An Schlossruine rutscht Mauer ab

Forchtenberg - In der Nacht zum 29. Juli brach am nördlichen Teil des Mauerrings der Forchtenberger Schlossruine gegen zwei Uhr morgens auf einer Länge von gut acht Metern die Mauer ab. Wenige Stunden zuvor hatte im Burgareal noch ein Kino-Open-Air stattgefunden.

Von Regina Koppenhöfer

Magische Momente in der Schlossruine
Wenige Stunden vor dem Mauerabbruch hatte im Burgareal noch ein Kino-Open-Air stattgefunden.
Forchtenberg - Diese Stelle ist die Achillesferse der Burg", sagt Bürgermeister Uwe Gysin und blickt dabei ernst auf den nördlichen Teil des Mauerrings der Forchtenberger Schlossruine. In der Nacht zum 29. Juli brach hier gegen zwei Uhr morgens auf einer Länge von gut acht Metern die Mauer ab. Wenige Stunden zuvor hatte im Burgareal noch ein Kino-Open-Air stattgefunden.

Als die Mauer in Bewegung geriet und Steinbrocken zu Tal rutschten, feierten Menschen im großen Gewölbekeller, der in einem anderen Bereich des Geländes liegt, bei einer After-Film-Party. "Es ist Zufall, dass das zeitgleich passiert ist. Da war niemand dran schuld", ist sich Gysin sicher. Er ist aber auch sehr erleichtert, dass niemand zu Schaden kam.

In Wind und Wetter und der "Sparsamkeit" der einstigen Bauherren sieht Uwe Gysin die Ursache für den Schaden. Der Rathauschef erklärt, dass die Außenmauern der 800 Jahre alten Burg auf annähernd der ganzen Länge von 284 Metern eine stattliche Breite von 1,50 Meter haben. Nur an der Stelle des Abbruchs war die Mauer mit rund 80 Zentimetern gerade mal halb so dick.

Zahn der Zeit

Den Grund dafür sieht Gysin in der Tatsache, dass sich an dieser Stelle hinter der Außenmauer ein kleinerer Gewölbekeller befindet. Dessen Mauer und die schmalere Außenmauer verband man einst durch Eisenverankerungen. Doch der Zahn der Zeit nagte daran.

Das Doppelmauersystem aus Muschelkalksteinen, die mit Mörtel verfugt waren, und die Verfüllung zwischen den Mauern mit Erde und Steinen, waren über Jahrhunderte Wind und Wetter ausgesetzt. "Wenn sie kein Dach drauf haben, regnet"s eben rein", erklärt Gysin. Dadurch sei es wohl zu "Mikroausspülungen" gekommen. Auch den Verankerungen ist das eingedrungene Wasser zuleibe gerückt.

Dabei habe die Stadt ihre Hausaufgaben gemacht und immer ein Augenmerk auf die Bausubstanz der Ruine gehabt, sagt der Bürgermeister. Erst im Jahr 2010 hatte man die Mauern im Innenbereich der 92 mal 50 Meter großen Anlage für 140 000 Euro saniert. Fürs Jahr 2013 war im Haushalt die Sanierung der Außenmauern vorgesehen. 150 000 Euro hat man dafür bereit gestellt. Vor allem die Teilstücke, an denen die Mauer rund zehn Meter hoch in den Himmel ragt, wurden immer gut beobachtet. Zur geplanten Sanierung kommt durch den Abbruch jetzt noch der Wiederaufbau der Mauer. Der wird zusätzlich mit rund 110 000 Euro zu Buche schlagen.

Gitter

Seit Ende Juli ist die Schlossruine für Besucher gesperrt. Gitter verwehren den Zutritt zur idyllischen Anlage. Solange nicht geklärt ist, ob Gefahr von der Bausubstanz ausgeht, darf kein Spaziergänger mehr hinein. Der Gemeinderat hat jetzt einen Maßnahmenkatalog beschlossen. Fachleute aus dem Bauwesen und vom Denkmalamt werden befragt.

Auch Messpunkte werden angedacht. Sie sollen auf Veränderungen am Mauerwerk rechtzeitig aufmerksam machen. Uwe Gysin sprach beim Ortstermin auch von Genehmigungen, die man noch einholen muss und von Fördergeldern, deren Anträge bis Ende September zu stellen sind. "Es ist ein ungeheurer Aufwand, so eine Ruine zu erhalten, aber wir werden das selbstverständlich tun", betont der Bürgermeister.