Altes Maschinengewehr im Garten vergraben

Öhringen  Das Schöffengericht Öhringen verurteilt einen 34-Jährigen zu sieben Monaten Bewährungsstrafe, weil er gegen das Waffengesetz verstoßen hat. Die verrosteten Waffen waren Erbstücke seines Vaters und dienten als Deko.

Von Michael Dignal

Altes Maschinengewehr im Garten vergraben

Weil er unter anderem ein MG 42 besaß, wurde ein 34-Jähriger zu sieben Monate Haft auf Bewährung verurteilt.

Foto: Archiv

Die Waffenvorliebe des Vaters musste der Sohn letztlich ausbaden. Weil der sich nach dem Tod des Vaters von den alten und verrosteten Gewehren nicht trennen wollte, diese aber noch immer als Schusswaffen gelten und von der Polizei entdeckt wurden, verurteilte das Schöffengericht in Öhringen den 34-Jährigen nun zu einer Freiheitsstrafe von sieben Monaten auf Bewährung.

Der Angeklagte hatte die Jagdleidenschaft seines Vaters nie geteilt, war in keinem Schützenverein und hat auch keinen Waffenschein. Die drei Erbstücke, die im Keller lagen, darunter eine Dekorationswaffe, ein MG 42 aus dem letzten Jahrhundert, behielt er dennoch. Nach dem Brandanschlag auf die Neuensteiner Flüchtlingsunterkunft am 19. Januar 2017 wurde die Kriminalpolizei auf ihn aufmerksam, weil zwei Attentäter ihn bei der Vernehmung als "Freund" angaben.

Stolze Pose mit einem Maschinengewehr

Zwar hatte er inzwischen die Waffen vorsichtshalber im Garten vergraben, doch als ihn die Polizei aufsuchte und bei ihm ein Foto entdeckte, das ihn in stolzer Pose mit dem MG 42 zeigt, war das Misstrauen der Beamten geweckt. Er half ihnen, die Gewehre sicherzustellen, wurde jedoch wegen unerlaubten Besitzes von Schusswaffen gleichwohl angezeigt.

Vor Gericht versucht er sich zu rechtfertigen. Das Foto sei in seiner "Rambophase" entstanden und ihm längst peinlich, sagt er. Mit den beiden Brandstiftern sei er keineswegs befreundet und halte sie außerdem für "Vollidioten". Eine Ermittlerin bezeugt, dass er sich gegenüber der Kriminalpolizei als kooperativ erwiesen habe.

Keine Gedanken gemacht

Die Staatsanwältin würdigt die Geständigkeit des Angeklagten und stuft den Fall als einen minderschweren ein. Dennoch habe er gegen das Waffengesetz verstoßen. Ihr Strafantrag: acht Monate zur Bewährung.

Das Waffengesetz sei hier gar nicht anwendbar, da die Gewehre unbrauchbar seien, hält die Verteidigerin dagegen. Somit sei eine Geldstrafe ausreichend. Der unglücklich wirkende Angeklagte sagt dazu: "Ich hab" mir darüber keine Gedanken gemacht."

Das Gericht hält ihm zugute, das er "erhebliche Aufklärungshilfe geleistet" habe, in geordneten Verhältnissen lebe, sich von den Brandattentätern distanziert habe und ohne Vorstrafen sei. Doch das Waffengesetz unterscheide nicht zwischen brauchbaren und unbrauchbaren Schusswaffen, und deren Besitz sei in diesem Fall eben doch vorsätzlich gewesen. Als Bewährungsauflage muss der 34-Jährige 4000 Euro für einen gemeinnützigen Zweck zahlen.

 


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