Auf den Lernrausch folgt der Abstieg

Öhringen  Ein Kurzfilm von Mitgliedern der Öhringer Videowerkstatt in Kooperation mit Werbedesigner Sergej Trifonov thematisiert Drogen in der Leistungsgesellschaft. Die Macher berichten von anstrengender Produktion.

Von Renate Väisänen

Auf den Lernrausch folgt der Abstieg

Der harte Kern der Filmproduktion: (Zweiter und Dritter von links) Drehbuchautor und Regisseur Mario Dietel, Aufnahmeleiter Lukas Benner, rechts außen Produzent Sergej Trifonov, dahinter Kameramann Mike-Michel Bauer.

Foto: Renate Väisänen

Premierenluft im Scala-Kino: "Dependence" lautet der Titel des in der Großen Kreisstadt produzierten Kurzfilms, der einem ausgewählten Publikum aus Schülern vorgeführt wird. Spielt doch der eine oder der andere Jugendliche zumindest als Statist in dem Kurzfilm mit, der von der Öhringer Werbeagentur s'moove design in Zusammenarbeit mit der Videowerkstatt der städtischen Jugendarbeit produziert wurde.

"Zeitfressend und stressig" habe sich die Produktion über anderthalb Jahre gestaltet, erklärt Drehbuchautor und Regisseur Mario Dietel vor den rund 130 Premierengästen. "Ein tolles Gefühl jedoch ist es, mit euch heute die Produktion feiern zu können", freut sich der Gymnasiast aus Öhringen.

Kreative Differenzen

Viel Herzblut habe der bestens motivierte harte Kern an Filmcrew-Leuten und Darstellern in das Projekt investiert, lobt Produzent und Werbeagentur-Inhaber Sergej Trifonov die Kooperation, bei der es nicht an anstrengenden Drehtagen und kreativen Differenzen gemangelt habe. Wie halt im richtigen Leben auch.

Und wie aus dem wirklichen Leben ist die fiktive Geschichte des Jungen Pascal (Paul Reizer), der in der Eingangsszene nachts von zwei finsteren Gestalten verprügelt wird und in der darauffolgenden Einstellung in der Praxis seines Psychologen (Waldemar Schwimmer) keine Worte über die zurückliegenden Geschehnisse findet.

Der Film erzählt von der fiktiven Droge Retilan

Rückblende: Pascal trifft seinen Kumpel André (Daniel Pankeyev), der von seinen guten Schulnoten schwärmt. Und die hat er nicht von ungefähr: Bei einer Party gibt er ihm den Tipp, wo er die (fiktive) Droge Retilan erhält, die für seine Bestleistungen verantwortlich sei.

Nach einer Konfrontation mit dem Schulrektor (Markus Steffl) aufgrund seiner nachlassenden schulischen Leistungen und den heftigen Vorwürfen der überforderten, alleinerziehenden Mutter (Olga Schwimmer) entschließt sich der Jugendliche, sich ebenso wie André mit der heilbringenden Droge einzudecken.

Und er erlebt Wundersames: Weder Lernen noch andere ungeliebte Arbeiten machen ihm dank der weißen Gelatine-Kapseln mehr Mühe. Und der Mutter kann er jetzt gute Schulnoten präsentieren.

Veränderte Persönlichkeit

"Du lernst? Bist du krank?" bemerkt seine ältere Schwester Julia (Paula Stumpf), zu der der Junge ein inniges Verhältnis hat. Und tatsächlich: Pascal hat sich verändert, seine Psyche verlangt nach der Wunderdroge, ohne die er keinen klaren Gedanken mehr fassen kann.

Um seine Sucht befriedigen zu können, schreckt er nicht davor zurück, Geld zu stehlen. Und mehr noch: Julia gegenüber, die in Pascals Zimmer auf die weißen Kapseln stößt und sie aus Sorge um ihrem Bruder verschwinden lässt, wird Pascal aggressiv. Um an weiteren Stoff zu kommen, sieht der Junge nur noch den Ausweg, seinen Dealer auszutricksen.
 


Spiegel für die Zuschauer

Mit anspruchsvoller Kameraführung (Mike-Michel Bauer), Special Effects, die das Psychogramm des Protagonisten darstellen, eigenem Soundtrack (Dominik Saal, Cornelius Debler) kommt "Dependence" auch schauspielerisch glaubhaft rüber. Und führt dem Zuschauer zum Ende mit der Visualisierung von weiteren Suchtformen einen Spiegel vor Augen.

 


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