Kocherfreibad einziges Flussfreibad im Land

Künzelsau - Es hat keine Sprungtürme, keinen Wellnessbereich, kein 25-Meter- und schon gar kein 50-Meter-Becken. Aber es hat treue Fans, die nicht nur seine Einzigartigkeit schätzen.

Von Matthias Stolla

 

Künzelsau - Es hat keine Sprungtürme, keinen Wellnessbereich, kein 25-Meter- und schon gar kein 50-Meter-Becken. Aber es hat treue Fans, die nicht nur seine Einzigartigkeit schätzen: Das Künzelsauer Kocherfreibad ist Baden-Württembergs einziges Flussfreibad.

Baden im Fluss ist in Hohenlohe normal − fast jeder Ort an Kocher und Jagst hat seine Badestelle. Zwei Dinge machen den Unterschied zum Flussfreibad aus: Nur dort kontrolliert das Gesundheitsamt die Wasserqualität. Und nur dort, gibt es fast alle Einrichtungen, die ein Freibad ausmachen. Abgesehen von einem Wellnessbereich, aber darüber können vor allem langjährige Fans der Badebucht nur schmunzeln. Sie verstehen einfach das ganze Bad als Wellnessbereich.

Ruhe Lauschig ist es am Kocher. Eine platte Liegewiese, auf der Handtuch an Handtuch liegt, gibt es genau so wenig wie den üblicherweise hohen Lärmpegel. In der Uferlandschaft gibt es stattdessen jede Menge schattige Plätzchen. Sehr zur Freude eines 49-Jährigen Künzelsauers, der "seit Jahren immer unter dem gleichen Baum" liegt. "Wenn man früh genug kommt, geht das", verrät er. Die Künzelsauer baden also im Kocher. In der Badebucht gibt es einen abgegrenzten Nichtschwimmerbereich und für die Schwimmer eben den Fluss. In dem baden natürlich auch Enten, die längst erkannt haben, dass es irgendwie schick sein muss, sich auf der Liegewiese zu entspannen. Ganz selbstverständlich watscheln sie zwischen den Handtüchern der Badegäste umher.

Umbau

Zentrum des Geschehens ist das neue 100 Quadratmeter große Kinderplanschbecken. Dort tummelt sich der Nachwuchs im Wasser, Mamas und Papas sitzen drum herum und plaudern.

Seit der langen Umbauphase im vergangenen Jahr gibt es erstmals auch einen Sandstrand am Kocher. Der ist natürlich künstlich aufgeschüttet, aber der Sand ist beliebt. Vor allem jüngere Badegäste nutzen ihn gerne und bauen dort fleißig ihre Sandburgen.

Der Sanitär- und Umkleidebereich ist ebenfalls neu. Das Personal hält ihn blitzsauber. Gleiches gilt für die Liegewiese. Nur hin und wieder findet sich dort eine Zigarettenkippe, die ein unachtsamer Raucher liegen gelassen hat. Wo die Enten watscheln, ist Vorsicht geboten wegen ihrer Hinterlassenschaften.

Für den 49-Jährigen unter seinem Baum ist der Umbau "die beste Investition, die die Stadt gemacht hat". Das Kocherfreibad ist modern und fast ein wenig schick geworden. Letzteres gilt vor allem für den Biergarten im Eingangsbereich, der zudem als Freibadkiosk dient. Das Speiseangebot von Uwe Pimpl und seinem Team ist hochwertig und nicht billig. Freibadklassiker wie die Rote oder Pommes gibt es aber auch, für je zwei Euro. Dennoch vermissen vor allem Eltern den früheren Kiosk. Der hatte seinen Platz in Sichtweite des Planschbeckens, so dass der Nachwuchs stets im Blickfeld blieb.

"Das ist jetzt schon ein weiter Weg", sagt Manuela Lux (37) aus Künzelsau. Ein neues Beachvolleyballfeld und eine Tischtennisplatte bilden das Sportangebot. Sprungtürme fehlen, nur ein Ein-Meter-Brett bietet die Möglichkeit zum Sprung in den Kocher.

Party

Einmal im Monat steigt im Flussfreibad eine Party mit Attraktionen für die Kleinen wie einer großen aufblasbaren Insel − die nächste am Samstag, 17. Juli. Große Veranstaltungen scheinen die Künzelsauer in ihrem Bad gar nicht zu wollen. Sogar Niedernhaller wie Petra Metzeler-Weißenbach und ihre Familie, die ein großes Freibad quasi vor der Haustüre haben, kommen, "weil es hier so schön ruhig ist".

Für viele Künzelsauer ist das Kocherfreibad ein Stück Heimat. Etwa für Ruth Balbach, die in der Stadt "Kocher-Queen" heißt. Sie wird demnächst 90, fühlt sich kerngesund und ist sich sicher, dass sie den Grund dafür kennt: "Ich schwimme hier seit "39."