Deftige Kritik am Gemeinderat Mulfingen

Mulfingen  Beim Tauben- und Geflügelmarkt müssen Mulfingens Bürgermeister und Gemeinderat Kritik einstecken. Das gehört dazu – und die 44 teilnehmenden Gruppen nahmen das Dorfgeschehen beim Umzug an diesem Samstagnachmittag nur allzu gerne auf die Schippe.

Von Thomas Zimmermann

Wenn in Mulfingen Tauben- und Geflügelmarkt ist, herrscht Ausnahmezustand. So war es auch bei der 115. Ausgabe bei der  rund 1000 Teilnehmer in 44 Gruppen in bunten Kostümen und Uniformen auf die Strecke gingen. Nur bei der 100-jährigen Ausgabe 2004 waren es noch mehr Teilnehmer. „Auf geht’s wir müssen starten“, mahnt der Organisator des Umzugs Gerhard Dewald vom Tauben und Geflügelverein zum Aufbruch.

Bürgermeister Robert Böhnel und Dekan Ingo Kuhbach beeilen sich die bereitgestellte Kutsche zu besteigen, die den Umzug traditionell anführt. Dann erklingt der Radezkymarsch, die Taubengarde marschiert auf und der Zug setzt sich in Bewegung. Die Schließung des BAG-Marktes, die geplante Bebauung des Wertplatzes, die Ortskernsanierung mit der neuen Ortsmitte und die Kindergartenplanung sind die großen Themen beim 115. Tauben- und Geflügelmarkt. 

 

Kritik am Mulfinger Gemeinderat

Dabei wird auch mit Kritik nicht hinter dem Berg gehalten. „Die guten Räte sind jetzt weg, der Rest stimmt zu bei jedem Dreck“, reimt die Mulfinger Jugend, die sich als Schimpansen verkleidet hat. „Wir greifen den Gemeinderat nicht persönlich an, aber sie müssen auch mal einen Arsch in der Hose haben und die Entscheidungen kritisch hinterfragen“, kritisiert einer der Schimpansen, der nicht namentlich genannt werden will.

Das Jugendheim Jagstberg nimmt die U-Boot-Christen auf die Schippe, die nur an Weihnachten und Ostern in die Kirche gehen. Und die Ailringer schenken vor lauter Verzweiflung Brückenwein aus, weil die Baustelle in der Ortsmitte nicht fertig werden will. „Ein Laden nach dem anderen platt Mulfingen wird zur Geisterstadt“, fürchtet der Schützenverein Mulfingen, dessen Mitglieder als Geister durch die Straßen ziehen.

Den Bierkrieg hat der Jugendtreff „Schuppen“ aus Künzelsau-Nitzenhausen ausgerufen. „Das ist ironisch gemeint“, sagt Yannik Kraft. „Wir trinken im Jugendclub beide Biere“, betont er mit Blick auf die Konkurrenzsituation im Jagsttal. Und die Buchenbacher fordern vehement ihren Kindergarten zurück.

Deftiges Essen nach deftigen Sprüchen

Nachdem die letzten Gruppen vorbeigezogen sind, steuern viele der Tausenden Besucher die Essens- und Getränkestände an. Beim „Badischen Backheisle“ aus Forchtenberg-Schleierhof gibt es lecken Flammkuchen. „Es könnte immer besser sein aber wir sind zufrieden“, sagt Koch Siggi Dietz mit Blick auf die Nachfrage. „Es passt alles“, ergänzt Julia Tuschel, die die Leckereien verkauft. „Es hat alles wunderbar geklappt, es dauert heute halt alles ein bisschen länger“, zieht Gerhard Dewald zufrieden Bilanz, nachdem der gut eineinhalb Stunden dauernde Tross vorbeigezogen ist. 

Auch Robert Böhnel steht inzwischen entspannt am Straßenrand. „Das muss man einfach aushalten“, sagt  der Bürgermeister nach dem Umzug. Kritik an Gemeinderat und Verwaltung gehört bei allem Spaß eben auch dazu, zum Tauben- und Geflügelmarkt.                        

 

 


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