Das Bier kehrt nach Öhringen zurück

Region  Im Hohenlohekreis wurde lange Zeit kein Bier produziert. Jetzt will Markus Hummel die Öhringer Brautradition aufleben lassen - und zwar im "Rocks".

Von Yvonne Tscherwitschke
Email
Der Bierlaster der Hohenloher Löwenbrauerei Cappel steht im Hof der Brauerei. Im Hintergrund ist die alte Tankstelle und die Zufahrt ins Cappler Wohngebiet Richtung Hornberg erkennbar. Fotos: Tscherwitschke/privat

Die Oberamtsbeschreibung von Öhringen aus dem Jahr 1865 kennt vier Brauereien mit vier Meistern und acht Gehilfen. Immerhin zwei Betriebe schafften es in die Neuzeit: Bis 1982 gab es die Hohenloher Löwenbrauerei in Cappel, bis 1988 sogar die Brauerei Reichert in der Öhringer Altstadt.

Wohl nicht mehr als Brauerei, dafür als Gaststätte war das Haus Schaller in Neuenstein noch geöffnet. Jahrzehntelang war der Hohenlohekreis bei Biertrinkern dann aber ein weißer Fleck.

In der Nachbarschaft gibt es Brauereien

Anders in direkter Nachbarschaft. Da gibt es mit Distelhäuser (Tauberbischofsheim), Dörzbacher (Ahorn), Herbsthäuser (Bad Mergentheim), Frankenbräu (Riedbach), Goldochsen (Spielbach), Löwenbräu (Schwäbisch Hall), Engelbräu (Crailsheim), Häberlen (Gaildorf) und Adlerbräu (Wallhausen) diverse Betriebe.

Auch in der anderen Richtung wird gebraut: Es gibt Palmbräu (Eppingen), Häffnerbräu (Bad Rappenau), Kronenbrauerei (Heilbronn). Neckarsulm hat ein Brauhaus. Das Marrahaus soll Bier bekommen. Nun will Markus Hummel im Kleinen an die Öhringer Brautradition anknüpfen.

Auch interessant: Erinnerungen an Hohenloher Löwenbräu

Rückkehr einer kleinen Brauerei

Markus Hummel setzt im Februar in seinem nagelneuen Brauraum den ersten Sud an.

In diesen Tagen schließen die Kältetechniker die großen Edelstahltanks im Nebenraum der Rockkneipe "Rocks" im Öhringer Industriegebiet an. Sind alle Schläuche, Messgeräte und Sensoren an der richtigen Stelle, kann Markus Hummel ab Februar das tun, was er am liebsten tut: Bier brauen. Das hat der 1982 in Rottweil geborene Hummel bei der Fürstenberg-Brauerei in Donaueschingen gelernt, wie der Meisterbrief im Braukeller beweist.

Zuletzt hat Hummel als Hygienetechniker für Milch- und Saftbetriebe gearbeitet. Diese Aufgabe hat ihn vom Schwarzwald nach Hohenlohe geführt. Weil er aber ohne Bierbrauen nicht sein wollte, hat er hin und wieder in einer Öhringer Gaststätte mit einer mobilen 50-Liter-Anlage Bier gebraut. Als die Chance bestand, im Industriegebiet das "Rocks" zu übernehmen, hat er sich den Traum der eigenen Wirtschaft erfüllt.

Drei eigene Biere - plus saisonale Angebote

Schnell hätten ihn die Gäste bedrängt, selbst zu brauen, sagt Hummel. Nach einem prüfenden Blick auf den Bierumsatz in seiner Kneipe hat er an einem Plan für drei eigene Biere gefeilt. "Das muss alles Hand und Fuß haben, ich bin Perfektionist". Gemeinsam mit der Stadt Öhringen überlegt Hummel, wie sein Bier künftig heißen soll. Brauwerk nennt er sein Unternehmen. Brauwerks Kellerpils könnte das Bier heißen, aber auch Brauwerk − Öhringer Original.

Das "Rocks" soll kein Brauhaus sein. "Denn da haben die Menschen Erwartungshaltungen, die wir hier nicht erfüllen", sagt er. Statt vom Gastraum aus sichtbare (Kupfer)Kessel, gibt es im hinteren Teil des Gebäudes einen extra Braukeller. Praktisch statt nostalgisch. Der etwa 50 Quadratmeter große Raum hat Platz für die Maischepfanne und die vier großen Edelstahltanks. Hummel erklärt: In der Maischepfanne bleibt die Würze einige Stunden, ehe der Gärvorgang in den Tanks stattfindet. Ein offener Gärtank mit 616 Liter Fassungsvermögen ist für das Hefeweizen gedacht. In die anderen Tanks passen jeweils 340 Liter Bier.

Was den Menschen schmeckt

Beflügelt der Craftbeertrend den Wunsch nach charakteristischen Bieren? Hummel denkt, dass es immer noch viele Menschen gibt, die keine Kirschen oder Schokolade in ihrem Bier schmecken möchten. "Aber es gibt eben auch Dinge, die schon immer in den vielen Jahrhunderten Braugeschichte vergoren wurden. Und nicht zuletzt wollen die Menschen saisonale, charaktervolle Biere." So will auch Hummel mehrere Biere im Jahresverlauf brauen: "Zum Märzen reicht es nicht mehr", deutet er auf die Baustelle.

Im Sommer werde es einen Maibock geben, ein Festbier zum Oktober und einen Weizenbock für den Winter. Generell will Rummel drei Sorten im Keller haben: Pils, basierend auf der Rezeptur seiner Meisterarbeit. Export, weil die Hohenloher das mögen, als Öhringer Original mit mehreren Spezialmalzen und kräftiger Farbe. Und eben ein Hefeweizen, basierend auf der Rezeptur eines Kollegen aus Oberbayern.

 
 

Kommentar hinzufügen