Ein Ave Maria im Vorbeigehen

13 Lourdes-Grotten erinnern im Mittleren Jagsttal an die Visionen der 13-jährigen Bernadette Soubirou

Von Barbara Griesinger

„Unsere Lourdesgrotte ist einer der beliebtesten Orte lebendiger christlicher Spiritualität.“

Franz Jacob, Zaisenhausen

Hohenlohe - Wenn man mal selbst in Lourdes war, dann sieht man das Ganze anders“, findet Franz Jacob. Der Ortsvorsteher von Zaisenhausen steht vor der LourdesGrotte am Rand des Mulfinger Teilorts. Ein stiller lauschiger Ort ist das, über dem hohe Bäume wachen. In einer künstlich an den Hang gebauten Tuffsteingrotte ist die Erscheinung nachgestellt, die Bernadette Soubirou am 11. Februar 1858 hatte – vor genau 150 Jahren. Zum ersten Mal soll dem 13-jährigen Mädchen aus armer Familie damals die Muttergottes in einer Grotte nahe ihrem Heimatort Lourdes erschienen sein: eine schöne Dame ganz in Weiß mit blauer Schärpe und Rosenkranz. Erst bei der vorletzten Erscheinung gab sie sich als „unbefleckte Empfängnis“ zu erkennen.

Marienverehrer Auch wenn der südfranzösische Ort am Rande der Pyrenäen gut und gerne 1400 Kilometer vom Jagsttal entfernt ist, die Faszination, die von Lourdes ausging und für viele Marienverehrer noch heute ausgeht, hat im Mittleren Jagsttal ihre Spuren hinterlassen: 13 Lourdes-Grotten zwischen Zaisenhausen und Berlichingen erinnern an die Erscheinung der Muttergottes und die Seherin Bernadette. Franz Jacob hat in Lourdes selbst einmal einen Schwerkranken betreut, der Hilfe an der Quelle gesucht hat, die Bernadette während einer ihrer 18 Visionen in der Grotte freigelegt hat. Eine Quelle ist auch der Ursprung der Lourdes-Grotte in Zaisenhausen. Sie ist eine der ältesten Lourdes-Nachbildungen in Hohenlohe. 1893 wurde sie angelegt. Doch diese Quelle musste nicht erst freigelegt werden. In einem besonders heißen und trockenen Sommer „kam nur noch hier aus dieser Ecke ein bissle Wasser“, erzählt Jacob. Für Zaisenhausen war die kleine Quelle an dem schattigen Hang die Rettung. Zum Dank nahm der damalige Lehrer Vögele das Projekt Lourdes-Grotte in Angriff. Der Tuffstein, aus dem die Höhle für die Figur der Muttergottes gebildet wurde, soll aus Thüringen stammen.

Da allerdings ist Franz Jacob skeptisch. Schließlich kommt ganz in der Nähe, bei der Kapelle St. Wendel zum Stein, im Jagsttal selbst Tuffstein vor. Lange hat die Grotte ein Schattendasein geführt. Aber seit ihrer Renovierung zur 100-Jahrfeier ist sie wieder „einer der beliebtesten Orte lebendiger christlicher Spiritualität geworden“, weiß Jacob. Auch der Pfad der Stelle, den der Zaisenhausener ins Leben gerufen hat, führt zu dem stillen Ort, an dem sich vor allem an Sommernachmittagen Frauen zum Gebet treffen.

Nachtschwärmerei Aber auch Mulfinger Katholiken kommen gern zum Rosenkranzbeten zur Zaisenhausener Lourdes-Grotte. Wenn es zu kühl ist, treffen sie sich im Gartenhäuschen, das zu der liebevoll gepflegten Anlage gehört. Im 19. Jahrhundert zog die Abgeschiedenheit des Ortes aber auch junge Leute an – gar bei Dämmerung. Das sah der Vikar damals nicht gern. Er forderte, das Gärtchen bei der Grotte abends zu schließen, weil ihr Besuch nach dem Gebetläuten „für die Jugend Vorwand bietet zur Nachtschwärmerei.“ Das schicke sich speziell für „Jungfrauen“ im Dorf nicht.

Dass Lourdes-Grotten im Jagsttal beileibe nicht nur an Volksfrömmigkeit längst vergangener Zeiten erinnern, belegt die viel jüngere Lourdes-Grotte in Krautheim. Sie entstand auf Initiative von Bürgermeister Gustav Meyer in den 50er Jahren. Wo einst ein Wall die Stadt vor Angreifern schützte, sollten die Krautheimer nun beim Vorbeigehen an ein Ave Maria erinnert werden. Wie die kleine Bernadette-Figur sollten auch sie von der Muttergottes „Schutz für unseren Glauben und Hilfe und Trost in unseren Nöten erflehen“, wünschte sich der Bürgermeister. Wenig nach Kriegsende war er überzeugt, es könne nur mit „tiefem Gottvertrauen und gläubigem Gebet gelingen, die Welt vor dem Abgrund zu retten.“