Abschied nehmen Zeiten von Corona

Hohenlohe  Maximal zehn Personen dürfen derzeit bei einem Begräbnis dabei sein. Rituale, die beim Abschied nehmen helfen, kommen derzeit zu kurz. So haben sich Beerdigungen verändert.

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Abschied nehmen Zeiten von Corona - So haben sich Beerdigungen verändert

Frische Gräber auf dem Friedhof in Öhringen. Maximal zehn Personen dürfen an einer Beerdigung teilnehmen. Und müssen zudem Abstand wahren.

Stirbt ein geliebter Mensch, können kleine Rituale eine große Bedeutung bekommen. Der letzte Gang zum Grab oder der symbolische Akt des Blumen, Erde oder Weihwasser Hinzufügens können genau so wichtig sein wie das Gefühl, nicht alleine zu sein. Zu sehen, wie viele Menschen ebenfalls um eine geliebte Person trauern oder einfach eine Umarmung: Vieles ist in Zeiten von Corona so nicht mehr möglich. Die Geistlichen in Hohenlohe geben sich Mühe, dennoch einen würdigen Abschied zu ermöglichen.

Höchstens zehn Personen, inklusive Geistlichem, dürfen sich nach aktuellen Vorgaben des Landes zu einer Beerdigung versammeln. Auch die Durchführung an sich ist geregelt. "Es wird direkt am Grab begonnen", erklärt Ingo Kuhbach, katholischer Dekan in Hohenlohe. Die Bestatter bringen Sarg oder Urne vor Erscheinen der Trauergemeinde ans Grab und ziehen sich dann zurück.

Keine Kondolenz erwünscht

Die Trauergäste sind dazu angehalten, auf Kondolenz durch Händeschütteln zu verzichten und auch ansonsten Abstand zu halten. Sabine Waldmann stellt dazu Stühle in gebührendem Abstand auf. "Dabei wäre natürlich gerade in der Trauer ein nahes Beieinandersein besonders wichtig", erklärt die Dekanin des Evangelischen Kirchenbezirks Öhringen.

Doch scheinen die meisten Verständnis für die Situation zu haben. So lobt der evangelische Dekan Friedemann Richert aus Künzelsau die Reaktion der Angehörigen: "Es sind alle unglaublich verständnisvoll", so Richert. "Ein Lob gebührt auch den Bestattern und Friedhofsmitarbeitern."

Abschied nehmen Zeiten von Corona - So haben sich Beerdigungen verändert

Die St. Anna-Kapelle und die Aussegnungshalle auf dem Öhringer Friedhof sind wegen der Corona-Pandemie bis auf Weiteres geschlossen.

Fotos: Bettina Hachenberg

Abstand statt Umarmung

Die neue Abstandsregelung macht die Arbeit der Geistlichen, die auch für die Trauerbegleitung zuständig sind, nicht einfacher. "Wir müssen uns jetzt andere Formen überlegen", erklärt Kuhbach. Bisher gab es in seinen Gemeinden noch keinen Trauerfall. Dennoch überlegt er, wie man Trauerbegleitung in Corona-Zeiten gut gestalten kann.

Besonders wichtig sei jetzt die Begleitung gerade für Menschen, die nicht an der Beerdigung teilnehmen können, so Kuhbach. So gibt es etwa spezielle Gebete für alle, die nicht dabei sein können. "Ich stehe auch für Telefongespräche bereit", erklärt der Dekan. Aktuell findet die Seelsorgearbeit meist telefonisch statt. Auch darauf sind die Kirchen eingestellt. Die Künzelsauer Seelsorgeeinheit hat etwa ihre Telefonsprechzeiten angepasst, in Öhringen wird derzeit eine extra Hotline eingerichtet.

Abschiedsfeiern wie ein Adeliger

Woes gewünscht ist, könnten nach der Corona-Zeit Trauer-, Erinnerungs- oder Abschiedsfeiern nachgeholt werden. "Das ist gar nicht so unüblich", erklärt Kuhbach. "Hier im Hohenlohekreis werden Adelige oft getrennt von der Trauerfeier beigesetzt. Später wird dann mit der Gemeinde ein Gottesdienst abgehalten. So könnte man das jetzt auch machen", stellt er in Aussicht.

Abschied nehmen Zeiten von Corona - So haben sich Beerdigungen verändert

An der Tür zur St. Anna-Kapelle weisen Zettel auf die aktuelle Situation hin.

Friedhofsbesuche sind noch erlaubt

Und der Friedhofsbesuch außerhalb einer Beerdigung? "Die Friedhofskirchen haben wie alle Gotteshäuser geschlossen", erklärt Jutta Hübel vom Dekanatsbüro in Künzelsau. Die Friedhöfe allerdings seien weiterhin betretbar - unter Einhaltung der momentanen gesetzlichen Bestimmungen. So ist sowohl die Grabpflege als auch der Besuch vorerst weiterhin möglich.

Besonders schwer fällt Dekanin Waldmann, dass die Hospizarbeit momentan leide. "Dass das Begleiten auf dem letzten Weg fehlt, das tut schon weh." Denn auch die Pfarrer würden mitleiden. "Es ist nicht so, dass wir sagen, wir machen das jetzt einfach anders, es bedrückt auch uns sehr", stellt sie klar. "Wir Pfarrer leiden darunter, dass wir nicht so feiern können, wie die Angehörigen es brauchen. Wichtige Rituale finden nun nicht mehr statt."

Dekan Kuhbach stellt aber auch klar: "Der Schutz der Lebenden hat absoluten Vorrang, gerade im Hinblick auf die Schwächeren."


Die Seelsorge-Angebote der Kirchen im Hohenlohekreis sind nach wie vor für Trauerfälle sowie andere Gespräche telefonisch erreichbar. Die katholische Kirche bietet unter www.dekanat-hohenlohe.drs.de einen Überblick über vorhandene Seelsorger der Region. Das Kontakttelefon in Künzelsau hat etwa die Nummer 07940 93533-14.

Die einzelnen Pfarrämter der evangelische Kirche können unter www.oehringen-evangelisch.de oder www.kirchenbezirk-kuenzelsau.de gefunden werden. Öhringen bietet dazu ein Seelsorgehandy, erreichbar unter 0171 2136145.


Draskovits

Katrin Draskovits

Volontärin

Katrin Draskovits arbeitet seit Oktober 2019 als Volontärin bei der Heilbronner Stimme.

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