Neuer Mehrheits-Eigentümer für Hohenloher Krankenhaus

Hohenlohe  Jetzt ist es amtlich: Das Hohenloher Krankenhaus hat einen neuen Mehrheitseigentümer. Der Kreistag des Hohenlohekreises votierte am Mittwochabend in Pfedelbach einstimmig für das Angebot der BBT-Gruppe.

Von Ralf Reichert
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Die Entscheidung fiel am Mittwochabend nach rund dreineinhalbstündiger Sitzung. Damit fallen 51 Prozent der Unternehmensanteile der Hohenloher Krankenhaus gGmbH an die Barmherzige Brüder Trier gGmbH. BBT wird gleichzeitig Mehrheitsträger der Hohenloher Seniorenbetreuung gGmbH.

Die BBT-Gruppe zählt zu den großen christlichen Trägern von Krankenhäusern und Sozialeinrichtungen in Deutschland. Sie war in einem komplexen und für alle Interessenten offenen Markterkundungsverfahren, das im Juli 2017 eröffnet wurde, als einziger Bieter übriggeblieben.

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Die BBT-Gruppe hat ihren Sitz in Koblenz, ist aber nicht nur dort, sondern in den Regionen Paderborn und Trier sowie im Main-Tauber-Kreis mit vielfältigen Gesundheitsdienstleistungen aktiv.

Medizinische Zentren in Bad Mergentheim, Wertheim oder Kirchberg

Seit 2006 ist BBT Mehrheitsgesellschafter des Caritas-Krankenhauses in Bad Mergentheim, einem Zentralversorger mit 434 Betten. Seit 2012 ist gehört der BBT-Gruppe mehrheitlich auch das Krankenhaus Tauberbischofsheim, ein Grund- und Regelversorger mit 235 Betten.

Außerdem hält die Barmherzige Brüder Trier gGmbH die Mehrheit an drei Seniorenzentren in Tauberbischofsheim und Gerlachsheim sowie der Physiotherapieschule- und praxis Sanitas Tauberfranken in Bad Mergentheim.

Zur Sicherung der fachärztlichen Versorgung wurden in den vergangenen Jahren außerdem vier Medizinische Versorgungszentren in Bad Mergentheim, Wertheim, Walldürn und Kirchberg an der Jagst gegründet. Alle Angebote sind gebündelt in der Gesundheitsholding Tauberfranken gGmbH.

Landrat sieht „kompetenten und verlässlichen Partner“

Mit dem Engagement im Hohenlohekreis möchte die BBT-Gruppe in dieser Schwerpunktregion weiter wachsen und Synergien nutzen. In einer Pressemitteilung des Hohenlohekreises zum Kreistagsentscheid spricht Landrat Matthias Neth von einem „kompetenten und verlässlichen Partner“.

Als großen Vorteil bewertet er die Möglichkeit, die akutstationäre Krankenhausversorgung, die geriatrische Rehabilitation und die Senioreneinrichtungen mit den ambulanten Angeboten noch stärker zu verzahnen sowie diese Bereiche um spezielle, auf den ländlichen Raum zugeschnittene Versorgungsmodelle in einem starken Verbund zu ergänzen und auszubauen.

Gemeinnützigkeit soll bestehen bleiben

Mit dem Angebot der BBT-Gruppe bleibe der kommunale Einfluss auf Strukturentscheidungen erhalten und die Gemeinnützigkeit bestehen. Dies seien für den Kreistag besonderes wichtige Faktoren gewesen, um diese langfristige Partnerschaft einzugehen.

„Mit BBT steht uns ein Partner zur Seite, der von Anbeginn in die organisatorische, unternehmerische und wirtschaftliche Mitverantwortung geht. Es ist ein klares Signal für das Unternehmen, dass alle Zahlungen zur Stärkung der Finanzsituation und für Investitionen in der Gesellschaft verbleiben. Positive Erträge werden nicht dem Unternehmen entzogen, sondern bleiben zur Refinanzierung im Unternehmen“, so Neth in der Pressemitteilung des Kreises.

Bundeskartellamt muss noch zustimmen

Beide Partner betonen, dass der Kreistagsbeschluss noch unter dem Vorbehalt der Zustimmungen durch das Bundeskartellamt sowie der Kommunalaufsicht und der Zusatzversorgungskasse des Kommunalen Versorgungsverbands Baden-Württemberg stehe. Mit diesen sei voraussichtlich im April zu rechnen.

Danach sollen die medizinischen Konzepte für die Standorte Öhringen (Klinik-Neubau) und Künzelsau (ambulantes Medizinzentrum) mit konkreten Inhalten versehen werden – in gemeinsamen Gesprächen mit allen Akteuren, wie es in der Pressemitteilung des Kreises heißt.

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Die BBT-Gruppe schreibt in ihrer Presseinfo, sollte das Bundeskartellamt zustimmen, würde es voraussichtlich ab Mai darum gehen, „gemeinsam mit den Vertretern der Städte und Gemeinden im Hohenlohekreis, aber auch in Gesprächen mit den niedergelassenen Ärzten,  der Kassenärztliche Vereinigung, den Krankenkassen, dem Ministerium, dem Rettungsdienst und anderen die nächsten Schritte zu planen“.

BBT-Regionalleiter wirbt für die Entscheidung

In Bezug auf die durch den Kreistag 2017 beschlossene Schließung des Krankenhauses in Künzelsau äußert sich Thomas Weber, Regionalleiter der BBT-Region Tauberfranken, wie folgt: „Diese Entscheidung des Hohenlohekreises ist mit Blick auf die künftige Entwicklung im Gesundheitswesen nachvollziehbar und sinnvoll. Dabei nehmen wir die Sorgen der Menschen, insbesondere in Bezug auf die zukünftigen Versorgungsangebote in Künzelsau, sehr ernst.

Ziel sei "der Aufbau und die Verankerung leistungsfähiger und qualitativ hochwertiger ambulanter Leistungsangebote in Künzelsau. In Verbindung mit dem Neubau in Öhringen besteht in Künzelsau die einmalige Chance, hier ein modernes, vernetztes und an den Behandlungsbedarfen der Menschen orientiertes Angebot vorzuhalten, das flexibel neue diagnostische und therapeutische Möglichkeiten aufnimmt und so mit der zunehmenden Ambulantisierung in Medizin und Pflege Schritt hält.“

Keine betriebsbedingten Kündigungen bis 2021

Im Rahmen des Eintritts der BBT-Gruppe sei vereinbart, dass es bis Ende 2021 keine betriebsbedingten Kündigungen gebe und der Hohenlohekreis einen Struktur-und Weiterbildungsfonds einrichte. „Ferner werden wir uns dafür einsetzen, dass der bestehende Haustarifvertrag durch einen für die Mitarbeitenden günstigeren TVÖD abgelöst wird“, so Thomas Weber.

„Wir wollen nicht nur das Vertrauen der Mitarbeitenden gewinnen, sondern auch der Menschen im Hohenlohekreis, die sich um eine gute medizinisch-pflegerische Versorgung sorgen“, sagt Thomas Wigant, zweiter BBT-Regionalleiter, laut Presseinfo. „Dabei können wir auch auf die ermutigenden Erfahrungen aus den vergangenen Jahren in der Gesundheitsholding Tauberfranken zurückgreifen.“

Was bedeutet dieses regionale Wachstum für die BBT-Gruppe? In der Presseinfo heißt es dazu ganz allgemein: „Gegenseitige Stärkung statt Wettbewerb, mehr Effizienz durch die Nutzung gemeinsamer Potentiale, statt Kosteneinsparung und Leistungsabbau, eine an den Menschen orientierte statt standardisierte Behandlung und die Sicherstellung einer qualitativ hochwertigen und modernen Versorgung in Medizin und Pflege durch eine strategische Zusammenarbeit mit allen Partnern in der Region“.

 

Rückblick

Im Mai vergangenen Jahres besiegelten die Gremien den Austritt des Hohenlohekreises aus der RGHF. Dies führte dazu, dass für die Unternehmensanteile von 51 % an der Hohenloher Krankenhaus gGmbH ein neuer Partner gesucht wurde.

Das Beihilfe- und Wettbewerbsrecht verbietet die freie Wahl eines neuen Partners für die Mehrheitsanteile an der HK gGmbH, hieraus ergibt sich die Verpflichtung für ein öffentliches Bieterverfahren (Markterkundungsverfahren). Das im Juli 2017 eröffnete öffentliche Markterkundungsverfahren wurde in der öffentlichen Kreistagssitzung am 21. März 2018 durch die Entscheidung des Kreistages beendet.

BBT-Gruppe

Die BBT-Gruppe ist mit mehr als 80 Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens, über 11.000 Mitarbeitenden und ca. 900 Auszubildenden einer der großen christlichen Träger von Krankenhäusern und Sozialeinrichtungen in Deutschland.

In der BBT-Region Tauberfranken kümmern sich über 2.200 Mitarbeitende in zwei Krankenhäusern, drei Seniorenzentren, vier Medizinischen Versorgungszentren sowie der Physiotherapiepraxis Sanitas um die medizinische und pflegerische Versorgung der Menschen in unserer Region. In drei Berufsfachschulen mit rund 240 Ausbildungsplätzen erhalten junge Menschen eine hochwertige Ausbildung in verschiedenen Pflege- und Gesundheitsberufen.

Weitere Infos: www.bbtgruppe.de.

 


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