Auf Exkursion von Blühstreifen zu Blühstreifen

Öhringen  Die Öhringer Agendagruppe Siedlung & Landwirtschaft besichtigt Blühstreifen auf Ackerland und in Obstbaumanlagen. Ein wichtiges Ziel ist die Vernetzung von Biotopen.

Von Andreas Scholz

Stadt schafft Nischen für Feldlerchen und Bienen

Reinhard Beck (links) hat bei Möglingen Blühstreifen und Lerchenfenster angelegt.

Fotos: Andreas Scholz

Was blüht denn da? Und was bringen die Blühstreifen an Ackerrändern und in Obstplantagen für die Natur? Diesen Fragen widmete sich die Öhringer Agendagruppe Siedlung & Landwirtschaft bei ihrer sommerlichen Exkursion. Zur Freude von Stadtbaumeister Reiner Bremm und Werner Strunk, Garten- und Landwirtschaftsarchitekt aus Göppingen, war das Interesse groß.

Rasch bilden sich am Treffpunkt in der Cappelaue mehrere Fahrgemeinschaften. "Wir haben ein straffes Zeitprogramm. Unsere erste Station ist der Obsthof von Albrecht Rembold in Baumerlenbach", erklärt Exkursionsleiter Bremm. Zwischen den mit Hagelnetzen geschützten Obstbaumreihen hat Rembold zahlreiche Blühstreifen angelegt und dabei auf die Veitshöchheimer Bienenweide, eine Saatgutmischung mit insektenfreundlichen Kräutern und Stauden, zurückgegriffen. "Erfreulicherweise haben sich schnell Schwebfliegen eingefunden", erklärt Rembold.

Läuse bleiben ein Problem

Allerdings sei das Problem mit Läusen trotz potenziellen Fressfeinden wie Schwebfliegen, Florfliegen oder Marienkäfern noch nicht komplett gelöst. "Im Obstbau haben wir es unter anderem mit der Apfelgraslaus, der Apfelfaltenlaus, der Grünen Apfelblattlaus und der Mehligen Apfelblattlaus zu tun. Manche Lausarten treten leider in Jahreszeiten auf, in denen ihre Fressfeinde noch nicht aktiv sind", bedauert Albrecht Rembold.

Stadt schafft Nischen für Feldlerchen und Bienen

Albrecht Rembold (links) stellt die mehrjährigen Blühstreifen zwischen seinen Obstbaumreihen in Baumerlenbach vor.

Der Obstbauer will aber im Rahmen der Öhringer Biotopvernetzung weiterhin mit Blühmischungen experimentieren. Diese kommen nicht nur auf den Obstplantagen in Baumerlenbach, sondern auch auf anderen Ackerflächen und Grünlandstreifen im Öhringer Raum zum Einsatz. Mit Reinhard Beck hat Rembold einen Partner für das Experimentieren gefunden. Während der Obstbauer das Saatgut aussät, kümmert sich der Landwirt aus dem benachbarten Möglingen um die Bodenvorbereitung.

Verstecke zwischen Blüten

Bei einer kurzen Stippvisite auf den Ackerflächen von Reinhard Beck zeigt sich, wie der Blütenzauber der Veitshöchheimer Bienenweide die heimische Insektenwelt anzieht: Der Blühstreifen mit Natternkopf, Kornrade und Färber-Kamille am Feldrand lockt winzige Wildbienen genauso an wie kräftige Hummeln. "Blühstreifen bieten aber auch gute Verstecke für Feldvögel wie die Feldlerche", ergänzt Monika Göltenboth vom Landwirtschaftsamt des Hohenlohekreises.

Im weiteren Verlauf der Rundfahrt lenkt die Landwirtschaftsexpertin den Blick auch auf so genannte Lerchenfenster, die mehrere Öhringer Landwirte auf ihren Feldern angelegt haben: "Lerchenfenster sind ein weiteres Beispiel für den Versuch, die Biotopvernetzung in Öhringen auszubauen." Wie auf Bestellung ist in den Redepausen auf den Feldern auch mehrmals der tirilierende Gesang der Feldlerche, dem Vogel des Jahres 2019, zu hören.

Über den Winter stehen lassen

Ebenfalls einen Zwischenstopp legt die Exkursionsgruppe in Ohrnberg ein: Dort hat die Betriebsgemeinschaft Neuhof unter anderem mehrjährige Blühflächen auf Ackerschlägen angelegt. Weiter geht die Fahrt zu einer Grünlandfläche oberhalb von Ohrnberg. "Auf der temporären Grünlandfläche hier haben wir jetzt ebenfalls eine heimische Blühmischung verwendet und einfach mal über den Winter stehen lassen", erläutert Werner Strunk.

Der Garten- und Landschaftsarchitekt aus Göppingen ist mit seinem Team oft bei Auftraggebern im Hohenlohekreis im Einsatz und weiß um den ökologisch wertvollen Aspekt von teilweise stehen gelassenen Stauden im Winter. "Vertrocknete Blüten dienen Insekten und Schmetterlingsraupen auch schon mal als Überwinterungsquartier".

Bevor die Exkursionsteilnehmer abschließend in der Hohenloher Scheune gemütlich zusammensitzen, zieht Monika Göltenboth ein kurzes Fazit: "Beim Experimentieren mit einjährigen und mehrjährigen Blühmischungen gibt es viele positive Effekte. Manchmal verbreiten sich in den Blühstreifen aber auch Unkräuter wie der Ampfer stark, aber andererseits dient der Ampfer auch den Raupen des Großen Feuerfalters als Futterquelle."

Stadt schafft Nischen für Feldlerchen und Bienen

Die Veitshöchheimer Bienenweide ist die von den Öhringern bevorzugte Saatmischung. Sie ist in vielen Versuchen über Jahre hinweg erprobt.

Agenda in Zahlen

Die Biotopvernetzung ist der Öhringer Agendagruppe Siedlung & Landwirtschaft ein wichtiges Anliegen: "Zusammen mit dem Landwirtschaftsamt, Landwirten und Umweltexperten will Öhringen die Biotopvernetzung in Öhringen und den Stadtteilen weiter vorantreiben", bekräftigt Stadtbaumeister Reiner Bremm.

2019 sind insgesamt 29 Landwirte an dem ambitionierten Umweltvorhaben der Stadt beteiligt. Auf insgesamt 346 Hektar Land werden die kommunalen Maßnahmen umgesetzt. Gut die Hälfte davon, nämlich 185 Hektar, sind mit Lerchenfenstern bestückt, derzeit insgesamt 497 an der Zahl. Auf 116 Hektar Fläche verzichten die Bauern auf den Einsatz des Pfluges, um den Boden zu schonen. Auf 18,5 Hektar beziffert sich die Winterbegrünung im Stadtgebiet.

Insgesamt 14,28 Hektar - also 142.800 Quadratmeter - beträgt die Ausdehnung der Blühflächen. 7,89 Hektar davon befinden sich am Gewässerrand, im Intensivobstbau sowie im Weinbau. 3,71 Hektar beträgt der Anteil mehrjähriger Blühstreifen auf Ackerschlägen. 2,68 Hektar nehmen die einjährigen Blühstreifen ein.

 

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