Zwei Männern gelingt ein großer Wurf

Künzelsau - Erfolgreiches Forschungsprojekt − Erste Promotion − 138 Absolventen verabschiedet

Von Ralf Reichert

Zwei Männern gelingt ein großer Wurf
Da schau her! Professor Heinz Frank hält einen Tennisball. Er baumelt am Doktorhut von Dennis Barteit (rechts), der den Wurf von kugelförmigen Gegenständen untersuchte. Johann Scheiermann (Zweiter von links) forschte über zylindrische Objekte und bekam einen Preis. Daniel Krause (links) hielt die Absolventenrede.Foto: Ralf Reichert

Hochschule - Noch ist es Grundlagenforschung. Doch irgendwann könnte das, was Johann Scheiermann und Dr. Dennis Barteit untersucht und getestet haben, auch in der Wirtschaft Anwendung finden. Zum Beispiel in der Verpackungsindustrie. Wo es darum geht, Waren so genau und effizient wie möglich zu bündeln und in bestimmte Packungen zu befördern.

Eine mögliche Zukunftstechnik ist das Werfen, und genau an dieser über Roboter gesteuerten Transportmethode haben Barteit und Scheiermann geforscht. Der eine für kugelförmige, der andere für zylindrische Gegenstände.

Begeistert

Beides war Bestandteil des selben Projekts, das die Stiftung zur Förderung der Reinhold-Würth-Hochschule überhaupt erst möglich gemacht hat: mit einem Zuschuss von mehr als 200 000 Euro. "Transportieren durch Werfen" zeigt sehr schön, wohin die Reise in Künzelsau geht. Es soll, vor allem mit Hilfe der Stiftung und der Wirtschaft, immer mehr geforscht werden. Der gute Ruf der Hochschule soll dadurch gemehrt und weiter verbessert werden. In diesem Fall ist es gelungen, denn Johann Scheiermann (27) aus Künzelsau hat bei der Graduiertenfeier der Absolventen aus dem Wintersemester 2009/2010 den mit 1000 Euro dotierten Thomas-Gessmann-Preis der gleichnamigen Stiftung erhalten. Für seine Diplomarbeit, die den "stabilen Wurf in der Rotation" zum Thema hatte, "einige neue Erkenntnisse lieferte, begeistert aufgenommen wurde und im vergangenen Jahr auf der Mechatronik-Messe in Singapur vorgestellt wurde", wie der zuständige Professor für Wirtschaftsingenieurwesen, Heinz Frank, stolz verkündete.

Mit Dr. Dennis Barteit (30) hat darüber hinaus zum ersten Mal in der Geschichte der Reinhold-Würth-Hochschule ein wissenschaftlicher Mitarbeiter einen Doktor-Grad erlangt. Die RWH hat zwar kein Promotionsrecht, doch sie kann mit Partnerhochschulen, hier der TU Wien, an einem eigenen Projekt Promotionsarbeiten verwirklichen. Barteit hatte in Ulm Informatik studiert, sich um das Projekt beworben und seit 2006 in Künzelsau intensive Forschungen betrieben. Er schloss mit Auszeichnung ab, und seine Arbeit wurde in mehreren Fachzeitschriften und auf Kongressen in Deutschland, Wales und Korea vorgestellt.

Top-Platzierung

138 Absolventen haben ihren Abschluss gemacht, viele hatten am Freitagabend den Weg in die Künzelsauer Stadthalle gefunden. Andere waren schon für ihren Arbeitgeber unterwegs. Dekan Professor Wolfgang Ernst hatte neben der Leistung von Scheiermann und Barteit noch mehr Erfreuliches zu berichten. Der Studiengang "Antriebssysteme und Mechatronik" zählt zu den besten zehn in Deutschland, wie aus dem jüngsten Bericht des größten deutschen Hochschul-Rankings hervorgeht.

Daniel Krause hat das Fach studiert und war Jahrgangsbester. Er sagte, viele seien "eher unglücklich", dass der Diplom- dem Bachelorabschluss gewichen sei. Ansonsten könne man in Künzelsau aber prima studieren "und sehr viel erreichen, wenn man Eigeninitiative zeigt". Er und die beiden "Stars" des Abends haben es vorgemacht.