Nadelöhr für Leute und Leitungen mitten in Öhringen

Öhringen  Die Sanierung der Öhringer Rathausstraße läuft auf Hochtouren. Bauleiter Klaus Schalinski vom Tiefbauamt schildert, was die Arbeiten im Kreuzungsbereich so kompliziert macht.

Von Peter Hohl

Nadelöhr für Leute und Leitungen mitten in Öhringen

Die Geschäftsleute müssen sich jeden Morgen neu orientieren, auf welchem Weg sie heute zu ihren Läden kommen. Kunden stehen mit fragendem Blick an den weiß-roten Barrieren und drücken sich in den nächstbesten Hauseingang, damit die Postbotin mit ihrem Wagen durchkommt.

Die Kreuzung von Rathausstraße, Poststraße und Probsthof ist derzeit das Nadelöhr in der Öhringer Innenstadt. Doch so richtig drunter und drüber geht es nicht oben am Straßenrand, sondern rund eineinhalb Meter tiefer in der Baugrube.

Kunterbuntes Gewirr

Nadelöhr für Leute und Leitungen mitten in Öhringen

Das Materiallager am Hafenmarkt müssen die Bauarbeiter bis Anfang Mai räumen. Dann wird die Fläche für den Trödelmarkt in der Öhringer Woche benötigt.

Für den Laien scheint das kunterbunte Gewirr der Rohre, Schläuche und Kabel schier undurchdringlich. Ingenieur Klaus Schalinski aus dem städtischen Tiefbauamt bringt Ordnung ins scheinbare Durcheinander: Die blauen Rohre und Leitungen dienen der Wasserversorgung, orangefarben sind die Gasrohre, gelb die zugehörigen Hausanschlüsse, schwarz die Kabel für Strom, Telekommunikation und Straßenbeleuchtung. Später kommen weiter oben noch die grünen Leerrohre fürs Glasfaser unter den Straßenbelag.

"Im Kreuzungsbereich war es wirklich kompliziert", berichtet Klaus Schalinski. Das liegt zum einen daran, dass (aus Gründen der Arbeitssicherheit) größere Kanalschächte eingebaut werden mussten, was den Raum im Untergrund noch knapper gemacht hat, als er ohnehin schon war. Das liegt aber auch daran, dass die Gasleitung nicht dort lag, wo sie nach den Planunterlagen zu erwarten war. Sie muss nun teilweise verschwenkt werden.

Hohe Belastung

Nadelöhr für Leute und Leitungen mitten in Öhringen

Kunden und Händler müssen Umwege in Kauf nehmen.

Die Belastung für die Bauarbeiter sei hoch, berichtet Klaus Schalinski. Zeitweise sind bis zu drei Bautrupps parallel im Einsatz: einer beim Straßenaufbau zwischen Justitia-Brunnen und Hutladen (hier sollen Ende März die Bauarbeiten rund ums ehemalige Schuhhaus Kleinhans beginnen), ein zweiter beim Leitungsbau im Kreuzungsbereich und eine dritter (im Auftrag der Netze BW) für die Gasversorgung.

Bei allen technischen Herausforderungen der Baustelle haben Planer und Arbeiter auf vielfältige Ansprüche Rücksicht zu nehmen - mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Da ist die Rücksicht auf die Anlieger: "Wir versuchen, vor Geschäftsöffnung das Störendste zu ledigen", sagt Klaus Schalinski.

Zufahrt zur Tiefgarage bleibt frei

Da ist der geplante Baustart auf dem ehemaligen Kleinhans-Areal. Aus diesem Grund wurde der Beginn der Straßenarbeiten auf Anfang Februar vorgezogen und wird jetzt eine provisorische Asphaltdecke eingezogen. Da muss die Zufahrt zur Sparkassen-Tiefgarage freigehalten werden. Deshalb wird jetzt im Probsthof und dann erst Richtung Hafenmarkt weitergebaut.

Da müssen die Stolpersteine wieder an ihren ursprünglichen Platz zurückkehren. Sie seien "sauber eingemessen und fotografiert" worden, berichtet Schalinski. Und da fordern einige Stadträte mehr Grün im neu gestalteten Straßenraum. Doch: "Wo soll hier ein Baum hin?", fragt Tiefbauamtsleiter Frank Hildebrand mit Blick auf den kunterbunten Leitungswirrwarr im Boden: "Das geht einfach nicht."


Zweiter Bauabschnitt in Zahlen

Nadelöhr für Leute und Leitungen mitten in Öhringen

Die Gasleitung im Kreuzungsbereich muss teilweise verschwenkt werden.

Spätestens bis Ende Juni soll der zweite Sanierungsabschnitt der Rathausstraße fertiggestellt sein. Gearbeitet wird vom Justitia-Brunnen aufwärts bis zur Poststraße und dort nach rechts bis zum Hafenmarkt sowie im Probsthof bis zum Durchgang zum Kaufland. Klaus Schalinski nennt dazu Zahlen.

Wasser: Erneuerung Hauptleitung circa 125 Meter, Erneuerung Hausanschlüsse circa 280 Meter

Abwasser: Erneuerung Mischwasserkanal circa 140 Meter, Erneuerung Hausanschlüsse circa 110 Meter

Straßenbeleuchtung: Kabeltrasse circa 250 Meter

Gasversorgung: Umlegung Leitung circa 30 Meter

Leerrohre: für künftige Leittechnik der Wasserversorgung circa 130 Meter, für mögliche technische Entwicklungen im Auftrag der Netze BW circa 425 Meter, Pipes für künftige Glasfaserversorgung circa 300 Meter

Pflaster: circa 1200 m2

Erdaushub: circa. 850 m³.

 

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