Der Tod wird teurer in Zweiflingen

Zweiflingen  Den neu gewählten Gemeinderäten wird zum Einstieg eine unpopuläre Entscheidung abverlangt: Sie müssen die Bestattungsgebühren kräftig anheben.

Von Peter Hohl
Der Tod wird teurer in Zweiflingen

Die Gemeinde Zweiflingen greift den Bürgern bei den Bestattungsgebühren tiefer in die Tasche. Bisher schießt sie kräftig zu.

Foto: Peter Hohl

"Das ist eine heftige Entscheidung für den neuen Gemeinderat", sagt Michael Monger. Und Florian Elsasser findet "das Thema als Einstieg makaber". Gerade noch haben sie mit sechs weiteren neuen und drei alten Räten die gewissenhafte Erfüllung ihrer Pflichten gelobt, da kommen sich bei den Zweiflinger Gemeinderäten bereits Gewissen und Pflicht in die Quere.

Das gerade verpflichtete Gremium soll einigen Bürgern tief in die Tasche greifen, um die Gemeindefinanzen dauerhaft solide zu erhalten. Am Ende bedarf es einiger Improvisationskünste von Bürgermeister und Gemeinderat, bis eine für alle akzeptable Erhöhung der Bestattungsgebühren beschlossen werden kann.

Warum der alte Gemeinderat diese Frage nicht schon entschieden hat

Eigentlich hätte die Gebührenerhöhung bereits im vergangenen Jahr abgesegnet werden sollen - vom mittlerweile ehemaligen Gemeinderat. Doch dieser war sich, wie die Verwaltung berichtet, "lange Zeit unschlüssig, welche neue Bestattungsform angeboten werden soll". Letztlich ging es um die preisgünstigere Lösung, als sich das (alte) Gremium im Dezember 2018 für Wiesenurnenwahlgräber statt einer Urnenstele entschied.

Erst auf Grundlage dieser Entscheidung konnte die Allevo Kommunalberatung aus Obersulm die künftigen Zweiflinger Bestattungsgebühren kalkulieren. Kein einfaches Unterfangen, wie Allevo-Mitarbeiter Ralph Härtel den Räten erläutert. Denn in die Kalkulation fließen viele verschiedene Kosten ein, vom Öffnen und Verfüllen des Grabes über die Verwaltungsgebühren und die Nutzung der Aussegnungshalle bis hin zur Pflege über mehrere Jahre und Jahrzehnte.

Der Zuschuss der Gemeinde fehlt an anderer Stelle im Etat

Die Vorgabe aus dem Zweiflinger Rathaus war eindeutig: Der Zuschussbedarf soll sinken, der Kostendeckungsgrad steigen. Letzterer lag in den Jahren 2014 bis 2017 bei lediglich 38,2 Prozent. Durchschnittlich 18.500 Euro pro Jahr schoss die Gemeinde zu - Geld, das an anderer Stelle im Etat fehlt.

Weil die Zweiflinger auf Zuschüsse angewiesen sind, müssen sie schauen, dass sie ihre Einnahmemöglichkeiten ausschöpfen. Ein Kostendeckungsgrad von 70 Prozent werde von Rechtsaufsicht und Zuschuss gewährenden Stellen erwartet, informierte die Verwaltung. Dennoch schlug sie nur eine Gebührenerhöhung auf einen Kostendeckungsgrad von 60 Prozent vor.

Konkurrenz für die kommunalen Friedhöfe

Doch auch dies würde für die Bürger einen gewaltigen Preissprung bedeuten. Ralph Härtel hat in einer Modellrechnung aufgezeigt, wohin der Weg führen könnte. Nach bisheriger Berechnung koste ein Reihengrab mit 20 Jahren Belegzeit 1441 Euro. Bei einem angestrebten Kostendeckungsgrad von 60 Prozent wären es 2527 Euro, bei 50 Prozent immerhin noch 2107 Euro. Beides ist kein kleiner Sprung.

"Die Erhöhung ist ordentlich", sagt daher Gemeinderat Robert Mayr, von Berufs wegen Bestatter und deshalb mit der Materie bestens vertraut. "Man hat sehr lange nichts gemacht", nennt er einen Grund für den Preissprung und schlägt vor, künftig "alle drei Jahre was zu machen". Jürgen Mugele kennt weitere Gründe für den Anstieg: Die Fallzahlen sind niedrig, der Fixkostenanteil ist entsprechend hoch. Und der privat betriebene Waldfriedhof bei Friedrichsruhe ist eine spürbare Konkurrenz für die vier kommunalen Friedhöfe der Gemeinde.

Nur Bürgermeister stimmt für Verwaltungsvorschlag

Für den von der Verwaltung vorgeschlagenen Deckungsgrad von 60 Prozent gibt es bei der Abstimmung gerade mal eine Ja-Stimme - die des Bürgermeisters. Neun Räte stimmen mit Nein, Mayr enthält sich. Für Klaus Gross ist das Thema damit erledigt, hat die Verwaltung doch keine Gebührensätze für einen von den Räten gewünschten niedrigeren Deckungsgrad errechnet.

Doch die neuen Räte Jennifer Hesser und Florian Elsasser sehen den Tagungsordnungspunkt keineswegs als erledigt an. "Ich komme aus der Wirtschaft. Da gibt es kein "Friss oder stirb", sagt Elsasser und fordert eine erneute Diskussions- und Verhandlungsrunde.

Nachdem sich Klaus Gross mit Ralph Härtel abgestimmt hat, beschließt das Gremium einstimmig: Ab 1. Januar 2020 gilt ein Kostendeckungsgrad von 50, zwei Jahre später dann von 60 Prozent. Die gesamte Laufzeit der Kalkulation bleibt wie bisher bei fünf Jahren. Die exakten Tarife reicht die Verwaltung bis zur nächsten Sitzung nach.

 

 


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