Biber bauen sich am Schleierhofer See eine Rutsche

Forchtenberg  An den Weihern bei Schleierhof fällen Biber schon länger fachmännisch Bäume. Neu ist aber, dass die Nager ein Loch im Damm zwischen zwei Weihern gegraben haben - inklusive Biber-Rutschbahn ins Wasser. Das ist ein teurer Spaß.

Von Lisa-Marie Guja
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Fachmännisch gefällte Bäume liegen um und in den Weihern hinter dem Schleierhofer See bei Forchtenberg. Doch nicht die Axt des Försters hat sie zu Fall gebracht, sondern scharfe Biberzähne. Dass die geschützten Tiere im Staatswald bei Schleierhof leben, ist für die meisten Spaziergänger nichts Neues. Schließlich versuchen die Nager auch nicht, ihre Spuren zu verwischen. Geheimgänge und Behausungen halten die Tiere jedoch meistens versteckt.

Auf diesem Bild ist der eingestürzte Bibertunnel noch nicht gesichert. Mittlerweile wurde das fast ein Meter große Loch von Revierförster Ulrich Vinnai aber abgesperrt.

Fotos: Lisa-Marie Guja

Christel und Erich Föhl, die dort regelmäßig durch den Wald schlendern, ist es jedoch gelungen, Einblick in die unterirdischen Tunnel zu bekommen - aber eher zufällig: "Wir beobachten zwar schon länger, was die Biber alles fällen", berichtet der 81-jährige Föhl. In der letzten Woche fiel ihnen beim Spaziergang dann aber noch etwas auf: ein riesiges Loch im Damm zwischen zwei Weihern - und dazu auch eine Biber-Rutschbahn ins Wasser.

Auch interessant: Nicht nur in Forchtenberg werden Biber zur Herausforderung - sie fällen auch an anderen Orten in der Region munter Bäume

Spuren haben die Biber gar nicht erst verwischt

Der Tunnel ermögliche den Tieren, von See zu See zu gelangen - und sei wohl vor kurzem teilweise eingestürzt, vermutet der zuständige Förster Ulrich Vinnai. Bereits 2017 habe er das erste Mal Spuren der Biber gefunden und bemerkt, dass sie Tunnel durch die Dämme graben. Prompt zu diesem Zeitpunkt sei einer der zwölf Weiher gerade abgelassen gewesen. Doch Maßnahmen seien damals keine getroffen worden. "Wir haben das Schadenspotenzial falsch eingeschätzt", meint der 49-jährige Revierförster.

Biber baut sich am Schleierhofer See eine Rutsche

Fast wie im Freibad: Die Biber haben an den Weihern hinter dem Tiroler See sogar eine Art Rutschbahn vom Dammweg hinunter angelegt. Die wird benutzt, wenn der Tunnel (linkes Bild) durchquert wurde.

Dass der Biber Tunnel gräbt? Das ist normal. Dass dabei aber die Erdwälle zwischen den Teichen beschädigt werden? Das ist ärgerlich - und teuer: Denn Förster Vinnai taxiert die Reparaturkosten auf 80.000 bis 100.000 Euro. Aus eigener Kraft und auch aus der eigenen Brieftasche müsse der Landesforstbetrieb das alles stemmen. Um die Löcher zuzuschütten, werden die Weiher geleert.

Im Frühjahr sei dies nicht möglich, da Amphibien und Frösche dort laichen. Jeder der Dämme um die zwölf Weiher müsse geflickt und entweder mit Drahtgeflechten oder Steinen versehen werden. Damit würde das Ufer der Dämme dann vor weiterem Bibertunnel-Bau geschützt sein.

Achim Megerle vom Umwelt- und Baurechtsamt - ebenfalls beim Ortstermin dabei - würde es hingegen bevorzugen, Steine am Ufer zu platzieren. "Damit wird ein neuer Lebensraum geschaffen und das Material ist aus der Natur", betont er. Doch Steine seien teurer als Draht.

Es hätte auch schlimmer kommen können

Egal, was letztlich Anwendung finden wird: Im kommenden Herbst soll es losgehen. Über das genaue Vorgehen diskutiere der Landesforstbetrieb bereits, sagt der Förster. Ob die Tiere in Zukunft noch weitere Schäden verursachen werden, sei jedoch noch nicht absehbar. Und dabei hätte es noch viel schlimmer kommen können: "Andere Biber haben beispielsweise schon unter Straßen gegraben oder Seen gestaut", berichtet Hansjörg Weidemann, beim Landratsamt Hohenlohekreis zuständig für den Naturschutz. In solchen Fällen wäre die Hochwassergefahr groß - und es müsse sofort reagiert werden.

Biber baut sich am Schleierhofer See eine Rutsche

Fast wie im Freibad: Die Biber haben an den Weihern hinter dem Tiroler See sogar eine Art Rutschbahn vom Dammweg hinunter angelegt. Die wird benutzt, wenn der Tunnel (linkes Bild) durchquert wurde.

Zurück nach Schleierhof: Sollte ein Damm einstürzen, wäre der Badesee fähig, das überschüssige Wasser aufzunehmen. Wirklich gefährlich sind die Tunnel der Biber also nicht. "Wir sehen das gelassen, aber es muss trotzdem gerichtet werden", erklärt der Förster.

Er und Weidemann gehen davon aus, dass eine ganze Biberfamilie in den Weihern zu Hause ist. Sie haben bereits eine sogenannte Burg, die Unterkunft der Tiere entdeckt. "Was die Biber machen, ist faszinierend", findet Vinnai. Er freue sich, dass die Tiere in seinem Wald heimisch geworden sind.

Das Loch ist mit Flatterband abgesperrt

Damit keine Spaziergänger in das Tunnel-Loch fallen, hat er es mit Flatterband abgesperrt. Da der eingestürzte Tunnel als eine "naturgemachte Gefahr" zähle, sei mehr nicht erforderlich. Wenn Leute durch die Absperrung auf das Loch aufmerksam würden, fände er das sogar gut. Hansjörg Weidemann pflichtet bei: "Am besten wäre es, eine ganze Veranstaltung zu machen, damit die Leute sehen, was diese Tiere alles schaffen." Denn beide finden, dass möglichst viele Menschen einmal live sehen sollten, was so ein Biber alles kann.


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