In jedem Eckle eine Erinnerung

Neuenstein - Gisela und Hans Weber pflegen den nostalgischen Charme ihres alten Bauernhauses in Kleinhirschbach. Auf Nachfrage der HZ öffnet das Rentner-Ehepaar die Tür seines Hauses und erzählt aus dessen Geschichte.

In jedem Eckle eine Erinnerung
"Ich freue mich jeden Tag an meinem Garten", sagt Gisela Weber. Dort gedeiht vieles, was die 71-Jährige in der Küche verwertet, Hinter dem Haus hält sie ihre Hühner.

Neuenstein - Idylle Fährt man durch Kleinhirschbach, sticht das idyllische Bauernhaus an der Weinsbacher Straße 16 mit seinem nostalgischen Charme ins Auge. Es ist das Zuhause von Gisela (71) und Hans Weber (69). Auf Nachfrage der HZ öffnet das Rentner-Ehepaar am Samstag die Tür seines Hauses, erzählt aus dessen Geschichte. Obwohl die Birnenernte in vollem Gang ist. Denn auch wenn es längst keine Kühe und Schweine mehr auf dem landwirtschaftlichen Betrieb gibt, betreibt ein Sohn dort im Nebenerwerb Obst- und Ackerbau. Die Eltern helfen, wo immer es geht, mit.

Wann genau das Bauernhaus − ihr Elternhaus − gebaut wurde, weiß Gisela Weber nicht. 1880 hatte es ihr Großvater Johann Breutner gekauft. Der Sohn einer kinderreichen Landwirtsfamilie aus der Bernhardtsmühle wollte Katharine Krauß aus Rosengarten heiraten − und hatte die Gelegenheit beim Schopf gepackt, als der Hof zum Verkauf stand. Vieles an dem Haus deutet darauf hin, dass es ein sogenanntes Pfarrer-Mayer-Haus aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts sein könnte. Bis Gisela Webers Großvater um die Zeit des Ersten Weltkrieges einen neuen Stall baute, befand sich auch hier der Stall für das Vieh und die Pferde unter den Wohnräumen. Die nach oben steigende Wärme des Stalles heizte diese mit. Zweiflügelige Fenster im ersten Stock, schwarz-gelbe Platten in der einstigen Küche, ein Gewölbekeller und das Fachwerk, das die Webers in den neunziger Jahren unter dem Putz wieder freilegen ließen, würden diesen Schluss ebenso zulassen, meint Gisela Weber.

1942 übernahmen ihre Eltern Friedrich und Frida Butz den Hof, auf dem ebenfalls ihre ledigen Onkel Christian und Karl lebten. Gisela machte eine landwirtschaftliche Ausbildung. Seit 1974 führten sie und ihr Mann Hans den Hof, auf dem ihre vier Kinder aufgewachsen sind. Und auf den heute die acht Enkel gern zu Besuch kommen.

Auch wenn seit 1880 manches verändert wurde − der Stall wurde zu Stube und Küche um-, das Dach aus-und ein Bad eingebaut − ist doch vieles in dem Haus mit seinen zehn Zimmern erhalten geblieben. Wie die Dielen und die Treppe aus Holz, die Balken der Decken und die Vorfenster im Erdgeschoss, die man im Sommer abmontieren kann. Viele der Möbel, die im Haus stehen, und Gebrauchsgegenstände haben die Jahrzehnte überdauert. Bis heute wird mit Holz aus dem eigenen Wald geheizt: Sei es der alte gusseiserne Herd in der Küche oder der neue Kachelofen in der Stube im Erdgeschoss, über den die warme Luft in die Stube im ersten Stock gelangt, Gisela Weber schürt selbst ein. "Eine wohlige Wärme verbreitet sich da." Bitterkalt ist es dagegen im Winter in den ungeheizten Schlafzimmern. Dicke Daunendecken und ab und zu ein Bettfläschle sorgen bis heute dafür, dass dennoch niemand friert. Manches, meint Gisela Weber, werde langsam jedoch etwas problematisch: "Das feste Bodenwachs für meine Dielen kriege ich kaum noch." Selbst wenn manches − verglichen mit heutigen Maßstäben − etwas beschwerlich sein mag. Tauschen möchte Gisela Weber mit niemand: "Das ganze Haus und in jedem Eckle ist eine Erinnerung."

In jedem Eckle eine Erinnerung
Liebevoll wird an die ersten zwei Generationen der Familie auf dem Hof erinnert.
In jedem Eckle eine Erinnerung
Ist es ein Pfarrer-Mayer-Haus? Vieles an dem alten Bauernhaus in der Weinsbacher Straße in Kleinhirschbach lässt dies vermuten. In dritter Generation bewohnen es Gisela und Hans Weber. Den Weinstock am Hauseck gab es schon 1935.Fotos: Henke
In jedem Eckle eine Erinnerung
2009 haben sich Gisela und Hans Weber einen Traum erfüllt: einen Kachelofen.
In jedem Eckle eine Erinnerung
1880 hat Johann Breutner den Hof in Kleinhirschbach gekauft. Das Foto zeigt ihn im Jahr 1935. Die ehemaligen Stallungen sind umgebaut, das Fachwerk unter Putz.
In jedem Eckle eine Erinnerung
Um 1905 ist das älteste Foto des Hofes mit Familienmitgliedern entstanden. Noch sind im Erdgeschoss die Stallungen für Pferde und Kühe untergebracht. Fotos: privat