Kostbarer Fund aus 15. Jahrhundert

Forchtenberg  Forchtenberg - Es ist eine Sensation: Forchtenberg könnte im Besitz der ältesten Turmuhr der Welt sein. Jetzt will sich die Stadt des kostbaren Stücks annehmen.

Von Frank Lutz

Kostbarer Fund aus 15. Jahrhundert

Die alte Turmuhr soll wieder ans Forchtenberger Backhaus angebracht werden. Das seltene Fundstück wurde auf einer Bühne entdeckt.

Foto: Frank Lutz

Forchtenberg - Es ist eine Sensation: Forchtenberg könnte im Besitz der ältesten Turmuhr der Welt sein. Nach Recherchen von Backhaus-Eigentümer Rolf Krämer und Bürgermeister Uwe Gysin sei die ursprüngliche Backhaus-Turmuhr zumindest die älteste noch vorhandene Turmuhr Deutschlands und Kontinentaleuropas.

Jetzt will sich die Stadt des kostbaren Stücks annehmen: Der Gemeinderat hat in dieser Woche einstimmig beschlossen, dass die Turmuhr im Besitz der Stadt bleibt, dass sie repariert und wieder ins Backhaus eingebaut wird. Die Stadt stellt nun Förderanträge beim Land und bei der Deutschen Denkmalstiftung und beauftragt Rolf-Dieter Blumer vom Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart mit einem Gutachten.

Ausfindig gemacht hat das kostbare Stück, das Mitte der 70er-Jahre ausgebaut wurde, der neue Eigentümer des Backhauses Rolf Krämer. "Niemand wusste noch, dass wir die Uhr haben", berichtet Bürgemeister Uwe Gysin. Dem Ausbau war nämlich eine kleine Odyssee gefolgt: Fünfmal mal hat die Uhr seitdem den Standort gewechselt. Erst bei einer gemeinsamen Suche fand Rolf Krämer sie zusammen mit Ute Schuster und Frank Ahrens von der Stadtverwaltung auf einer Bühne im ehemaligen Armbruster-Areal.

Die geschätzten Kosten für Reparatur und Einbau liegen bei 80 000 Euro. Einen Teil davon - 33 Prozent des denkmalbedingten Mehraufwands - könnte das Land übernehmen. Bedingung sei neben dem Gutachten, dass die Uhr an ihren ursprünglichen Platz zurückkommt, sagte Gysin. Hierin sei er sich in Gesprächen mit Judith Breuer von der Denkmalbehörde im Regierungspräsidium Stuttgart einig gewesen: "Die Uhr wird der Öffentlichkeit zugänglich gemacht", sagte er vor dem Rat. "Es macht keinen Sinn, sie ins Kern-Museum unter Glas zu stellen."

Breuer habe auch signalisiert, dass das Land Interesse am Besitz der Uhr habe. Dazu meinte Gysin jedoch: "Die Uhr gehört der Stadt, da sie nicht im Backhaus drin war. Wir sollten ohne Wenn und Aber Eigentümer bleiben." Am kommenden Donnerstag wird es ein weiteres Gespräch zwischen Gysin und Breuer geben, bei dem der Bürgermeister sich "mit Händen und Füßen" gegen Breuers Vorstoß wehren wolle.

Zusätzliche Fördermittel für Reparatur und Einbau könnten von der Deutschen Denkmalstiftung kommen. Deren Höhe sei noch unklar, sie werde jeweils im Einzelfall entschieden. "Auf jeden Fall liegt sie deutlich unter 50 Prozent der Gesamtkosten", berichtete Gysin. Zunächst aber müsse das Land die Fördermittel gewähren und die Maßnahmen in einer Prioritätenliste als wichtig bewerten.

Die Forchtenberger scheinen begeistert: Es wurde ein Freundeskreis Backhausturmuhr gegründet, dem bisher neben Backhaus-Eigentümer Krämer und Gysin zwei weitere Mitglieder angehören.

Im Gemeinderat herrschte Einmütigkeit. Die große Bedeutung des Fundstücks für die Stadt war wohl allen klar. Und so sprach Ratsmitglied Hans Ender sicher vielen Anwesenden aus der Seele, als er sagte: "Da stehen wir dahinter. Ich möchte einen großen Dank an Herrn Krämer richten, dass er das Ding ausgegraben hat." Spontan spendeten die Räte dem Gast daraufhin Applaus.