Regionalität der Speisen macht weiter Fortschritte

Öhringen  Sinzingers Krone und Württemberger Hof gewinnen den sechsten Gastro-Wettbewerb "Ausgezeichnet regional" beim Hohenloher Weindorf in Öhringen.

Von Juergen Koch
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Jury-Mitglied und Weinschlüssel-Trägerin Natalie Lumpp freut sich mit den Gewinnern Björn Sinzinger (Sinzingers Krone, links) ) und Max Payerle (Württemberger Hof) über ihre "Ausgezeichnet-regional"-Plakette. Fotos: Juergen Koch

"Eine echte Foto-Schönheit", schwärmt Jury-Neuling Natalie Lumpp, als Björn Sinzinger sein Gericht auftischt. Sattgelb grüßt eine Kapuzinerkresse-Blüte vom Teller, leuchtet mit violettem Lavendel und Basilikum, knallroten Kirschtomaten, Paprika und grünen Zucchini um die Wette. Gekrönt mit zwei dicken Scheiben von cremigem Ziegenkäse, dem eine abgeflämmte Karamellkruste bissfesten Crunch verpasst. Für die Jury des sechsten Weindorf-Gastrowettbewerbs "Ausgezeichnet regional" ein "tolles Sommergericht" und auch geschmacklich ein Auftakt nach Maß.

Kein Wunder, dass Björn Sinzingers Bilderbuch-Teller am Ende die meisten Punkte absahnt und zum Sieger der Kategorie "Gutbürgerlich" gekürt wird. Mit der Plakette "Ausgezeichnet regional" darf sich auch der Württemberger Hof schmücken, dessen Pastrami vom Hohenloher Rind bei den "Imbiss"-Gerichten die Nase vorn hat.

Alte Hasen beim Testessen

Regionalität der Speisen macht weiter Fortschritte

Zwei Stunden vor der Weindorf-Eröffnung trifft sich das Jury-Quartett zum Testessen: drei alte Hasen sowie Weinexpertin Natalie Lumpp aus Baden-Baden, die in diesem Jahr neben der Weißweinpreis-Jury auch die des Gastropreises prominent verstärkt. Auch sie ist neugierig, ob die Weindorf-Gastronomen dem Wettbewerbs-Auftrag gerecht werden, das Gastro-Angebot mit mehr Vielfalt, Pfiff und Regionalität aufzupeppen.

Regionalität, Originalität, Geschmack und Präsentation, das ist die Wertungs-Messlatte der Jury, wobei bei den Imbissen die Präsentation unter den Tisch fällt. Zwischen einem Punkt ("mangelhaft") und fünf Punkten ("sehr gut") können die Juroren jeweils lockermachen. Vier gutbürgerliche und zwei Imbiss-Gerichte aus dem Angebot der Weindorf-Gastronomen stellen sich dem kritischen Gaumen der Jury. Kein Gericht stellt in diesem Jahr Borts Ochsenhandel.

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Schlag vier serviert Björn Sinzinger sein Bilderbuch-Gericht. "Außer in Sachen Regionalität kann man das nicht besser machen", meint Natalie Lumpp und spielt damit auf den französischen Ziegenkäse an. Klar könnte Sinzinger auch heimischen verwenden. Doch dann müsste der Gast bereit sein, "dafür zwei bis drei Euro mehr hinzulegen", sagt er.

Nichts zu mäkeln an der Regionalität gibt es bei Weiblers Ochs vom Spieß: Das Fleisch aus dem eigenen Stall, die Kartoffeln aus Lauffen, das Brot vom heimischen Bäcker. "Das Fleisch ist wie bei Muttern", freut sich Andreas Dürr.

Etwas unter seinem gewohnten Niveau als bislang viermaliger Sieger bleibt das Landhaus Rössle mit seinen Wildfleischküchle. "Da hätte man mehr draus machen können", meint nicht nur Otto Vogelmann. Erneut "deutliche Fortschritte" attestiert die Jury Wolfgang Riegler (Krone, Krautheim), obwohl er es bei seiner Schweinskopfsülze mit Zwiebeln und Pfeffer etwas zu gut meint.

Gabeln, schneiden, schmecken

Mit allen Sinnen gabeln, schneiden und schmecken sich die Juroren zu den Imbiss-Gerichten durch. Originell verpackt in Zeitungspapier und knusprigem Brioche kommt Max Payerles Pastrami auf den Teller. Ein echter Sattmacher, pikant gewürzt und gut gefüllt mit dünnen Scheiben von leicht geräuchertem Rinderschinken. Originell auch Bäcker Andreas Dischers Korkenzieher, ein knusprig-würziges Gebäck in Korkenzieherform.

Kurz nach halb sechs verkündet Ingrid Sterzer von der Stadtverwaltung das Ergebnis. Tenor der Jury: Schön, dass in diesem Jahr die Gastronomen auf dem Siegertreppchen stehen, die sich in den letzten Jahren am meisten Mühe mit neuen Gerichten gegeben haben. Doch nicht ganz so gut aus sieht es damit in diesem Jahr. Kamen im Vorjahr noch 43 Prozent neue Gerichte auf die Teller, sind es in diesem nur noch 19 Prozent. Darunter nicht wirklich Neues aus den Vorjahren. Dafür macht die Regionalität weiter Fortschritte: Ausrutscher wie Zaziki, Dosenmais und Co. sind diesmal nicht zu beklagen.

Ein überaus positives Fazit zieht am Ende ihrer Premiere Natalie Lumpp: "Man muss schon sehr weit laufen, um auf einem Weinfest so ein hohes Niveau zu finden."

 

 

Gerichte und Speisen

Kategorie "Gutbürgerlich" (maximal 20 Punkte): 1. Platz: Sommerliches Grillgemüse mit karamellisiertem Ziegenkäse (Sinzingers Krone, Öhringen-Unterohrn; neun Euro; Durchschnittswertung 18,75 Punkte); 2. Platz: Ochs vom Spieß aus eigener Aufzucht mit hausgemachtem Kartoffelsalat (Gebrüder Weibler, Siebeneich, elf Euro; 17,0 Punkte); 3. Platz: Wildfleischküchle mit Rotweinsauce, Semmelknödel und Preiselbeeren (Landhaus Rössle, Brettach; zehn Euro; 16,25 Punkte); 4. Platz: Schweinskopfsülze vom Hohenloher Landschwein in Zwiebel-Schnittlauch-Vinaigrette mit Baguette (Landgasthof zur Krone, Krautheim; 14,5 Punkte).

Kategorie "Imbiss" (maximal 15 Punkte): 1. Platz: Pastrami vom Hohenloher Rind im Briochebrötchen mit pikanter Weindorfsauce, Tomate, Gurke und Römersalat (Hotel Württemberger Hof, Öhringen; 7,50 Euro; 12,5 Punkte); 2. Platz: Knuspriger Korkenzieher (Bäckerei Discher, Öhringen; 2,50 Euro; 11,75 Punkte).

Vierköpfige Jury: Natalie Lumpp (Sommelière), Otto Vogelmann (Gastronomie-Leiter, Klinik Löwenstein), Andreas Dürr (Touristikgemeinschaft Hohenlohe), Juergen Koch (Hohenloher Zeitung).

 

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