Schock nach tödlichem Familienstreit sitzt tief (15.05.07)

Öhringer Nachbarn beschreiben vierfache Mutter als „herzensgut“ - Ehemann weiter in U-Haft

Von Hagen Stegmüller

Schock nach tödlichem Familienstreit sitzt tief
Schauplatz eines tödlichen Familiendramas: In diesem Haus in der Öhringer Straße Am Ochsensee wohnte die 44-Jährige mit ihrem Sohn.Foto: Hagen Stegmüller

Öhringen - „Das ganze Viertel steht unter Schock.“ Die ältere Dame, die gerade die Post aus ihrem Briefkasten holt, kann es immer noch nicht glauben. Am vergangenen Dienstag ist im Nachbarhaus eine 44-jährige Mutter von vier Kindern gewaltsam zu Tode gekommen. Todesursache waren laut Staatsanwaltschaft massive Verletzungen an Kopf und Hals. Der 55-jährige Ehemann soll seine elf Jahre jüngere Frau nach einem Streit erschlagen haben. Er sitzt wegen des dringenden Verdachts des Totschlags in U-Haft.

Völlig aufgelöst, so die Nachbarin, sei der Ehemann am Dienstagvormittag im Garten auf und ab gelaufen. Notarzt und Rettungswagen waren zu diesem Zeitpunkt schon da. „Ich fragte ihn, was denn los sei“, erzählt die Nachbarin. Der Mann habe nur kurz aufgeblickt und gleich wieder die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Mit seinem Sohn sei er dem Rettungswagen ins Krankenhaus hintergefahren. Dort nahm ihn die Polizei später fest.

Von ihrem Mann hatte sich die 44-Jährige erst im März getrennt. Sie zog von der gemeinsamen Wohnung in Sindringen aus und lebte mit ihrem jüngsten Sohn in dem Einfamilienhäuschen am Öhringer Ochsensee. Man habe sich „im Guten getrennt“, ließ die Frau ihre neuen Nachbarn wissen. Ihr Mann und sie wollten sich offenbar neue Existenzen aufbauen. Die 44-Jährige eröffnete in ihrem neuen Wohnhaus eine Reiki-Praxis für ganzheitliche Heilung. Ihr Mann ist Fachmann für Kühlanlagen. Anwohnern zufolge hat der 55-Jährige seiner Noch-Ehefrau beim Umzug viel geholfen. „Er war jeden Tag da, schleppte Kisten und montierte irgendwelche Sachen“, sagt eine Nachbarin. Anzeichen für Streit habe man nie bemerkt. Die Frau hinterlässt vier Kinder: zwei erwachsene Töchter, einen 18-jährigen Sohn und einen Jungen, der noch zur Schule geht.

Von ihren Nachbarn in Öhringen wird die Getötete als „herzensgute Frau“ beschrieben. „Sie kam fast jeden Tag zu mir und nahm mich in den Arm“, erzählt die ältere Dame aus dem Haus nebenan. „Sie war sehr freundlich und hat mir immer zugewinkt“, ergänzt ein anderer Nachbar. Er könne es nicht fassen, dass er sie nie mehr sehen werde.


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