Blühendes Zeichen der Erinnerung gesetzt

Forchtenberg  Anlässlich des bevorstehenden 100. Geburtstages von Hans Scholl wurden in Forchtenberg weiße Rosen gepflanzt.

Von Julia Glass

Blühendes Zeichen der Erinnerung gesetzt

Bürgermeister Michael Voss (links) und Renate S. Deck (Mitte) pflanzten die weißen Rosen zum Gedenken an Hans Scholl. Foto: privat

 

"Der Mensch lässt nicht zu, dass der Mensch sein Leben beendet", liest Renate Deck vor und hält voller Ehrfurcht inne. Nachdenklich betrachtet sie die weißen Rosen, die anlässlich des kommenden 100. Geburtstages von Hans Scholl am 22. September gepflanzt wurden. Zwölf Menschen haben sich vor dem Würzburger Tor in Forchtenberg versammelt, um gemeinsam innezuhalten und an das Engagement der Geschwister Scholl zu erinnern.

Kindheit in Forchtenberg

Der Mitbegründer der studentischen Widerstandsgruppe Weiße Rose verbrachte zusammen mit seiner Schwester Sophie und weiteren Geschwistern seine Kindheit in Forchtenberg, ihr Vater Robert Scholl war 1919 bis 1930 Bürgermeister der Stadt. Als er nicht mehr wiedergewählt wurde, zog die Familie nach Ludwigsburg. Hans und Sophie Scholl kämpften gegen den Nationalsozialismus und wurden aufgrund ihres politischen Engagements bereits in jungen Jahren hingerichtet. Die weiße Rose ist ein Symbol der Erinnerung.

Wo vorher eine Wiese war, soll nun das von Renate Deck so benannte "schollsche philosophische Weiße-Rose-Gärtchen" am Eingang von Forchtenberg blühen, damit die Geschwister Scholl nicht in Vergessenheit geraten. Mit philosophischen Textausschnitten sorgt sie dafür, dass die Teilnehmenden bei der Eröffnung auch literarisch und emotional in die Geschichte eintauchen.

So kommt auf den Spuren Hans Scholls auch Dantes "Göttliche Komödie" ins Spiel, in der die weiße Himmelsrose eine Rolle spielte. Hans Scholl soll dieses Werk gelesen und sich vermutlich davon inspiriert haben lassen. Freuen können sich die Besucher auf nähere Details und Tafeln, die im Winter den Garten ergänzen sollen. Auch weitere Aktionen und Veranstaltungen wie beispielsweise ein gemeinsames Lesen sind geplant.

Michael Foss, Bürgermeister der Stadt Forchtenberg, ist sichtlich stolz auf den neuen Garten: "Ich freue mich, die Rosenpflanzung gemeinsam zu vollziehen und damit den nächsten Erinnerungspunkt zu setzen, damit die Geschwister Scholl und ihr Schicksal nicht in Vergessenheit geraten", sagt er.

Mit Leidenschaft aktiv

Sein Dank geht unter anderem an Renate Deck. Sie freut sich sehr, dass so viele zu dieser spontanen Aktion gekommen sind. Seit 1990 ist sie mit Leidenschaft ehrenamtlich in Forchtenberg aktiv. Ihre Motivation war, die Geschwister und ihre Kindheit in Forchtenberg bekannt zu machen, da Hans und Sophie Scholl für viele kein Begriff mehr waren. So hat sie selbst angefangen, nachzuforschen und mit Zeitzeugen zu sprechen. Ab da habe es begonnen, eine Verantwortung zu werden. "Es ist eine politische und religiöse Sache, daran zu erinnern. Besonders heutzutage ist es aktueller und wichtiger denn je, ein Zeichen zu setzen", erzählt sie. So gehört neben Gedenkarbeit wie dieser auch die Organisation von Führungen bis hin zu Rosenpflanzungen an Schulen dazu.

"Na dann hoffen wir auf richtiges Wetter, damit die weißen Rosen gedeihen und blühen", fügt Michael Foss nach der Pflanzung hinzu.

Fahrt nach München

Hans Scholl wurde am 22. September 1918 in Ingersheim, heute ein Stadtteil von Crailsheim, geboren. seine Schwester Sophie am 9. Mai 1921 in Forchtenberg. Beide wurden am 22. Februar 1943 in München von den Nazis umgebracht und sind auf dem Friedhof im Perlacher Forst beerdigt. Ein Besuch der Gräber ist Teil des Programms einer Fahrt am 22. September von Forchtenberg nach München. Info und Anmeldung bei der Stadt Forchtenberg, Telefon 07947 911124.