Ein Lebenswerk gespendet

Ingelfingen - Der Hobby-Paläontologe Werner Kugler überträgt seine Fossilien im Wert von 307 000 Euro an die Alberti-Stiftung. Der Heizungs- und Sanitärinstallateur hat in den 70er Jahren begonnen, auf Äckern in der Nähe von Crailsheim Achate und Kieselhölzer zu sammeln. Vor 26 Jahren gelang ihm der Druchbruch. In einem Steinbruch in Eschenau entdeckte er im Unteren Lettenkeuper ein zerfallenen Skeletts von einem großen Nothosaurus.

Von Stefanie Jani

Ingelfingen - Mit rund 300 000 Euro kann man sich eine ganze Menge kaufen. Ob Luxusgüter, ein Auto oder ein Haus. Für Werner Kugler kommt das nicht in Frage. Der Hobby-Paläontologe spendete am Freitag seine Fossiliensammlung im Wert von 307 000 Euro an die Alberti-Stiftung. "Ich habe nie überlegt, die Stücke zu verkaufen", sagt Werner Kugler fast schon entrüstet. Es soll alles "beisammen bleiben", das ist der Wunsch des Hobbysammlers. "Mehr nicht," fügt er hinzu. "Was soll man auch mit soviel Geld machen?" Die Rente reicht.

Großer Augenblick

Im Fürstensaal des Neuen Schlosses in Ingelfingen überträgt der Crailsheimer sein Eigentum. Auch seine Frau Adelinde muss ihre Unterschrift unter die Papiere setzen. Die 70-Jährige unterstützt ihren Gatten: "Ich habe nie etwas gesagt, wenn er nach der Arbeit noch raus ist. Wenn er so ein Glänzen in den Augen hatte, hat er auch meistens etwas gefunden."

Werner Kugler sitzt gelassen in seinem Stuhl, setzt eine Unterschrift nach der anderen. Ingelfingens Bürgemeister Michael Bauer hingegen ist ziemlich aufgeregt, ebenso wie Hans Hagdorn, der das Muschelkalmuseums. "Es ist ein denkwürdiger Augenblick und einzigartig, dass eine Sammlung in dieser Größenordnung übertragen wird," sagt Bauer und atmet tief durch.

Der zweite Stock des Muschelkalkmuseums in Ingelfingen gehört nun ganz den Stücken von Werner Kugler. Der Heizungs- und Sanitärinstallateur hat in den 70er Jahren begonnen, auf Äckern in der Nähe von Crailsheim Achate und Kieselhölzer zu sammeln. Vor 26 Jahren gelang ihm der Druchbruch. In einem Steinbruch in Eschenau entdeckte er im Unteren Lettenkeuper ein zerfallenen Skeletts von einem großen Nothosaurus.

Reste von Panzerlurchen und Reptilien fand er in den folgenden Jahren. Ohne viel Geduld wäre das aber nie möglich gewesen, ist sich der Crailsheimer sicher und ergänzt: "Es gab immer wieder Phasen, in denen ich monatelang nichts gefunden habe, das war schon schlimm." Doch es ging immer wieder ein kleine Stück weiter. Bis dato unbekannte Panzerlurche konnte Kugler entdecken. 1999 hat die Alberti-Stiftung Werner Kugler dann für seine Verdienste um Fund, Bergung und Präparation mit dem Alberti-Preis der Hohenloher Muschelkalkwerke geehrt. Er sei der erste Privatpaläontologen gewesen, der diesen Preis bekommen habe, erinnert sich Hans Hagdorn. Zum Ingelfinger Muschelkalkmuseum hatte Kugler schon vorher Kontakt gehabt und stellte besondere Stück als Leihgaben aus.

Verewigt

Werner Kugler hat sich in der Welt der Paläontologie verewigt. Im vergangenen Jahr benannte man eine neue Gattung und Art von Panzerlurchen nach ihm: Callistomordax kugleri, und auch ein neues Reptil wird bald seinen Namen tragen. Ist das nun die Zeit, aufzuhören? "Auf keinen Fall, solange ich kann, mache ich weiter", sagt der 68-Jährige, denn die Pychologie des Sammlers sei es, immer noch mehr ein kleines Stück Ewigkeit zu schaffen.

Ein Lebenswerk gespendet
Diese Lurchart ist nur eines der ganz besonderen Stücke, die der Hobbysammler im Laufe der Jahre gefunden hat.