Bei Anruf kein Gewinn

Region - Immer dreister, immer kreativer scheinen Betrüger zu werden, die über Telefonate oder ähnliche Weise versuchen, Menschen um ihr Geld zu bringen. Die Polizei kann nur begrenzt eingreifen. Das Problem: Anrufe befinden sich in einer rechtlichen Grauzone.

Von unserer Redakteurin Stefanie Sapara

Bei Anruf kein Gewinn
Genervt, müde, kraftlos: Trickbetrüger quälen ihre potenziellen Opfer oft mit dutzendfachen Anrufen, um ihnen Geld aus der Tasche zu ziehen.Foto: olly/Fotolia
Region - "Herzlichen Glückwunsch, Sie haben eine Reise im Wert von 6000 Euro gewonnen!" Das zumindest teilte einer 71-Jährigen in Heilbronn vor kurzem eine Männerstimme per Telefon mit. Aus gesundheitlichen Gründen kann die Frau die Reise aber nicht antreten. "Kein Problem", versicherte der Anrufer. "Er sagte, ich solle 300 Euro überweisen, dann bekäme ich Unterlagen zugeschickt", berichtet die Heilbronnerin. Mit diesen sollte sich die Frau in einem Reisebüro melden, dann würden ihr 5000 Euro in bar ausbezahlt.

Auflegen

Immer dreister, immer kreativer scheinen Betrüger zu werden, die auf diese oder ähnliche Weise versuchen, Menschen um ihr Geld zu bringen. Die Polizei kann nur begrenzt eingreifen. Das Problem: "Wir befinden uns in einer rechtlichen Grauzone", erklärt Rudolf Eyer von der Kriminalprävention der Heilbronner Polizei. Strafrechtlich werde ein solcher Anruf als Vorbereitungshandlung zum Betrug gewertet, nicht aber als tatsächlicher Betrugsversuch. "Es ist ja noch kein finanzieller Nachteil entstanden." Werner Waldvogel vom Arbeitsbereich Umwelt und Gewerbe der Polizei weist außerdem darauf hin, dass unseriöse Firmen, die solche Werbeanrufe tätigen, "so gewieft vorgehen, dass man ihnen rechtlich kaum habhaft wird". Zwar sei unerlaubte Werbung unter Strafe gestellt, "es werden aber nur ganz wenige Anzeigen erstattet", weiß Rudolf Eyer.

Was können potenzielle Opfer tun? Wenn Angerufene auf dem Display eine Nummer sehen, sollten sie diese, genau wie den Zeitpunkt des Anrufs, notieren und der Polizei melden. Keinesfalls sollte man sich am Telefon auf ein Gespräch einlassen, erklärt Waldvogel. "Womöglich bucht man auf diese Art ein Abo, nur weil man auf irgendwelche Fangfragen mit Ja geantwortet hat." Stattdessen solle man einfach auflegen.

Wegwerfen

Bei Gewinnbenachrichtigungen, die mit der Post eintreffen, helfe hingegen nur eines: wegwerfen. Ein 72-jähriger Heilbronner erhielt jüngst ein Schreiben der Firma Konrad, Herzog & Partner − wie viele andere Menschen in der Region auch. "1000 Euro soll ich gewonnen haben, wofür denn?" Der Mann wurde sofort stutzig. Denn den Gewinn sollte nur erhalten, wer sich zu einer Busfahrt anmeldet. "Eine Zustellung per Post ist aus rechtlichen Gründen nicht möglich, da Sie sich ausweisen müssen", hieß es in dem Schreiben. Hätte sich der 72-Jährige tatsächlich zu der Tour angemeldet, hätte er mit einer klassischen Verkaufsfahrt rechnen müssen. "Hier sollte man einfach den gesunden Menschenverstand einsetzen", empfiehlt Rudolf Eyer. "Wo soll dieses Geld denn herkommen?"