauer als langwierigstes Projekt

Vom schiefen Turm in Waldenburg fallen Steine

Über 250 Meter marode Friedhofsmauer: Die Sanierung wird wohl ein Jahrzehnt dauern. Denn pro Jahr werden jeweils nur wenige Wochen gearbeitet.

Foto: privat

Bereits in den kommenden Monaten indessen wird mit der denkmalgerechten Sanierung der Friedhofsmauer begonnen. Das wird jedoch mit Abstand das langwierigste Projekt: Denn die Erneuerung ist als Zehn-Jahres-Programm vorgesehen. Jeweils nur wenige Wochen sollen die Arbeiter dort tätig werden, um "Erfahrungen zu sammeln und diese dann ins nächste Jahr mitzunehmen", wie Architekt Schuch sagt.

Gestartet wird mit der Seite hin zum Panoramaweg, wo bereits der komplette Verfall droht. "Da sieht es teilweise wirklich kriminell aus", zeigt sich Bürgermeister Markus Knobel besorgt. Da die rund 250 Meter lange Mauer unter Spannung steht, ist ebendieses sukzessive und sensible Vorgehen geboten.

Feinfühlig muss auch der Dialog mit dem Kunsthistorikern des Landesdenkmalamts gestaltet werden: Aufgrund verschiedener Prioritäten sei die Abstimmung bisweilen mühsam, berichtet Architekt Werner Schuch.

 
 

Kommentar hinzufügen