Wo einst der Götz fischte

Krautheim  Hohenlohe in Superlativen: Das Neunstettener Naturschutzgebiet birgt den schönsten See der Stadt Krautheim. Das Gewässer wurde in den 1980er vom Nabu Jahren neu angelegt.

Von Lisa-Marie Guja
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Die schilfbewachsenen Seen gehören zum Teil der Nabu-Gruppe in Krautheim und zum Teil dem Land Baden-Württemberg.

Fotos: Lisa-Marie Guja

Enten schwimmen friedlich auf dem See, während im flachen Wasser die Reiher stolzieren. Am Ufer ragen unterschiedliche Baum- und Schilfarten empor, umgeben von Feldern und Wäldern. Ein grünes Schild verweist auf das Naturschutzgebiet. Etwas außerhalb von Neunstetten liegt der See - sicher der schönste See auf Krautheimer Gemarkung. Lange Zeit war hier allerdings nichts weiter als eine feuchte Wiese.

Anstoß war eine städtische Ausgleichsmaßnahme

Friedhelm Kastens war 1985 dabei, als die Krautheimer Gruppe des Naturschutzbundes (Nabu) die Fläche entdeckte. "Wir kamen direkt nach unserer Gründung auf die Idee, aus der feuchten Wiese ein Leichtgewässer zu machen", erzählt er.

Anstoß dazu war eine Diskussion mit dem damaligen Bürgermeister Erhard Ziegler. Als Naturschutz-Ausgleich zu gebauten Feldwegen musste die Stadt Leichtgewässer erschließen. Diese wurden direkt neben den Straßen gebaut und waren damit für die Krötenwanderungen denkbar schlecht platziert. Die abgelegenen Wiesen hielt Kastens dagegen für eine viel bessere Option.

Was von den Mitgliedern damals keiner ahnte: Schon im Mittelalter hatte dort Götz von Berlichingen Fischteiche angelegt, die vom Kloster Schöntal benutzt wurden. "Einer der Nachfahren vom Götz hat 1905 alle Ländereien beim Glücksspiel verloren", berichtet Kastens. Darunter waren auch die Fischteiche. Notgedrungen wurden sie abgelassen und als feuchte Wiesen für Futtermittel verwendet.

Als der Nabu auf die Fläche stieß, war sie ungenutzt. Ziel war es nun, die ehemaligen Seen wiederherzustellen, um den Kröten damit einen Ort zum Laichen zu bieten. Doch dieses Vorhaben gestaltete sich schwieriger als gedacht. Denn von Spenden allein war es nicht möglich, alle Flächen zu kaufen. Stück für Stück und mit Hilfe des Landes Baden-Württemberg gelang das schließlich.

Anfang noch hin und wieder ausgetrocknet

Wo einst der Götz fischte

Friedhelm Kastens besitzt sowohl Karten als auch Drohnenansichten der auf den ersten Blick drei Seen, die allerdings miteinander verbunden sind.

"Am Anfang trocknete der See im Sommer immer wieder aus", berichtet Friedhelm Kastens. Heute jedoch habe er trotz Hitzewellen ganzjährig Wasser. "Ich denke der Untergrund ist mit der Zeit verschlammt und damit abgedichtet."

Drei von den ursprünglich vier Teichen wurden bis heute renaturiert und sind ohne Dammbauwerke dazwischen miteinander verbunden. Sie bieten unzähligen Insekten- und Vogelarten ein Zuhause. Leute kämen teilweise von weither, um sich die Tier- und Pflanzenwelt anzusehen.

"Hier gab es teilweise wieder Pflanzen, die man seit 80 Jahren nicht mehr gesehen hat. Das wollte ich den Leuten natürlich gerne zeigen", sagt er. Früher habe er deshalb Führungen um den See angeboten. Doch als solche seltenen Pflanzen gestohlen wurden, habe er damit aufgehört.

Seltsame Tierfunde

Wo einst der Götz fischte

Auch seltsame Tierfunde habe es schon gegeben. "Vor einigen Jahren haben wir uns gewundert, warum auf einmal Fische im See sind", erzählt der 73-Jährige. Dabei handelte es sich um Goldfische. Sie durchwühlten den Untergrund und machten das Wasser trüb, dadurch konnten bestimmte heimische Vögel kein Futter mehr finden. Letztendlich mussten die Fische aus den Seen geholt werden - ganze 2000 Kilo.

Zeitweise habe es auch große Karpfen in den Seen gegeben. Die wiederum mussten an die Stuttgarter Wilhelma verschenkt werden und endeten als Eisbärenfutter. "Später haben einige Leute zugegeben, dass sie ihre Gartenteiche geleert und die Fische kurzerhand in den Gewässern ausgesetzt haben", erklärt der 73-Jährige.

Friedhelm Kastens ist das letzte aktive Mitglied, das seit Beginn dabei ist. "Junge Leute interessieren sich zwar für unser Naturschutzgebiet, langfristig will sich aber niemand mehr darum kümmern", bedauert er mit Blick auf Arbeiten wie Baumschnitt oder Ufermähen. Kastens informiert jedoch nach wie vor für gerne jeden, der sich für den See und die Arten darin interessiert.

 

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