Hauskauf wird zum Desaster

Forchtenberg  Denkmalgeschützt und sanierungsbedürftig statt bezugsbereit: Familie Sethi aus Forchtenberg hat nach dem Kauf eines uralten Hauses große Sorgen und noch mehr Schulden.

Von Yvonne Tscherwitschke

Hauskauf wird zum Desaster

Die Fenster müssen eingegipst werden, die Leitungen sind offen.

Einen Vorwurf müssen sich Maria (36) und Mobeen (42) Sethi gefallen lassen: Komplett blauäugig haben sie ein uraltes Haus in der Forchtenberger Altstadt gekauft. Und sind damit bis jetzt gnadenlos gescheitert. Ihr Vertrauen in den Verkäufer sowie in Handwerker wurde enttäuscht. Viel Geld ist weg. Doch das Haus ist längst nicht bezugsbereit. Mit ihren vier Kindern wohnen sie in einer Wohnung im Neubaugebiet. Und wissen nicht, wie sie die Doppelbelastung von Miete und Kredittilgung stemmen sollen. "Wir haben schon alles versucht", sagt Maria Sethi und meint damit Anfragen bei Fernseh-Sendungen, die Renovierungen unterstützen und bei diversen Spendenaktionen.

Haus ohne Architekt gekauft

Hauskauf wird zum Desaster

Mobeen Sethi geht zu seinem sanierungsbedürftigen Haus. Viel Geld ist weg, das Haus noch längst nicht fertig.

Fotos: Yvonne Tscherwitschke

Doch was ist passiert? Für 90.000 Euro haben Maria und Mobeen Sethi das Haus neben den Eltern von Maria Sethi gekauft. Vom Nachbarn der Eltern, der zudem noch Arbeitskollege des Vaters ist. "Wir haben ihm geglaubt, als er sagte, die Bausubstanz ist ok", erinnert sich Maria Sethi. Doch mit den ersten Tapeten, die abgelöst wurden, kamen die Wände entgegen. Auch dass das um 1900 erbaute Haus denkmalgeschützt ist, habe der Verkäufer verschwiegen, sagt Mobeen Sethi.

Denkmalschutz macht es nicht einfacher

Hauskauf wird zum Desaster

Die neue Haustüre und jede Menge Material liegen in einem Raum.

Die erste Baufirma macht einen Kostenvoranschlag von 65.000 Euro und beginnt, Wände einzureißen, Fenster aus- und neue Kunststofffenster einzubauen. Schon gibt es Ärger mit der Gemeinde, die auf die denkmalgeschützte Fassade hinweist. Die Baufirma nimmt die 35.000 Euro Vorleistung und stellt die Arbeit ein. Sethis ziehen vor Gericht, erreichen einen Titel. Doch Geld gibt es trotzdem nicht. Denn das Bauunternehmen ist pleite.

Vorschuss ist weg

Ein mit der Familie befreundetes Bauunternehmen will für 50.000 Euro dafür sorgen, dass das Haus bezugsfertig ist. Doch auch dieses Unternehmen nimmt die Vorabzahlung, um Material zu kaufen und lässt sich nach zwei Monaten nicht mehr auf der Baustelle sehen, wie Sethis schildern.

Hauskauf wird zum Desaster

Im ersten Stockwerk sind die neuen Fenster eingebaut, die Wände haben Rigipsplatten. Im Erdgeschoss ist noch mehr zu tun. Fenster müssen noch eingegipst werden. Elektrik und Heizung müssen gemacht werden. Mobeen Sethi deutet auf den Haufen mit Bauschutt vor dem Haus. Es ist noch viel zu tun. Doch Sethis wissen nicht, wo anfangen.

Bei einem Urlaub in Pakistan hat Maria Sethi ihren Mann kennengelernt, sich verliebt und wenige Monate später geheiratet. Seit 1999 lebt Mobeen Sethi mit seiner Frau in deren Heimatort. Sie haben vier Kinder, zwei davon, der älteste und der jüngste Sohn, sind gesundheitlich eingeschränkt. Sie sind entwicklungsverzögert, der Ältere hat epileptische Anfälle. Weil die Kinderbetreuung aufwendig ist, ist Maria Sethi daheim bei den Kindern. Mobeen Sethi arbeitet im Drei-Schicht-Betrieb im Kochertal. Er würde noch einen Zweitjob annehmen, sagt er, um die finanzielle Misere zu beseitigen. Mit den wechselnden Arbeitszeiten sei das aber nicht möglich.

Doppelbelastung weg bekommen

"Wenn wir die Doppelbelastung mit der Miete wegbekommen könnten, dann wäre schon viel geholfen", sagt Maria Sethi.

 
 

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