Immer die Menschen im Blick

Ingelfingen - Heinrich Ehrmann, erster Nachkriegsbürgermeister und passionierter Geschichtsforscher der Stadt Ingelfingen, ist tot. 30 Jahre lang hat er die Geschicke der Stadt gelenkt und die Grundlage für ihre erfolgreiche Entwicklung geschaffen.

Von Barbara Griesinger

Immer die Menschen im Blick
Bis zu seinem Tod verfolgte Heinrich Ehrmann mit Interesse das Geschehen in seiner Heimatstadt und war fester Bestandteil des öffentlichen Lebens.Foto: Archiv/Schwarz

Ingelfingen - Heinrich Ehrmann, erster Nachkriegsbürgermeister und passionierter Geschichtsforscher der Stadt Ingelfingen, ist tot. 30 Jahre lang hat er die Geschicke der Stadt gelenkt und die Grundlage für ihre erfolgreiche Entwicklung geschaffen. Knapp 27-jährig wurde er trotz 16 Mitbewerbern im ersten Wahlgang mit satten 52,8 Prozent gewählt. Bei beiden Wiederwahlen hat er nahezu alle gültigen Stimmen bekommen. Das kann niemand verwundern, der den geradlinigen, aufrechten, stets freundlichen und sehr beliebten Hohenloher kannte, der auch im hohen Alter das Geschehen in seiner Stadt stets mit Interesse verfolgte und bei keiner Veranstaltung fehlte.

Kluger Planer

"Wir waren arme Kirchenmäuse", erinnerte er sich 2008 schmunzelnd an die Anfangsjahre im Rathaus. Davon ließ sich Heinrich Ehrmann nicht abschrecken. Als weitsichtiger Planer sorgte er dafür, dass die Stadt wachsen und gedeihen konnte. Mit der Ansiedlung der Firma Bürkert legte er den Grundstein ihrer wirtschaftlichen Entwicklung. Er sorgte für Straßen, neue Wohngebiete, baute Schule, Turnhalle und Kleinschwimmbad und erwarb das Neue Schloss für die Stadt.

Hartnäckig

Im Mittelpunkt seines Wirkens standen indes immer die Menschen. Ihnen "im Rahmen der vielen Möglichkeiten der oft unübersichtlichen Verwaltung zu dienen", war seine Leitlinie als Bürgermeister. Seiner toleranten, vertrauensvollen und aufgeschlossenen, kommunikativen Art ist es auch zu verdanken, dass in Ingelfingen die Gemeindereform problemlos über die Bühne ging. Aber er konnte auch hartnäckig sein, wenn Ingelfinger Belange es forderten. So wusste er in der Nachkriegszeit alle Angriffe auf die Souveränität der Stadt abzuwehren und ihre Selbstständigkeit auch in unmittelbarer Nachbarschaft zur Kreisstadt zu erhalten. Sogar gegen das Land zog er vor den Kadi, als Zusagen über den Erhalt der Standesämter in den Teilorten, die vor der Gemeindereform gegeben wurden, gebrochen werden sollten. Und er hat gewonnen.

Als er 1978 58-jährig ablehnte, ein viertes Mal fürs Bürgermeisteramt zu kandidieren, weil seine "Akkus" für die ganze Wahlperiode nicht mehr genügend geladen seien, würdigten ihn nicht nur Landrat, Gemeinderäte und Kollegen als Repräsentant typisch Ingelfinger Eigenschaften: Klugheit, Bescheidenheit und Beharrlichkeit. Für sein Engagement wurde er auch mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Zu seinem 60. Geburtstag erhielt er schließlich auch die Ehrenbürgerwürde seiner Heimatstadt.

Der begeisterte Wanderer und Läufer − lange galt er als "schnellster Bürgermeister im Kreis" − widmete sich im Ruhestand vor allem der Erforschung der Ingelfinger Geschichte. Seine historischen Episoden gehörten zum festen Bestandteil im Ingelfinger Amtsboten. Noch in dessen letzter Ausgabe befasste sich Heinrich Ehrmann mit Ingelfinger Familien. Ihre Fortsetzungen, vor allem aber der Autor selbst, werden fehlen.