Virtuose Solistin, stimmungsvolle Klangbilder

Öhringen - Etwas schüchtern wirkt sie, als ihr am Samstag Abend der begeisterte Applaus der rund 300 Zuhörer in der gut besuchten Öhringer Kultura entgegentönt: Mehrmals verschwindet Zsofia Posselt von der Bühne, doch das Publikum holt sie zurück – am Ende sogar mit stehenden Ovationen.

Virtuose Solistin, stimmungsvolle Klangbilder
Soloviolinistin Zsofia Posselt (Mitte) begeisterte die Zuhörer beim Sinfoniekonzert des Orchestervereins in der Kultura.Foto: Frank Lutz

Öhringen - Etwas schüchtern wirkt sie, als ihr am Samstag Abend der begeisterte Applaus der rund 300 Zuhörer in der gut besuchten Öhringer Kultura entgegentönt: Mehrmals verschwindet Zsofia Posselt von der Bühne, doch das Publikum holt sie zurück − am Ende sogar mit stehenden Ovationen. Schließlich lässt sich die Soloviolinistin doch noch zu einer Zugabe hinreißen und spielt ohne Begleitung des Orchesters das eher schlichte, lyrische Andante aus der Violinsonate in a-moll von Johann Sebastian Bach. Dafür gibt es nicht nur von den Zuhörern, sondern auch von den Musikern im Orchester Beifall.

Höhepunkt

Zuvor hat Posselt mit Ludwig van Beethovens Violinkonzert für den Höhepunkt beim Sinfoniekonzert des Orchestervereins Öhringen unter der Leitung von Uwe Reinhardt gesorgt. Doch in der ersten Hälfte des Konzerts hat das Orchester unter Beweis gestellt, dass es auch ohne Solisten zu glänzen weiß. Beim ersten Stück, Felix Mendelssohn-Bartholdys Hebriden-Ouvertüre, beeindruckt der homogene Gesamtklang des Orchesters: Die Streicher und Holzbläser malen ein düster-melancholisches Stimmungsbild von Wind und Wellen, zu dem in den Fortissimo-Passagen die Pauken wie ein bedrohlicher Donner grollen.

Noch besser gelingt die für Streichorchester mit Trompete und Englischhorn geschriebene Quiet City des amerikanischen Komponisten Aaron Copland aus dem Jahr 1940. Vom zarten Beginn mit den fast durchsichtigen Klängen in den hohen Streichern bis zu den letzten Takten, in denen die hellen Töne der Geigen und das Pizzicato der tiefen Streicher wieder in der Stille verschwinden, lassen die Musiker das Bild einer nächtlichen Großstadt entstehen, deren Ruhe nur kurz durch einen Fortissimo-Höhepunkt unterbrochen wird. Das langsame, ganz auf seine Klangwirkung ausgerichtete Stück gibt den beiden Solisten, Naoko Arai am Englischhorn und Rozmurat Arnakuliyev an der Trompete, kaum Gelegenheit, ihre Virtuosität zu zeigen. Dafür fügen sie sich mit ihrem zurückhaltenden und doch ausdrucksvollen Spiel wunderbar in den Gesamtklang ein.

Als es dann aber zurück in klassische Gefilde geht, scheint das Orchester zunächst einige Startschwierigkeiten zu haben. Beim ersten Satz aus Beethovens achter Sinfonie, den Reinhardt in eher gemäßigtem Tempo spielen lässt, kommt es vor allem auf die heitere Melodik und den energischen Rhythmus an. Doch vielleicht lässt die Musiker die träumerische Stimmung der Quiet City nicht gleich los − jedenfalls wirkt das Orchester anfangs etwas verhalten und braucht einige Zeit, bis es dem frischen, optimistischen Charakter der Musik gerecht wird.

Mit Bravour

Mit Beethovens Violinkonzert geht es im zweiten Teil des Konzerts weiter. Anders als bei Copland tritt hier das Orchester deutlich hinter das Soloinstrument zurück, und von ihrem ersten Einsatz an meistert Zsofia Posselt ihren Part mit Bravour. Trotz der komplizierten Doppelgriffe, Triller und Arpeggien in hoher Geschwindigkeit, die verständlich machen, warum das Konzert lange Zeit als unspielbar galt, bleibt der Klang ihres Instruments stets klar und melodisch. Wenn sie ihre Finger über das Griffbrett eilen lässt, merkt man ihr die Mühe, die dahintersteckt, nicht an. Die Zuhörer können ihre Blicke kaum von der Solistin abwenden und wagen es nicht, unnötige Geräusche zu verursachen. Im fröhlichen, tänzerischen Finalsatz wippen einzelne Zuhörer dezent mit, und kaum sind die zwei kraftvollen Schlussakkorde verklungen, rauscht ein minutenlanger Applaus auf.

Zsofia Posselt

1986 in Budapest als Zsofia Dobra geboren, erhielt sie ihre erste Ausbildung mit vier Jahren. Als Zehnjährige wurde sie Konzertmeisterin des Young Musician’s International Symphonic Orchestra. 1997 gewann sie den dritten Preis beim Internationalen Violinwettbewerb Ede Zaturecky und 1998 den Sonderpreis beim Jenö-Hubay-Violinwettbewerb in Budapest. Seit 2005 studiert sie an der Dresdner Musikhochschule bei Reinhard Ulbricht, seit 2009 gehört sie zur Meisterklasse von Igor Malinowsky. Neben regelmäßigen solistischen und kammermusikalischen Workshops ist sie Substitutin an der Sächsischen Staatskapelle Dresden und ständiger Gast beim Orchestra de Palau de les Arts Reina Sofia in Valencia. flu
 


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