Ausflugstipp: Mit einem Kutscher entschleunigt durchs Steinbacher Tal

Pfedelbach  Bei einer Kutschfahrt mit Günter Wieland und seinen Pferden taucht man am Fuß des Naturparks Schwäbisch-Fränkischer Wald in eine herrliche Landschaft mit Wald, Reben und Streuobstwiesen ein.

Von Bettina Hachenberg
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Mit zwei Pferdestärken entschleunigt im Steinbacher Tal

In Harsberg sehen wir ein seltenes Kulturdenkmal aus dem 19. Jahrhundert: Das kleine Gebäude beherbergte einst Dorfarrest und Schnapsbrennerei unter einem Dach.

Fotos: Bettina Hachenberg

Die zwei Rappen traben gleichmäßig wie ein Uhrwerk. Ihre schwarzen Kruppen glänzen im Sonnenlicht. Das Ohrenspiel von Eulenspiegel und Elmiro ist rege. Entweder aufmerksam gespitzt nach vorn oder nicht weniger aufmerksam nach hinten gerichtet, um zu hören, welche Kommandos Günter Wieland seinen Pferden, die er Till und Miro nennt, gibt.

Der 56-jährige Öhringer hat auf dem Kutschbock die Leinen in der Hand. Neben ihm sitzt Tochter Julia (15) als Beifahrerin. Hinten in der Wagonette haben zwei glückliche Mitfahrerinnen Platz genommen. Fernab befahrener Straßen erleben wir an diesem schönen Augustnachmittag eine herrliche Landschaft. Gezogen von zwei PS geht es entschleunigt durch das Steinbacher Tal.

Am Stall in Öhringen-Michelbach geht es los

Mit zwei Pferdestärken entschleunigt im Steinbacher Tal

Eine Kutschfahrt trägt zur Entschleunigung bei. Und man kann völlig entspannt die Landschaft genießen.

Foto: Renate Väisänen

Gestartet sind wir in Öhringen-Michelbach. In der Obersteinbacher Straße hat Günter Wieland den Stall für die fünf Pferde seines Fahrbetriebs, mit dem er Kutsch- und Planwagenfahrten anbietet. Die Rappen, die er einspannt, sind sächsische schwere Warmblüter - eine Rasse, die den passionierten Gespannfahrer voll in ihren Bann gezogen hat. Leistungsbereit, zugstark, dabei umgänglich und nervenstark sind sie ideale Kutschpferde, werden zudem regelmäßig von Ehefrau Christina und Tochter Julia geritten.

Auch der dreieinhalbjährige Sohn Felix sitzt gern auf dem Kutschbock neben seinem Papa und hält das Ende der Leinen. "Ich muss dem Papa fahren helfen", meint er dann. Wobei dies eigentlich nicht nötig ist. Denn als einst aktiver Sportfahrer bis zur schweren Klasse S, als Ausbilder für Kutschenfahrer und Fahrpferde, Trainer A für Vierspänner im Leistungssport und Besitzer des Bronzenen und Silbernen Fahrabzeichens hat Günter Wieland jede Menge Erfahrung als Gespannfahrer.

Der dreieinhalbjährige Sohn Felix sitzt gerne neben seinem Papa auf dem Kutschbock

Mit zwei Pferdestärken entschleunigt im Steinbacher Tal

Kurzer Halt am Ranzenberg: Emma und Otto Jakubowski (re.) bewundern die großen Rappen von Günter und Julia Wieland.

Nach dem Einspannen von Till und Miro geht es aus dem Hof hinaus auf die Hauptstraße. Mehrere Autos und ein großer Traktor überholen uns. Till und Miro bleiben gelassen. "Wie bringt man das den Pferden bei?", fragt Renate. "Durch lange und gute Ausbildung", erklärt Günter Wieland. Die jungen Pferde würden erst rechts neben einem erfahrenen Pferd eingespannt, dem Verkehr abgewandt. "Wenn sie dann merken, es interessiert den Partner nicht, macht es ihnen in der Regel auch nichts aus und sie gewöhnen sich schnell dran."

Die Pferde Till und Miro bleiben gelassen, als Autos überholen

Till und Miro sind sehr erfahren. Regelmäßig sind sie vor der Kutsche oder dem Planwagen unterwegs. Miro brummelt zufrieden vor sich hin, als er neben Till trabt. Nach einem Schlenker durch die Michelbacher Ortsmitte geht es stetig bergauf in die Weinberge. Unser Blick geht nach rechts über Baierbach, Oberohrn, Cappel und Öhringen hinaus in die weite Ebene. Am Horizont erkennen wir den Katzenbuckel im Odenwald. Plötzlich, nach einer engen Kurve, geht es einen Wiesenpfad steil bergan.

Ein kurzes Kommando und die Pferde galoppieren. Am Ende parieren sie brav zum Trab durch. Unterhalb des Waldrands führt der Weg stetig bergauf und bergab. Ein Spaziergänger kommt uns mit seinem Hund entgegen. Wir blicken über die voll behangenen Rebstöcke übers Tal hinweg, erkennen Heuberg, Hinterespig und Griet.

 

Wir genießen den Blick von der Aussichtsplattform am Ranzenberg

Dann gelangen wir zur Aussichtsplattform am Ranzenberg. Wir machen kurz Halt und sind nicht die einzigen, die dort den Ausblick genießen. Otto Jakubowski sitzt mit seiner Schwester Emma, die aus Hannover zu einem Besuch ins Hohenlohische gekommen ist, auf dem Bänkle. "Sind das schöne Pferde", freuen sie sich beim Anblick der Rappen. Und schon geht es weiter. Der Weg führt nun hinab nach Heuholz, dann die Dachsteigerstraße hinauf Richtung Renzen. "Das ist ja wie ein Schlaraffenland hier", findet Renate beim Anblick der dicht mit Äpfeln, Birnen, Zwetschgen und Mirabellen behangenen Obstbäume.

Mit zwei Pferdestärken entschleunigt im Steinbacher Tal

Eine herrliche Landschaft bietet das Steinbacher Tal. Über Reben, Dörfer, Wiesen und den Ohrnlauf schweift der Blick von der Kutsche hinüber zu den Wäldern des Naturparks Schwäbisch-Fränkischer Wald.

Dann sind wir im Tal angekommen, überqueren die Landesstraße und passieren eine alte Steinbrücke über die Ohrn. Das Ortsschild kündet von Renzen. Streuobstwiesen, Weiden und Obstkulturen sind nun unsere Begleiter auf dem Talweg.

Streuobstwiesen, Weiden und Obstbäume rundherum

Ziegen in einem Gehege blicken uns neugierig an. In den kleinen Weilern stehen neue Häuser zwischen alten Bauerngehöften. In Harsberg fällt uns ein kleines Fachwerkhäusle ins Auge. "Ein Backhaus", meint Renate. Weit gefehlt. Es ist der einstige "Dorfarrest", der zudem eine Brennerei beherbergte.

Vorbei am Ortsrand von Oberhöfen, Beingasse, Schmidshof und Unterhöfen führt die Fahrt weiter nach Baierbach und Oberohrn. Dort biegen wir in das Tal der Rosswiese ein. Entlang des Michelbachs geht es in flottem Tempo Richtung Michelbach. Nach gut zwei Stunden biegen wir wieder in die Hofeinfahrt ein. Die im Stall gebliebenen Pferde begrüßen uns wiehernd.


Mit zwei Pferdestärken entschleunigt im Steinbacher Tal

Was eine Kutschfahrt kostet

Neben Hochzeits- und Viktoriakutsche sowie Wagonette für sechs Personen hat Günter Wieland zwei Planwagen. Im kleinen finden bis zu 14, im großen bis zu 22 Personen Platz. Er bietet Fahrten für verschiedene Anlässe in der ganzen Region an. Die rund zweistündige Rundfahrt durch das Steinbacher Tal kostet mit der Kutsche 200 Euro, mit dem kleinen Planwagen 250 und mit dem großen Planwagen 300 Euro. Weitere Auskünfte auch zur Ausgestaltung der Fahrten gibt es bei Günter Wieland unter Telefon 0172 7118594 oder per E-Mail an wielandgunter@gmail.com.

 

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