Hebammenambulanz in Öhringen läuft sehr gut an

Öhringen  Mehr als 50 Frauen und ihre Neugeborenen wurden seit dem Start im Mai betreut. Das Projekt "Starthilfe " wird durch den Kreisdiakonieverband Hohenlohe unterstützt.

Von Regina Koppenhöfer
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Hebammenambulanz in Öhringen läuft sehr gut an

Sarah Sillner (links) ist mit ihrem Söhnchen Lukas in die Hebammenambulanz gekommen, wo Hebamme Brigitte Duffner das Baby untersucht und wiegt und der Mutter mit Rat und Tat zur Seite steht.

Foto: Regina Koppenhöfer

"Den werden wir jetzt gleich mal wecken", sagt Hebamme Brigitte Duffner und blickt dabei liebevoll auf Baby Lukas. Der gerade mal drei Wochen alte Säugling wurde von seinen Eltern Sarah und Axel Sillner in die Öhringer Hebammenambulanz "Starthilfe" gebracht.

Trotz ihrer Bemühungen war es Sarah Sillner während ihrer Schwangerschaft nicht gelungen, eine Hebamme zu finden, die sie im Wochenbett betreut. "Auf den Homepages der Hebammen stand oft, dass sie Frauen erst wieder im Jahr 2020 nehmen," erzählt die junge Mutter. Die Ellhofenerin Sillner ist erleichtert, dass sie sich mit ihren Fragen und Problemen an die Hebammenambulanz wenden kann.

An zwei Tagen pro Woche

Diese gibt es seit Mai in Öhringen. Die Hebammen Rosemarie Benner, Brigitte Duffner, Sabine Frank, Rita Müller und Claudia Rosen haben sich zusammengetan und bieten an zwei Tagen in der Woche eine offene Sprechstunde an. Das heißt: Frauen können mit ihren Babys ohne Termin hierher kommen.

Die Mütter und ihre Kinder werden untersucht, und die Hebammen stehen den Frauen mit Rat und Tat zur Seite. Familie Sillner hat heute insbesondere Fragen zum Stillen. "Wir bekommen hier aber auch Sicherheit, dass Sarah alles richtig macht", sagt Axel Sillner. Das sei für die ganze Familie wertvoll.

Warten im Vorraum

Die Sillners sind nicht die einzigen, die an diesem Vormittag in die Ambulanz gekommen sind. Im Vorraum warten gleich mehrere Mütter und Väter mit ihren Neugeborenen. Der Vater der kleinen Leni sagt: "Wir haben auch keine Hebamme bekommen und wir sind heute schon zum dritten Mal hier."

Die Mutter der sieben Wochen alten Nia erzählt: "Wir haben schon eine recht lange Krankheitsgeschichte. So sind wir wieder bei Gewichtskontrollen angelangt." Diese lässt die Mutter in der Hebammenambulanz machen. Nias Mama ist froh, dass sie in die Sprechstunde kommen kann. Sie sagt: "Ganz ohne Hebamme stelle ich mir das schon schwer vor."

Nur die zweitbeste Lösung

Für Hebamme Brigitte Duffner ist die Hebammenambulanz nur die zweitbeste Lösung für die Mütter und ihre Kinder. Besser fände sie eine Wochenbettbetreuung zu Hause. Doch es gibt zu wenig Hebammen. Die Kalender der Fachfrauen sind übervoll. Deshalb habe man die Ambulanz ins Leben gerufen. Bis zu zehn Mütter kommen in der Woche hierher. Manche kämen bereits am vierten Tag nach der Geburt und sogar nach einem Kaiserschnitt.

Etwa ein Viertel der Frauen, die die Ambulanz aufsuchen, haben Migrationshintergrund. Duffner weiß, dass diesen Frauen, aber auch Müttern, die fernab der Verwandtschaft wohnen, "die Ratgeber in der Großfamilie fehlen". Mit ihren Fragen wenden sich die Mütter an die Hebammen in der Ambulanz. Über Stillprobleme und Nabelpflege werde viel gesprochen, und es werde kontrolliert, ob das Kleine gut gedeihe.

Frauen kommen ins Gespräch

Da man ohne Terminvereinbarung kommen kann, kommt es unter Umständen zu Wartezeiten. "Aber das Warten ist nicht schlecht. Die Frauen nutzen die Zeit, um ins Gespräch zu kommen, und sie geben sich auch Tipps." Duffner ist froh, dass man den Müttern das ambulante Angebot machen kann.

Möglich wurde es auch durch die Unterstützung des Kreisdiakonieverbands: "Wir sind sehr dankbar, dass uns die Diakonie die Räume kostenlos zur Verfügung stellt." Spenden decken die laufenden Kosten. So habe man im zurückliegenden halben Jahr mehr als 50 Frauen und ihre Neugeborenen wenigstens ambulant betreuen können.

Infos und Kontakt

Die Sprechzeiten der Öhringer Hebammenambulanz "Starthilfe" sind mittwochs und freitags von 10 bis 12 Uhr in der Unteren Torstraße 12. Man muss sich nicht anmelden. Eltern können mit ihrem Baby ohne Termin vorbeikommen. Auch am Freitag, 27. Dezember, und am Freitag, 3. Januar, ist zu den üblichen Zeiten geöffnet.

Den Müttern entstehen durch den Besuch keine Kosten. Die Kosten für ambulante Beratung und Begleitung durch die Hebammen wird von den Krankenkassen übernommen. Der Kreisdiakonieverband Hohenlohekreis unterstützt das Projekt, indem er den Hebammen die Räume kostenlos zur Verfügung stellt.

Kontakt zur Ambulanz gibt es über Rita Müller, E-Mail rita@mueller-hebamme.de, und über Brigitte Duffner, Telefon 07942 941694 (nur zwischen 8 und 9 Uhr).

 


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