Kluger Kopf hinter der Fassade

Neuenstein - Der 20-jährige Patrick Schön aus Öhringen ist Jahrgangsbester und somit Landessieger der Konstruktionsmechaniker. Im praktischen Teil musste er in sieben Stunden ein Werkstück herstellen und daran zeigen, wie gut er Schweißen, Sägen und Fräsen kann.

Von Silke Amann
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Mit hohen Treppen hat Patrick Schön kein Problem. Der Konstruktionsmechaniker hat seine Lehre beim Fassadenspezialist FKN als Landessieger beendet.Foto: Amann

Neuenstein - "Er hat sich keine Schwächen geleistet", sagt sein Ausbilder mit zufriedenem Blick. Patrick Schön aus Öhringen hat bei der Abschlussprüfung für Konstruktionsmechaniker in diesem Sommer eine Spitzenleistung gebracht. Jahrgangsbester und damit Landessieger in seinem Beruf zu werden, das ist etwas Einmaliges. Die Familie, die Freundin, das Unternehmen − alle sind mächtig stolz auf ihn.

Nervosität

Dabei trat der 20-Jährige dank seiner guten Noten schon ein halbes Jahr früher zum Abschluss an. "Ich dachte schon, dass ich das schaffe, aber ich war trotzdem nervös", erzählt er im Nachhinein. Im praktischen Teil musste er in sieben Stunden ein Werkstück herstellen und daran zeigen, wie gut er Schweißen, Sägen und Fräsen kann. Das Material im Wert von etwa 300 Euro brachte er selbst mit. Gelohnt hat sich der Einsatz allemal: 100 Punkte in der praktischen Prüfung. Besser geht‘s nicht.

Der schriftliche Teil erstreckte sich dann über mehrere Tage. Querbeet ging es durch alle Schulfächer, abgefragt wurden zum Beispiel Werkstoffkunde und Konstruktionstechnik. "Man erfährt aber gleich hinterher, ob man bestanden hat", erklärt der junge Mann. Alle fünf Lehrlinge von FKN, einem Unternehmen für Fassadenbau mit Sitz in Neuenstein, hatten das ganz gut hingekriegt. Die größte Anspannung war also schon mal weg. Aufregend wurde es erst wieder, als einige Zeit später per Telefon die Nachricht vom Ergebnis mit "sehr gut" und 94 Prozent kam. Da war Patrick Schön gerade auf Montage am Porsche-Gebäude in Bietigheim-Bissingen unterwegs. Das Telefonat hatte ein spontanes Grillfest zur Folge und seitdem ist mehrfach gefeiert worden. Zuletzt in der vergangenen Woche in Heilbronn, bei der offiziellen Ehrung der Besten durch die Industrie- und Handelskammer (IHK) Heilbronn-Franken. Große Bühne, Applaus, Händeschütteln mit dem Innenminister, ein unvergesslicher Höhepunkt.

"Es war schon früh deutlich, dass wir da einen recht guten Lehrling haben", erzählt FKN-Ausbilder Martin Eisele rückblickend. Er ist seit vielen Jahren für die Schulung der gewerblichen Lehrlinge verantwortlich und kümmert sich intensiv um sie. Da werden Klassenarbeiten besprochen, Unterricht und Lehrgänge im Haus organisiert und der Nachwuchs auf speziell geforderte Techniken geschult. Die Fachausbildung des Berufes ist sehr breit angelegt, deshalb hat sich Patrick Schön nach Realschule und zweijähriger Berufsfachschule auch für diese Lehre entschieden.

Jetzt möchte er erst mal eine Weile als Geselle arbeiten, zu den interessanten Großprojekten mitgehen und Erfahrungen sammeln. Viel Freizeit bleibt da nicht. Das Motorrad hat er abgemeldet und auch das Fitnessstudio sieht er nur noch selten von innen.

Übernahme

FKN-Geschäftsführer Axel Becker freut sich über die leistungsorientierte Einstellung seines jungen Mitarbeiters, denn Fachleute findet er auf dem Stellenmarkt eher selten. "Wir bilden uns die Fachleute von morgen selbst aus", betont er. Klar auch, dass Patrick übernommen wurde. Mehrere Abteilungen hätten ihn gerne gehabt, verrät der Chef: "Wartung und Kundendienst hat ihn sich geholt". Der stolze Landessieger ist glücklicherweise schwindelfrei. Das braucht man auch, so ganz weit oben auf dem Treppchen.


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