Richtig gute Überraschung in der Kultura

Öhringen  A-Cappella-Gruppe Unduzo angelt sich in Öhringen neue Fans. Warum der Beatboxer traurig ist und fünf Leute wesentlich mehr als nur fünf Stimmen haben.

Von Stefanie Pfäffle

Richtig gute Überraschung in der Kultura

Das A-Cappella-Quintett Unduzo bringt das Publikum in der Kultura dazu, Teil ihres Programms zu werden.

Foto: Stefanie Pfäffle

Julian Knörzer ist ein ganz armer Knopf. Er ist von Beruf Beatboxer, und alle denken, das sei ein total glamouröses Leben, in dem er nur ein paar Geräusche produzieren muss. "Dabei kann das Leben als Beatboxer total hart sein", meint er traurig und singt ein Lied über sein Leben.

Erst ganz sanft, aber dann brechen die Beats nur so aus ihm heraus, dass sogar seine Bandkollegen komisch gucken. Gut, dass die anderen vier von Unduzo ihn letztlich doch ganz lieb haben, sonst würde ihre Musik die Leute ja nicht so erfreuen, wie sie das jetzt in der Öhringer Kultura tut.

Zuhörer lassen sich überraschen

Rund 120 Zuhörer sind gekommen, die Tische im kleinen Saal sind voll besetzt. Das A-Cappella-Quintett aus Freiburg kennt hier zwar fast niemand, aber man ist offen und will sich überraschen lassen. Unduzo, das sind Tenor Patrick Heil, Beatboxer und Bariton Knörzer, Bass Richard Leisegang, Bariton Cornelius Mack sowie seit Anfang des Jahres Mezzosopranistin Julie Mbodjé.

"Schweigen silber, reden gold" heißt ihr aktuelles Programm, und es ist genau wie dieser Abend eine Mischung aus Deutschpop, lustigen, überspitzten Texten und auch mal was Tanzbarem.

Radiotaugliche Nachdenklichkeit

Meist sind A-Cappella-Gruppen ja vor allem lustig, Unduzo aber bringen noch eine radiotaugliche, nachdenkliche Komponente mit ein. "Eine neue Zeit" heißt der erste Titel, und dieses Lied um Neuanfänge könnte so auch eins zu eins im Radio laufen.

Überhaupt ist es meist so, wenn Mbodjé den Hauptpart übernimmt und sich ihre Jungs im Hintergrund halten. Besonders dann ist es fast nicht zu glauben, dass da wirklich keine Melodie vom Band eingespielt wird.

Stimmen aus der Loopmaschine

Manchmal wird sie das tatsächlich, aber Moment, nicht etwa vorproduziert. Unduzo sind Fans der Loopmaschine, mit der auch große Stars ihre Auftritte bereichern. Einer singt was, das wird aufgenommen und immer wieder abgespielt, während er schon wieder was anderes anstimmen kann. Dadurch werden aus fünf plötzlich wesentlich mehr Stimmen und die Stücke noch facettenreicher.

Was die Zuschauer wohl überrascht haben dürfte, ist, wie viel sie an diesem Abend selbst zu tun bekommen. Geräusche erzeugen gehört für A-Cappella-Gruppen irgendwie zum Geschäft und Unduzo lagern das kurzerhand ins Publikum aus - Outsourcing quasi.

Von Wölfen und Wellen

Da sitzen sie also da und heulen wie Wölfe, lassen Nordseewellen am Strand brechen und bringen im Zweifelsfall sogar eine gebärende Elchkuh zu Gehör. Was ein Glück, dass die Öhringer so freudig mitmachen, auch, wenn es ums Singen geht. Ganze Refrains von bis dato unbekannten Liedern schütteln sie mal eben aus der Hüfte. "Da singen aber doch einige im Chor", lobt Heil.

Tja, und dann wird natürlich auch gelacht. Über abstruse Superhelden, überzogene Sprichwörter und Mack als Bauchtänzer - all das immer in perfekt aufeinander eingespielten Stimmen. Fürs Publikum waren sie eine Überraschung, aber eine gute.


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