Pläne des Bürgerwindparks Hohenlohe wecken kaum Interesse

Region  Während anderswo Bürger Sturm gegen geplante Windkraftanlagen laufen, haben die Pläne auf Obersulmer und Bretzfelder Gemarkung wenige Interessenten zum Erörterungstermin gelockt.

Von Yvonne Tscherwitschke
Von Fledermäusen und Rotoren Von Fledermäusen und Rotoren: Erörterungstermin zu Plänen des Bürgerwindparks bei Bretzfeld und Obersulm

Der Abstand der Windkraftanlagen bei Löwenstein zur Wohnbebauung ist groß. Deshalb ist der Widerstand in der Bevölkerung vergleichsweise gering.

Foto: Archiv/Gleichauf

"Warum sind hier nicht mehr Menschen?" Das fragt ganz erstaunt einer der wenigen Zuhörer beim Erörterungstermin zum Bürgerwindpark Bretzfeld-Obersulm. Das ist ein gemeinsames Projekt von Bürgerwindpark Hohenlohe (Niedernhall) und der EnBW auf Gemarkung der beiden Kommunen Obersulm und Bretzfeld. Zu den beiden bereits sich drehenden Windanlagen sollen drei weitere Windräder kommen.

Während anderswo Bürger Sturm gegen die Windkraftanlagen laufen und seitenweise Einwendungen formulieren, muss sich im Fall des Bürgerwindparks Obersulm-Bretzfeld das Landratsamt Hohenlohekreis nur mit einer - aber zugegeben sehr umfangreichen - Einwendung der Naturschützer beschäftigen. Das geschieht beim Erörterungstermin in der Mehrzweckhalle Scheppach.

Unter Vorsitz von Patrick Hauser, Dezernent für Umwelt und Ordnung, tauschen Gottfried Mey-Stürmer vom BUND und Marion Valentin von der Schutzgemeinschaft Hardthäuser Wald, vor allem mit den Verantwortlichen des Umweltschutzgutachtens ihre Argumente aus. Die betreffen über weite Teile Fledermäuse.

Seltene Fledermausarten genießen Schutz

Das Gebiet im Staatswald, auf dem die Anlagen gebaut werden sollen, ist FFH-Gebiet. Schutz genießen dort ein halbes Dutzend (seltene) Fledermausarten. Gesichtet wurden unter anderem Mopsfledermaus, Bechsteinfledermaus und Großes und Kleines Mausohr.

Dass diese zum Teil vom Aussterben bedrohten Tiere nicht von den Rotoren erschlagen werden, wollen die Umweltschützer erreichen. "Jede tote Fledermaus gefährdet den Bestand", sagt Gottfried Mey-Stürmer zu der Tatsache, dass nur wenige tote Fledermäuse bei den Windanlagen gefunden worden seien.

Die Gutachter waren zu dem Schluss gekommen, dass die Tiere im Waldgebiet bei den geplanten Anlagen zu finden sind, aber aufgrund ihrer Jagd- und Lebensweise nicht bedroht sind, wenn die üblichen Abschaltalgorythmen angewendet werden.

Einwendung der Naturschützer umfasst 17 Seiten

Diesem Gutachten - das während der öffentlichen Auslegung der Unterlagen nicht vollständig auslag - widersprechen die Naturschützer und verweisen auf Expertisen anderer Fledermaus-Experten. Insgesamt 17 Seiten umfassen die Einwendungen der Naturschützer. Um die Mittagszeit war erst etwa die Hälfte der Einwendungen abgearbeitet. Mit Einwendungen für die dritte Anlage beschäftigt sich das Landratsamt Heilbronn.

Von Fledermäusen und Rotoren Von Fledermäusen und Rotoren: Erörterungstermin zu Plänen des Bürgerwindparks bei Bretzfeld und Obersulm

Kritisiert wird unter anderem die Art der Gutachten-Erstellung. Es hätten mehr Begehung gemacht werden sollen. Dem halten die Gutachter entgegen, dass die Mischung akustischer Dauerbeobachtung mit fünf Begehungen zum besten Ergebnis geführt habe. Weiterer Kritikpunkt: Es habe keine vertiefende Variantenprüfung stattgefunden.

Wie die hätte aussehen können, zeigte die sich entwickelnde Diskussion, die Einblick in den aktuellen Stand der Fledermaus-Forschung gab. Aus Sicht der Naturschützer müsse auch diskutiert werden, ob die geltenden Abschalt-Algorythmen noch Berechtigung haben. Angesichts der Klimawandels habe es Fledermausflüge noch im November gegeben.

Entscheidung über Bau in den kommenden Monaten

Die Erkenntnisse des Tages, erklärt Patrick Hauser, werden von der Behörde nun abgewogen. Eventuell müsse das später vorgelegte Gutachten noch öffentlich ausgelegt werden. In den kommenden Monaten entscheidet das Amt, ob und wann Bürgerwind mit dem Bau beginnen kann.


Wer betreibt die Anlagen?

Der Bürgerwindpark Hohenlohe betreibt 14 Anlagen in den Landkreisen Hohenlohe und Schwäbisch Hall. Die letzte Anlage wurde 2017 erstellt. Anfang 2015 haben Bürgerwind und EnBW den Zuschlag für das Gebiet bekommen. Anfangs waren nur zwei Anlagen auf Bretzfelder Gemarkung geplant. Dann gab der Obersulmer Gemeinderat aber auch grünes Licht für eine Anlage auf seiner Fläche.

Ende 2014 wurden zwei Anlagen auf Löwensteiner Gemarkung gebaut. Mit 239 Meter Gesamthöhe sind die neuen Anlagen höher als die bestehenden. Sie stehen aber niedriger, so bleibt die Sichthöhe gleich. 

 


Kommentar hinzufügen