Johann Heinrich Schüle: Vom Sohn eines Schmieds zum Adligen

Künzelsau  Der Verein Stadtgeschichte Künzelsau würdigt Johann Heinrich Schüle mit einer Ausstellung zum 300. Geburtstag am 13. Dezember. Als Kaufmann und Kattunfabrikant war er international erfolgreich.

Email

Das wohl bekannteste Porträt Johann Heinrich Schüles soll den erfolgreichen Kaufmann in den 1770ern zeigen. Es ist jedoch erst später gemalt worden. Das Original ist im Besitz der städtischen Museen Augsburg.

Foto: privat

Nicht erst in jüngster Zeit bringt die Stadt Künzelsau wirtschaftlich erfolgreiche Persönlichkeiten hervor, bereits im 18. Jahrhundert machte ein Künzelsauer weithin von sich reden: Johann Heinrich Schüle. So manchem mag der Name heute zumindest im Zusammenhang mit der Heinrich-Schüle-Straße in der Kreisstadt geläufig sein. Anlässlich dessen 300. Geburtstags am 13. Dezember würdigt der Verein Stadtgeschichte Künzelsau den erfolgreichen Kaufmann und Kattunfabrikanten mit einer Ausstellung.

Corona macht Strich durch die Rechnung

Bereits Ende 2019 hat das Ehepaar Margarete und Ehrenfried Biehal mit der Recherche begonnen. Noch bis vor etwas mehr als einer Woche dauerte diese an. Doch nun ist alles fertig, pünktlich zum Ehrentag und der geplanten Vernissage am Wochenende. Doch - wie bei so vielen Dingen in diesem Jahr - machte Corona die Pläne zunichte.

Davon hat sich der Verein aber nicht ausbremsen lassen. Weil gemeinschaftliches Arbeiten nicht möglich war, erledigte das rührige Ehepaar das Meiste im Alleingang. "Es wäre sonst schade gewesen", sagt Margarete Biehal und sieht sich stolz in dem kleinen Ausstellungsraum der Stadtvilla 1897, dem Zuhause des Vereins, um. "Man braucht Ziele - und einen Anlass", sagt sie.

Und irgendwie scheint das Ganze ohnehin mehr Leidenschaft als Arbeit: "Ich habe Geschichte in der Schule nicht gemocht. Das war so trocken", gibt die Vorsitzende des Vereins zu. Sich aber mit "herausragenden Persönlichkeiten aus der Geschichte unserer Stadt" zu beschäftigen, das sei etwas völlig anderes. Und herausragend ist der Lebenslauf, den der Verein Stadtgeschichte auf sorgsam gestalteten Infotafeln präsentiert.

Sohn eines Nagelschmieds

Vom Sohn eines Schmieds zum Adligen

Florale Muster, meist mit heimischen Blumen, sind typisch für Schüle.

Johann Heinrich Schüle, am 13. Dezember 1720 in Künzelsau geboren, war der jüngste Sohn des Nagelschmieds Johann Tobias Schüle. "Wo sein Elternhaus war, konnten wir leider nicht herausfinden", bedauert Ehrenfried Biehal. Doch liege es nahe, dass Schüles Zuhause in oder um den sogenannten Honigzipfel gewesen sein könnte, dem früheren Handwerkerviertel der Stadt.

Schon in der Schule, so deuten die Quellen an, sei Schüle gut im Rechnen und Zeichnen gewesen. Zwei Eigenschaften, die ihn in seiner beruflichen Laufbahn weit brachten. Eine Kaufmannslehre und verschiedene Einblicke in die Textilbranche, unter anderem in Straßburg, brachten ihn 1745 nach Augsburg, wo er die Tochter eines Schnittwarenhändlers heiratete. Über den Handel mit Kattun, einem glatten und relativ dichten Baumwoll-Gewebe und dessen Veredelung, baute er schließlich seine eigene Manufaktur auf - mit internationalem Erfolg.

Auch mit eigenen Designs erfolgreich

Vom Sohn eines Schmieds zum Adligen

Druckplatten mit feinen Nadeln ermöglichten filigrane Muster.

Fotos: Tamara Ludwig

Er arbeitete unter anderem mit neuen Druckverfahren nach englischem Vorbild und konnte somit filigrane Muster drucken. "Und er hat auch selbst Designs entworfen. Dabei hat er sich von den Blumen in seinem Garten in Augsburg inspirieren lassen", erklärt Ehrenfried Biehal. Kaiser Joseph III. erhob ihn 1772 sogar in den Adelsstand, weshalb er fortan Johann Heinrich Edler von Schüle hieß. Am 17. April 1811 starb er im hohen Alter von 90 Jahren in Augsburg.

Der Todestag im kommenden Jahr könnte ein weiterer markanter Punkt sein, um eine Finissage oder eine verspätete Vernissage zu feiern, oder? "Wir lassen es auf uns zukommen", sagt Ehrenfried Biehal. Sobald die Ausstellung in der Stuttgarter Straße aber öffentlich zugänglich ist, lohnt der Blick auf eine facettenreiche Künzelsauer Persönlichkeit.

 

Verein Stadtgeschichte

Den Verein Stadtgeschichte Künzelsau gibt es seit dem Jahr 2014. Er zählt 285 Mitglieder und ging aus dem Arbeitskreis Stadtmuseum historisch Interessierter Bürger hervor. Ein Mitglied des Arbeitskreises vererbte ihnen ihr Haus in der Stuttgarter Straße 17, das seitdem der offizielle Vereinssitz ist. Das denkmalgeschützte Gebäude ist eine Stadtvilla mit Garten aus dem Jahr 1897. Darin zeigt der Verein unter anderem seine Ausstellungen.

 

Tamara Ludwig

Tamara Ludwig

Autorin

Tamara Ludwig ist seit 2014 Redakteurin der Hohenloher Zeitung. Dabei hat sie vor allem die Ereignisse und Kommunen im Altkreis Künzelsau im Blick.

Kommentar hinzufügen