Haftstrafe wegen Missbrauchs und Kinderpornos

Öhringen  Ein 49-Jähriger wird zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Bei dem Mann wurden über 800 Fotos mit kinderpornografischen Darstellungen sichergestellt. Der Tipp kam aus den USA.

Von Yvonne Tscherwitschke

Straßenjungen missbraucht und fotografiert

Noch im Gerichtssaal wurde der Haftbefehl in Vollzug gesetzt und der Angeklagte abgeführt.

Foto: Archiv/stock.adobe.com

Noch im Gerichtssaal klicken die Handschellen. Zu drei Jahren und drei Monaten Haft ohne Bewährung wurde der 49-Jährige verurteilt, der die Taten zuvor weitgehend eingeräumt hatte. Ihm war von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen worden, in zwei Fällen ukrainische Straßenjungen sexuell missbraucht zu haben. Außerdem wurden bei Wohnungsdurchsuchungen weit über 800 Fotos und Videos mit kinderpornografischen Darstellungen auf Computern und Handys sichergestellt.

Große Fluchtgefahr

Die Verhaftung kam für den Angeklagten offensichtlich überraschend. Er hatte bereits zwei Monate in Untersuchungshaft verbracht, die Zeit bis zur Gerichtsverhandlung dann aber auf freiem Fuß verbracht. Da der Mann aber die ukrainische und die deutsche Staatsbürgerschaft hat, erschien Richter Dr. Christian Meyer die Fluchtgefahr so groß, dass er den Haftbefehl wieder in Vollzug setzte.

Aufgeflogen ist der Mann nach einem Hinweis aus den USA. Dort waren Polizeibeamte auf kinderpornografische Darstellungen aufmerksam geworden, die er verschickt hatte, und meldeten das dem Bundeskriminalamt, das wiederum der Hohenloher Polizei den Tipp gab. 2016 wurde die Bretzfelder Wohnung des Angeklagten durchsucht und das verdächtige Material sichergestellt.

Langes Warten auf die Daten

Bis zur Auswertung der Daten allerdings, erklärt der ermittelnde Polizeibeamte, ging viel Zeit ins Land. Da das Präsidium in Heilbronn mit einem großen Fall überlastet gewesen sei, habe es bis 2018 gedauert, bis die Daten gesichert und ausgewertet worden seien. Dabei seien auch Fotos gesichtet worden, die den Missbrauch eines Jugendlichen durch den Angeklagten belegten. Bei einer zweiten Wohnungsdurchsuchung wurden daraufhin weitere 28 Fotodateien mit kinderpornografischem Inhalt sichergestellt.

Diese 28 Fotos müsse seine Frau an dem Wochenende auf die Datenträger gespielt haben, an dem er sie vom Frauenhaus habe holen sollen, sagt der Angeklagte. Alle anderen Taten aber gibt er zu.

Eigenes Kind zurückgelassen

Noch in der Ukraine habe er seine Frau über ein Partnervermittlungsportal kennengelernt. Nach der Heirat sei er erst allein mit dem gemeinsamen Sohn nach Deutschland gekommen. Denn er und der Sohn hätten beide die deutsche Staatsbürgerschaft gehabt. Sie sei im Rahmen der Familienzusammenführung dann nachgekommen. Ihren ältesten Sohn habe sie dabei als Straßenkind zurückgelassen. Zwischenzeitlich kümmere sich die Oma um den Jungen.

Kinder im Heim

Zwei Söhne habe er mit seiner Frau zwischenzeitlich. Beide Kinder leben in einem Heim. Die Ehe habe nicht lange gehalten, sagt der Angeklagte. Die Frau hat einige Zeit im Frauenhaus verbracht. Weil die Ehe so schlecht gewesen sei, sagt der Angeklagte, habe er zweimal Sex mit dem ukrainischen Straßenjungen gehabt und das fotografiert. Auch den Besitz der vielen Dateien gestand er ein. Zwischenzeitlich sei es ihm aber gelungen, sich davon zu befreien, nicht mehr daran zu denken, erklärt der Mann vor Gericht.

Die Freikirche, die er besuche, helfe ihm dabei. Für die Kirche filme er Gottesdienste und Feste und bearbeite die Filme. Das gebe ihm Kraft. Er wisse, dass er Fehler gemacht habe. Neben dem menschlichen Gericht gebe es vor allem auch ein göttliches Gericht, vor dem er sich rechtfertigen müssen, erklärte er vor Gericht. Auch wolle er eine Therapie machen.

Angeklagter ist therapiebereit

Mit dem Strafmaß folgte Richter Meyer dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Der Angeklagte habe wieder eine Wohnung, nun im Jagsttal, Arbeit, sei in der Kirche engagiert, therapiebereit und geständig. Gegen den Angeklagten spreche aber die Vielzahl der Fälle. "Und das letzte Wort, in dem sie ihre Frau vorgeschoben haben, hätten sie sich sparen können", sagte Meyer. "Das stand ihnen nicht gut zu Gesicht."

 


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