Arbeiter schrauben in luftiger Höhe

Oben, ganz oben ziehen rasch die Wolken vorbei. Rot-weiß hebt sich der schlanke Gittermast vom blauen Himmel ab.

Von Juergen Koch

Arbeiter schrauben in luftiger Höhe
An diesen Außenplattformen werden die Richtungsspiegel montiert.
Waldenburg - Oben, ganz oben ziehen rasch die Wolken vorbei. Rot-weiß hebt sich der schlanke Gittermast vom blauen Himmel ab. Blickt man nach oben, meint man, der 134 Meter hohe Turm gerate ins Wanken. „Da hat’s schon manchen allein beim Hochschauen umgehauen“, schmunzelt Chefmonteur Ulrich Reich von der Firma Betec aus Bern in der Schweiz. Wer genau hinschaut, der sieht, wie mehrere Monteure am schlanken Stahlgittermast hängen und arbeiten.

Arbeiter schrauben in luftiger Höhe
Der Sockel des SWR-Senders schließt in 90 Meter Höhe mit der Eisplattform (unten) ab. Spezialisten haben darauf den Antennenmast montiert.Fotos: Koch (1)/privat
Stahlkoloss Was sie genau tun, entzieht sich dem Blick von unten. Dass ihre Arbeit in luftiger Höhe nicht ganz einfach ist, kann man sich allerdings gut vorstellen. Neun Mann des Antennenbauspezialisten montieren auf dem 90 Meter hohen Betonsockel des SWR-Senderneubaus auf dem 514 Meter hohen Friedrichsberg bei Waldenburg Stück für Stück den stählernen Gittermast, an dem später die Antennen befestigt werden.

„Wir brauchen drei Tage, bis er steht“, sagt Ulrich Reich. Aus neun Teilen - die Experten sagen Schuss - mit zusammen 44 Meter Höhe besteht der stählerne Koloss. Schwerstes Einzelteil ist das Sechs-Tonnen-Übergangsstück, das auf dem Sockel aufsitzt.

Aber auch das leichteste Einzelelement wiegt noch gute zweieinhalb Tonnen. Während das Thermometer am Fuß des Sockels sechs Grad anzeigt, schätzt Ulrich Reich die Temperatur oben auf dem Mast auf zwei bis drei Grad. „Die gefühlte Temperatur liegt aber irgendwo bei Null und auch der Wind da oben macht die Arbeit nicht gerade einfacher“, sagt er.

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Noch fehlen 16 Meter, bis die Gesamthöhe von 150 Meter erreicht ist.
Schlagschrauber Angeseilt wie Alpinisten in der Steilwand hängen seine Leute hoch über der Hohenloher Ebene am Gittermast, um mit dem elektrischen Schlagschrauber Element für Element zusammenzuschrauben. Mit einem Drehmomentschlüssel wird jede Schraube in einem zweiten Arbeitsschritt exakt nachgezogen und mit einem wetterfesten Stift als „fertig“ markiert.

„Insgesamt werden da 1000 Schrauben verbaut, jede 800 Gramm schwer und jede etwa 30 Zentimeter lang“, erläutert Gerhard Bosch vom Südwestrundfunk in Stuttgart. Die ersten drei Elemente des Gittermastes wurden „auf dem Boden“ vormontiert, mit einem Kran hochgezogen, dann zusammengesetzt und verschraubt.

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Die Monteure ziehen 1000 Schrauben mit dem Schlagschrauber an.
Stockbaum Dieser Kran hatte beim Bau des Sockels Beton, Bewehrungsstahl und Schaltafeln nach oben gezogen. Da seine Hakenhöhe für die Montage des kompletten Gittermastes nicht ausreichte, wurde er mit Hilfe eines 700-Tonnen-Autokrans demontiert.

„Mit dem haben wir auch gleich die Einzelteile für die weiteren sechs Schüsse des Mastes auf die Plattform an der Spitze des Betonsockels hochgezogen“, so Bosch. Dort setzen die Monteure sie zusammen, ziehen sie mit einem so genannten Stockbaum - eine Art Minikran mit Winde - nach oben und bauen so den Gittermast „Schuss für Schuss“ in die Höhe.

Mit vier weiteren Außenplattformen war die oberste Plattform montiert worden, nachdem im Juli der Betonsockel fertiggestellt war. Von den fünf Plattformen dient die oberste als Eisschutzplattform, die unterste in 35 Meter Höhe als Bedienplattform. An drei weiteren Plattformen im oberen Sockelbereich werden später Richtungsspiegel montiert.

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Wer in dieser Höhe beidhändig arbeitet, muss gut gesichert sein.
Sendertechnik Mittlerweile sind die Arbeiten am Gittermast abgeschlossen. „Anfang dieser Woche haben wir mit den Arbeiten fürs Betriebsgebäude begonnen“, sagt Gerhard Bosch. Parallel dazu werden im Sockel des Sendeturms die Innenplattformen montiert. Bosch rechnet damit, dass der Rohbau des Betriebsgebäudes im Frühjahr 2008 steht. Im Anschluss wird der 16 Meter lange, drei Tonnen schwere GFK-Zylinder auf dem Gittermast des Senders verankert. Dieses Glasfaserrohr - Durchmesser 1,60 Meter - schützt die innen angebrachten Digitalfernsehantennen vor möglicher Vereisung. Ab Frühjahr 2008 folgt auch der Ausbau der Sendertechnik, im November 2008 soll das Digital-Fernsehen mit zwölf öffentlich-rechtlichen Programmen ans Netz gehen. „Voraussichtlich im Frühjahr 2009 werden wir den neuen Sender auch mit den UKW-Programmen in Betrieb nehmen und den bisherigen Sender in Waldenburg abschalten“, so Bosch.