„Ihr seid der größte Schatz“

Künzelsau - Am Sonntagabend erreichte Bettina Würth ein Anruf. Am Telefon war Frieder Münz, Leiter der Freien Schule Anne-Sophie. Seine Botschaft: „Frau Würth, wir sind fertig.“ Pünktlich zum Beginn des neuen Schuljahres startete am Montagmorgen auch der Schulbetrieb im Neubau der Freien Schule Anne-Sophie auf den Taläckern

Von Henry Doll

Auf dem Weg ins Lernhaus: Die Schülerinnen und Schüler der neu gebauten Freien Schule Anne-Sophie werden von ihren Eltern in den neuen Lebensabschnitt begleitet.

Künzelsau - Am Sonntagabend erreichte Bettina Würth ein Anruf. Am Telefon war Frieder Münz, Leiter der Freien Schule Anne-Sophie. Seine Botschaft: „Frau Würth, wir sind fertig.“

Pünktlich zum Beginn des neuen Schuljahres startete am Montagmorgen auch der Schulbetrieb im Neubau der Freien Schule Anne-Sophie auf den Taläckern. 380 Schülerinnen und Schüler werden im ersten Jahr in die neue Schule gehen, die in nur knapp 15 Monaten Bauzeit buchstäblich auf der grünen Wiese entstanden ist.

Überfüllte Aula

Zusätzlich zu den Kindern der Grundschule, die zum Teil schon seit zwei Jahren am Schulstandort im Künzelsauer Zollstockweg unterrichtet worden waren, bezogen 150 Schüler der Klassen fünf bis acht den Neubau. Am Ende der Aufbauphase sollen rund 730 Schülerinnen und Schüler die Privatschule besuchen.

600 Stühle hatte Frieder Münz am Montag in die große Aula stellen lassen. Sie reichten nicht. Dicht gedrängt reihten sich Eltern und Verwandte auch an den Wänden auf, Lehrerinnen und Lehrer, die in der Freien Schule Lernbegleiter genannt werden, überließen ihre Stühle den Gästen, die jüngsten Schulkinder nahmen auf Sitzkissen direkt vor der Bühne Platz.

Erleichterung über den gelungenen Start: Schulleiter Frieder Münz überreicht Schulgründerin Bettina Würth einen Strauß Sonnenblumen.Fotos: Henry Doll
Schulgründerin Bettina Würth wirkte fröhlich, als sie die Bühne der Aula betrat. „Es wurde letzte Woche hier noch im Galopp gearbeitet“, berichtete sie. Und auch am Tag der Einschulung gingen letzte Arbeiten an den Außenanlagen noch weiter. „Ihr habt es jetzt miteinander in der Hand, was aus diese Schule wird“, sagte die Initiatorin – und nahm, verbunden mit einer innigen Umarmung, einen Strauß Sonnenblumen von Schulleiter Frieder Münz entgegen. „Wir werden mit Euch andere Wege gehen“, versprach Münz den Schülern. Und versicherte für die Lehrerschaft: „Ich kann Euch sagen, wir sind genauso gespannt.“ Den Stellenwert der Schüler, die an der Freien Schule Lernpartner genannt werden, beschrieb er so: „Wir wissen, Ihr seid der größte Schatz dieser Schule.“


Im Lernhaus

Lernbegleiterin Susanne Brückbauer nimmt mit ihrer Gruppe die Räume des Lernhauses in Besitz. Die roten Sitzkissen werden übrigens „Lümmel“ genannt.
Dann der wohl wichtigste Moment für die Kinder: Um genau 8.48 Uhr brachen die ersten Gruppen zusammen mit ihren Lernbegleitern auf, um ihre „Lernhäuser“ zu beziehen. Jeweils drei miteinander verbundene, helle Zimmer bilden ein „Lernhaus“. Zu jedem Lernhaus gehört auch ein kleines Spiel- und Ruhezimmer. Auch „Rollenspielräume“ gibt es. In einem dieser Räume informierten Carolin und Jonathan Hooley die Eltern über das, was hier geschieht: Wie in einer großen Puppenstube können beispielsweise familiäre Szenen nachgespielt werden. Hooley ist Brite und leitet einen Englisch-Club – und sprach am Montag ausschließlich in englischer Sprache mit Besuchern.


Großzügig

„Es gefällt mir gut“, brachte die neunjährige Michelle aus Dörzbach ihren ersten Eindruck auf den Punkt. Ein erstes Probesitzen auf den knautschigen Sesselchen, die „Lümmel“ genannt werden. „Hell und freundlich“, fand Michelles Mutter Sandra Koukal. Armin Koukal war von den schieren Ausmaßen beeindruckt: „Architektonisch ist das schon – sehr groß.“ Ralf Heiland aus Künzelsau, Vater eines Fünftklässlers, sagte: „Beeindruckend. Die Räume sind sehr großzügig. Wir freuen uns auf die Zeit, die kommen wird, und sind gespannt, wie die Gruppe sich findet und die Kinder mit der Situation zurecht kommen.“