Mehr Abstand zum Dorf

Bretzfeld  Bretzfeld - Wer verdient an Windkraft? Wie sind die Abstände zu Häusern? Das interessierte die Bürger bei der Windkraft-Informationsveranstaltung.

Von unserer Redakteurin Yvonne Tscherwitschke
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Weitaus höher als in dieser Montage würden sich die Rotoren über Siebeneich drehen. Die Nabenhöhe der Windräder ist derzeit bei 140 Metern, mit Flügel werden die Anlagen höher als das Ulmer Münster (161 Meter).

Foto: Tscherwitschke/Montage Betzler

Bretzfeld - Wer verdient an Windkraft? Wie sind die Abstände zu Häusern? Das interessierte die Bürger bei der Windkraft-Informationsveranstaltung.

Nur 43 Zuhörer waren in die Mehrzweckhalle Scheppach gekommen, um zu erfahren, an welchen Stellen im Gemeindegebiet sich in Zukunft Rotoren in den Wind stellen könnten. Nach einem aufwändigen Planungs- und Standortauswahlverfahren hatte das Ingenieurbüro Mörgenthaler den Räten 21 Standorte auf der 6500 Hektar großen Gemarkungsfläche präsentiert. Doch nicht alle der Flächen sind nach Ansicht von Planer und Verwaltung gleich gut geeignet.

Deshalb hatte die Verwaltung vier Flächen bei Unterheimbach vorgeschlagen, die weiter verfolgt werden sollten. Zwei davon hat der Gemeinderat dann aber heraus genommen. Dafür wollten die Räte die Fläche bei Siebeneich weiter verfolgt wissen. Teile der Bevölkerung im Bioenergiedorf Siebeneich würden gerne als Krönung der Bemühungen ein Windrad über dem Ort haben. Wieder andere Bewohner des kleinen Dorfes lehnen den Standort ab.

Für Siebeneich laufe momentan das Artenschutzverfahren, erklärt Dr. Volker Mörgenthaler. Das dauere noch bis ins Frühjahr hinein. Ob nur die Gabelweihe im Fokus der Biologen sei, wollte Richard Klein-Hollerbach wissen. Die Planer schüttelten den Kopf und versicherten: Es gibt eine ganze Liste schützenswerter Vögel und Fledermäuse uns sonstiger Tiere.

Wie hoch der Flächenverbrauch im Wald für ein Windrad sei, interessierte Klaus Steinbrenner. Gerodet werden müssten um die 50 Ar, weiß Gemeinderat und Landwirt Bernd Weibler. Und auf eine Fläche von etwa 20 Hektar könne man zwei bis drei Anlagen bauen, ohne dass sie sich gegenseitig den Wind verstellen, erklärte Mörgenthaler. Der Abstand zwischen den einzelnen Anlagen sollte um die 500 Mete betragen.

Überhaupt waren die Abstände ein Thema. Warum einzelne Kommunen die Abstände unterschiedlich definieren, wollten die Zuhörer wissen. Von nur 500 Meter in Öhringen bis zu 1000 Meter in Künzelsau reicht die Bandbreite. "Und nicht einmal in Verwaltungsgemeinschaften ist man sich einig", verweist Mörgenthaler in die Hohenloher Ebene zu Waldenburg, Kupferzell und Neuenstein.

Bretzfeld habe sich an den Richtlinien des Landes orientiert und einen Abstand von 700 Meter zu Wohnbebauung, 500 Metern zu Misch- und Dorfgebiet und 250 Metern zu Gewerbegebieten geeinigt. "Da werden die Dorfbewohner wie Menschen zweiter Klasse behandelt", beschwerte sich die Siebeneicherin Sylvia Knorr. Sie will, dass der Gemeinderat die Abstandsflächen neu diskutiert und Dorf- und reine Wohngebiete gleichstellt. Ähnlich die Stoßrichtung von Richard Klein-Hollerbach: Er will durchweg höhere Abstände, also 1000 Meter zu Wohnen, 700 Meter zu Dorfgebieten, 500 zu Gewerbegebieten.

"Was passiert, wenn ein Investor am 5. Januar das Baugesuch für ein Windrad einreicht, an einer Stelle, wo wir keines wollen", wollte Bernd Weibler wissen, wie langsam die Mühlen für die Fortschreibung des Flächennutzungsplanes mahlen und wie schnell über ein Baugesuch entschieden werden müsste.

Bürgermeister Thomas Föhl ist sich sicher: Der Flächennutzungsplan wäre schneller als das Baugesuch durch die Instanzen.


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