Ein Stromer für zwei Öhringer Stadtbuslinien

Hohenlohe  Vorerst fährt kein zweiter E-Bus im Öhringer Stadtverkehr, obwohl dieser durchaus benötigt würde. Denn ein 18 Jahre alter Diesel-Bus darf ab 1. Juli nicht mehr eingesetzt werden. Ein zweiter Elektrobus kommt nun frühestens zum Jahreswechsel.

Von Peter Hohl

Ein Stromer für zwei Stadtbuslinien

Seit Januar wird der erste Elektrobus im Stadtverkehr eingesetzt. Auf den zweiten müssen die Öhringer noch mindestens ein halbes Jahr warten.

Foto: Peter Hohl

 

Ab 1. Juli muss der neue Elektro-Stadtbus zeigen, was er kann: Ab diesem Termin wird er ganz alleine beide Linien bedienen, die 54 im Öhringer Süden und die 55 im Norden. Denn einen zweiten E-Bus wird es bis auf weiteres nicht geben.

Sollte der einzige E-Bus ausfallen oder Verstärkung benötigen, dürfen nur noch Busse eingesetzt werden, die mindestens die Schadstoffklasse Euro 6 erfüllen. So hat es der Gemeinderat in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen.

Ginge es nach der kommunalpolitischen Beschlusslage, dann müssten schon seit Anfang 2017 zwei 10,70 Meter kurze E-Busse ihre Runden auf den beiden Stadtlinien drehen. Doch gibt es bisher nur einen, und der ist erst seit Jahresbeginn 2018 im Einsatz. Die Firma Hütter-Lidle hat ihn angeschafft.

Gemeinderat zieht Reißleine

Den zweiten E-Bus sollte die Firma Herbold ordern - bis April. Doch das ist nicht geschehen. Ende April hat der Gemeinderat die Reißleine gezogen: Der alte Herbold-Diesel, Baujahr 2000, darf ab 1. Juli im Stadtbusverkehr nicht mehr eingesetzt werden. Noch teilen sich beide Unternehmen den Stadtbusbetrieb.

"Es ist nicht die Absicht, die Firma Firma Herbold aus der Geschichte rauszudrücken", stellt Frank Stransky klar, der im städtischen Ordnungsamt für das Thema Stadtbus zuständig ist. Aber es gebe den Beschluss des Gemeinderats, beim Stadtbusbetrieb auf schadstoffarme Fahrzeuge umzustellen.

Probleme bei der Finanzierung

Probleme beim Zuschuss - und damit bei der Finanzierung - nennt Dieter Herbold als Grund, weshalb er den E-Bus nicht wie geplant bestellt hat. Er habe einen Antrag beim Land gestellt, weil er von dort die gleiche Förderung (150.000 Euro) erwarten konnte, wie sie die Firma Hütter-Lidle vom Bund erhalten hat.

Doch dann habe er sich für ein anderes Bus-Modell entschieden, berichtet Herbold: Statt eines EBE Europa mit Ziehl-Abegg-Radnabenantrieb, wie er in größerem Format bei der Laga im Einsatz war, sollte es ein Sileo sein, wie ihn Hütter-Lidle angeschafft hat.

Der Landeszuschuss jedoch ließ sich nicht in voller Höhe vom einen auf das andere Modell übertragen. Am Ende fehlten Herbold 50.000 Euro, die er von der Stadt ersetzt haben wollte. Der Gemeinderat lehnte ab, ebenso den Antrag, die ohnehin schon lange Laufzeit des Stadtbus-Vertrages über 2026 hinaus zu verlängern. Die Partner Stadt und NVH hatten eine zehnjährige Laufzeit vereinbart, damit die Busunternehmer Planungssicherheit haben und die teuren Anschaffungen über eine längere Frist abschreiben können.

Ein Antrag auf Bundeszuschuss, Ende Januar gestellt, sei vor drei Wochen abgelehnt worden, berichtet Dieter Herbold. Doch noch hat er die Hoffnung nicht aufgegeben: "Wenn wir die Möglichkeit bekommen, an einen Bundes- oder Landeszuschuss zu kommen, werden wir es versuchen."

E-Busse sind mehr als doppelt so teuer

Denn ohne Förderung geht es nicht. E-Busse sind mehr als doppelt so teuer wie vergleichbare Fahrzeuge mit Dieselantrieb, sagt Dieter Herbold. Hinzu kommen die hohen Kosten für die Ladestation, die Hütter-Lidle seit der Gartenschau besitzt, Herbold aber nicht, weil sich sein Betrieb damals nicht am Pendelbusverkehr beteiligt hat.

Auf 530.000 Euro beziffert Thomas Lidle die Kosten des Busses, der seit Januar in Öhringen im Einsatz ist. Jetzt will die Firma Hütter-Lidle einen zweiten anschaffen. "Wir haben einen erneuten Bundeszuschuss beantragt", berichtet Lidle. Mitte Juni erwartet er die Entscheidung: "Wir hoffen, dass wir Ende Dezember, Anfang Januar starten können." Ein Antrag auf Landeszuschuss kam für Lidle auch dieses Mal nicht in Frage: "Zu wenig", lautet sein Urteil.

Wenn der zweite E-Bus tatsächlich zu Jahresbeginn in Betrieb geht, bleiben nur noch acht von ursprünglich zehn Vertragsjahren zwischen NVH und Stadt. Thomas Lidle kann mit den acht Jahren leben: "Das passt für uns", sagt der Busunternehmer. Dies liege auch am Bundeszuschuss.

Lange auf der Wunschliste

Bereits 2011 hat der Öhringer Gemeinderat elektrisch angetriebene Stadtbusse auf seine Wunschliste gesetzt. Im März 2014 fasste das Gremium den Grundsatzbeschluss, drei Elektrobusse für den Pendelverkehr während der Landesgartenschau anzuschaffen und anschließend im Stadtbusbetrieb einzusetzen.

Ein Jahr später mussten die Öhringer zur Kenntnis nehmen, dass die für den Innenstadtverkehr geeigneten kurzen Busse nicht zu bekommen waren. Bei der Laga fuhren lange Busse mit dem Radnabenantrieb von Ziehl-Abegg.

Ende 2015 beschloss der Gemeinderat, den Stadtbus-Vertrag mit dem NVH bis 2026 zu verlängern und ab 2017 E-Busse mit Radnabenantrieb einzusetzen - so sie denn bis dahin auf dem Markt wären. Doch Mercedes, der als Hersteller in Frage kam, baut bis heute keinen kurzen Bus mit Antrieb aus Hohenlohe. Deshalb hat Busunternehmer Thomas Lidle einen E-Bus der Firma Sileo angeschafft, der von einer Achse der Firma ZF Friedrichshafen vom Bodensee angetrieben wird. Seit Januar ist er im Einsatz.

Europaweite Ausschreibung

Was die Investitionsentscheidung der Busunternehmer zusätzlich verkompliziert: Ende 2018 muss der Hohenlohekreis den gesamten Nahverkehr europaweit ausschreiben. Wenn die bisher für den NVH fahrenden regionalen Unternehmen nicht zum Zuge kommen, wird der günstigste Bieter der Ausschreibung, woher auch immer er kommt, ab 2020 den elektrischen Stadtbusverkehr in Öhringen im Auftrag des NVH übernehmen.