Im Dauereinsatz für gesundes Obst in Hohenlohe

Hohenlohe  Der Obstbauberater Kai Bauer entdeckte schon kurz vor dem Frühlingsstart erste Schädlinge in den Obstanlagen. sein Beratungsdienst ist beim Landwirtschaftsamt des Hohenlohekreises in Kupferzell angesiedelt.

Von Andreas Scholz
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Obstbauberater Kai Bauer bei einem Kontrollcheck an der Borkenkäferfalle.

Kai Bauer vom Obstbau Beratungsdienst Hohenlohe-Neckar hat einen vielseitigen Job. Oft verlässt er sein Büro auf dem Gelände der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau (LVWO) in Weinsberg. Sein Weg führt ihn aber eher seltener zur eigentlichen Geschäftsstelle des Obstbauberatungsdienstes, der beim Landwirtschaftsamt des Hohenlohekreises in Kupferzell angesiedelt ist.

Unterwegs in Obstanlage in Untersteinbach

Viel häufiger ist Kai Bauer direkt bei seinen Kunden in den Obstwiesen und -plantagen unterwegs. So hat der studierte Agrar- und Forstwissenschaftler an einem milden Märztag auch allerlei technische Hilfsmittel dabei, als er durch üppige Obstanlagen in Pfedelbach-Untersteinbach schreitet. "Der Obstbau und die Brennerei von Günther Böhringer ist einer von rund 100 Mitgliedsbetrieben, die wir betreuen", erklärt Bauer.

Artenvielfalt in Obstwiesen

Zielsicher steuert er zunächst den Waldrand oberhalb der Pfirsich- und Aprikosenbaumreihen an. Die Aprikosen- und Pfirsichblüte ist bereits in vollem Gange. An den wunderschönen Blüten finden sich auch Honig- und Wildbienen ein. Unter das Summen der Bienen mischt sich das Klopfen eines Spechts, der in der Nähe seiner Lieblingsbeschäftigung nachgeht. Kai Bauer saugt die Natureindrücke intensiv auf. "Die Artenvielfalt in unseren Obstwiesen fasziniert mich immer wieder. Meiner Meinung nach müssen wir aber mehr dafür tun, dass unsere Kulturlandschaft erhalten bleibt und die Konsumenten können das beeinflussen, indem sie bewusst noch mehr regionales Obst kaufen", bekräftigt Bauer.

Falle für Borkenkäferarten

Nach rund 100 Schritten hat Kai Bauer am Waldrand oberhalb der Aprikosen- und Pfirsichbäume sein Ziel erreicht. Mit genauem Blick inspiziert er einen weißen Behälter, der an einem Ast hängt. "Das ist eine Falle für Borkenkäferarten wie den Ungleichen Holzbohrer, der neben Apfel, Birne oder Kirsche auch weitere Obstbäume befallen kann", weiß der Obstbauexperte.

Nachdem er die Borkenkäferfalle inspiziert hat, läuft Kai Bauer wieder hangabwärts. Sein nächster Kontrollgang gilt den Birnbaumreihen. Der Obstkenner holt eine Vergrößerungslupe heraus und sieht sich eine Birnenknospe genauer an. "Ich kann schon ein paar Eier des Birnblattsaugers erkennen. Da der Winter so mild war, sind Obstschädlinge wie der Birnblattsauger im Vergleich zum Vorjahr noch einmal früher am Start", bedauert Bauer.

Mit Fangtrichter und Spezialklopfer

Obstbauberater Kai Bauer sieht sich die Blüten der Aprikose genauer an.

Fotos: Andreas Scholz

Um sich ein genaueres Bild davon machen zu können, wie weit die Entwicklung von Obstschädlingen wie dem Birnblattsauger fortgeschritten ist, holt Kai Bauer aus seinem Auto einen Fangtrichter und einen Spezial-Klopfer. Vorsichtig und langsam streift er mit dem Klopfer über die einzelnen Birnbäume. "Was dann alles so an Biomasse im Fangtrichter gelandet ist, untersuche ich hinterher noch auf wissenschaftlicher Basis. Wir versuchen stets die richtigen Schlüsse zu ziehen, um die effektivsten Maßnahmen bei der Schädlingsbekämpfung einzuleiten", ergänzt Bauer. Der Obstbauberater möchte mit einem Vorurteil aufräumen. "Beim Pflanzenschutz im Obstbau kommt nicht immer Chemie zum Einsatz. Wo es möglich ist und Sinn macht, setzen wir auch auf Ohrenzwicker, Marienkäfer oder Florfliegen als natürliche Gegenspieler von Obstschädlingen", bekräftigt Bauer.

Augenmerk auf Pilzbefall

Neben Obstschädlingen wie Apfelblütenstecher, Birnblattsauger oder Kirschessigfliege hat Kai Bauer bei seiner Arbeit stets auch den potenziellen Pilzbefall an Obstbäumen im Blick. "Durch den milden und eher feuchten Winter können Pilzsporen sich gut ausbreiten und vor allem bei verletzten Obstbäumen die Rinde und das Holz schneller befallen", weiß der Obstexperte. "Wir müssen uns vor dem Hintergrund des Klimawandels immer wieder auf neue Schädlinge und Pilze im Obstbau einstellen".

 

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