Neuer Schultes in Kupferzell: "Ich bin mit meinem Einstand zufrieden"

Kupferzell  Seit drei Monaten regiert Christoph Spieles im Kupferzeller Rathaus. Beim Gespräch mit der Hohenloher Zeitung zieht er seine persönliche Bilanz nach 100 Tagen im Amt als Bürgermeister.

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"Ich bin mit meinem Einstand zufrieden"

Angekommen und mittlerweile heimisch: Christoph Spieles am Schreibtisch im Bürgermeister-Amtszimmer des Kupferzeller Rathauses. Der 44-Jährige liebt es aufgeräumt und strukturiert. Das Wollknäuel dient freilich nicht zum Pullover-Stricken − sondern ist ein Geschenk, das ihm helfen soll, den "roten Faden" nicht zu verlieren.

Foto: Nick

Anfang August hat der neue Kupferzeller Bürgermeister das Amt von Vorgänger Joachim Schaaf übernommen. Viele intensive Begegnungen, Herausforderungen und auch eine durchaus ruppige erste Gemeinderatssitzung gab es seitdem. Ein Gespräch über den Start eines Laufs, der vom Sprint zum Marathon werden soll.

Herr Spieles, in Ihrer Antrittsrede haben Sie gesagt, die berühmte 100-Tage-Frist werde wohl zur Einarbeitung nicht reichen. Die Presse ist gnadenlos und fragt Sie trotzdem: Sind Sie schon ganz angekommen im Amt?

Christoph Spieles: Ja, ich wurde sehr gut aufgenommen: von den Mitarbeitern hier im Rathaus und auch von der Bevölkerung.


Gleich bei der Premiere im Gemeinderat blies Ihnen ein rauer Wind entgegen: Unter anderem bewilligten die Räte weniger Gehalt als Ihrem Vorgänger und kritisierten vehement, dass ihre Anfragen ans Ende der Tagesordnung verschoben wurden. Welpenschutz sieht anders aus, oder...?

Spieles: Ich sehe das nicht ganz so dramatisch. Was das Gehalt betrifft: Das ist das Recht des Gemeinderats − und ich akzeptiere das auch.

Hand aufs Herz: Hätten Sie sich einen besseren Einstand gewünscht?

Spieles: Ich bin mit meinem Einstand zufrieden und habe noch nie bereut, hier Bürgermeister geworden zu sein.


Ihr Ton im Plenum ist forscher als der Ihres Vorgängers. Muss das so sein, um die öfters ausufernden Debatten auf ein halbwegs verträgliches Maß zu reduzieren?

Spieles: Jeder Mensch ist nun mal anders. Und ja, vielleicht will man die Sitzungen auch etwas straffen...


Verlassen wir mal den Gemeinderat: In welchen Bereichen konnten Sie bisher schon Akzente setzen?

Spieles: Da gibt es einiges. Wir sind dabei, die Baugebiete Kupferaue und Beckenäcker auf den Weg zu bringen sowie das Kleine Lernhaus fertigzustellen. Wir haben uns auch intensiv der Frage gewidmet, wie es mit der Kinderbetreuung weitergeht: insbesondere bezüglich der Interimslösung am Sebastian-Kneipp-Kindergarten.


Was hat Sie in den ersten 100 Tagen denn am meisten überrascht?

Spieles: Dass die Zeit ohne Kämmerer doch sehr lang war. Wir sind froh, dass wir nun wieder jemand Geeigneten gefunden haben.


Was war Ihr größter Fehler bisher?

Spieles: Mir ist kein Fehler bewusst, jedenfalls kein großer. Ich bin offen und ehrlich auf die Menschen zugegangen. Und auch mit dem Gemeinderat klappt es gut.


Wir haben uns natürlich etwas umgehört. Das Fazit: Sie träten bürgernah auf und arbeiteten intensiv, heißt es.

Spieles: Das freut mich natürlich. So habe ich es versprochen − und so will ich es halten. Es ist eine Bestätigung, dass man auf dem richtigen Weg ist.


Das schönste Erlebnis im Amt?

Spieles: Da gab es viele. Die ersten Begegnungen sind ja immer besonders intensiv. Ich will da jetzt keine speziell hervorheben. Besonders schön war aber, dass gleich die Kärwe, eigentlich der Kupferzeller Feiertag, stattgefunden hat.


Ich nehme an, der Abend des Wahlsiegs war auch ganz nett...

Spieles: Selbstverständlich, aber da war ich ja noch nicht im Amt (lacht). Aber es stimmt: Die Einsetzung und die Verpflichtungsfeier waren auch sehr schön.


Nun, wo Sie bereits mehr Einblick haben als damals: Was sind die drei größten Herausforderungen, denen sich Kupferzell in der Zukunft stellen muss?

Spieles: Wir müssen den Schulstandort und die Kindertagesstätten fit für die Zukunft machen, die Baugebiete und den Standort von Bauhof und Feuerwehr weiterentwickeln. Und auch für die Kläranlagen müssen Investitionen in Millionenhöhe getätigt werden. Viel hängt von der wirtschaftlichen Entwicklung, von den Gewerbesteuereinnahmen, ab.


Apropos Gewerbesteuer: Warum wollen Sie eigentlich Schwäbisch Hall nicht im Gewerbepark haben?

Spieles: Das war die gemeinsame Entscheidung aller drei Partner...


Ich frage ja jetzt Sie...

Spieles: Ich kann nicht allein für alle sprechen. Für die nahe Zukunft ist das nun vom Verband so beschlossen. Was irgendwann kommt, weiß dann aber ja auch niemand.


Christian Nick

Christian Nick

Autor

Christian Nick ist seit 2018 Redakteur bei der Hohenloher Zeitung. Schwerpunktmäßig betreut er die Kommunen Kupferzell und Waldenburg - schreibt aber auch (über) alles andere gerne.

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