Ehrenamt fürs Inselparadies

Künzelsau - Die Malediven. 1196 Inseln im Indischen Ozean, die meisten von ihnen unbewohnt. Palmen, weiße Strände. Ein Urlaubsparadies. Als Christian von Stetten bei einem Besuch allerdings untersagt wurde, seine Insel zu verlassen und sich mit Oppositionspolitikern zu treffen, war der Trotz des Hohenlohers geweckt. Er informierte sich über das politische System unter dem damaligen Präsidenten Maumoon Abdul Gayoom, der die Malediven 30 Jahre lang diktatorisch beherrschte.

Von Henry Doll

Ehrenamt fürs Inselparadies
Christian von Stetten (links) mit Mohamed Nasheed, dem neuen Präsidenten der Republik der Malediven, bei einem Treffen in Berlin.Foto: privat

Künzelsau - Die Malediven. 1196 Inseln im Indischen Ozean, die meisten von ihnen unbewohnt. Palmen, weiße Strände. Ein Urlaubsparadies. Auch der Hohenloher Bundestagsabgeordnete Christian von Stetten (40) hat die Malediven vor vielen Jahren als Tourist kennengelernt. Doch er gewann damals − es war in den 90er Jahren − noch einen weiteren Eindruck: "Ich habe festgestellt, das war eine Diktatur", erinnert sich Christian von Stetten.

Dass ausländische Gäste auf 87 reservierten Inseln untergebracht werden und keinerlei Kontakt zur politischen Wirklichkeit im Inselstaat bekommen, mag den meisten Touristen egal sein. Sie wollen den Urlaub genießen. Als Christian von Stetten bei einem Besuch allerdings untersagt wurde, seine Insel zu verlassen und sich mit Oppositionspolitikern zu treffen, war der Trotz des Hohenlohers geweckt.

Er informierte sich über das politische System unter dem damaligen Präsidenten Maumoon Abdul Gayoom, der die Malediven 30 Jahre lang diktatorisch beherrschte. "Ich habe mich darum gekümmert, dass die Opposition Gehör kriegt", sagt Christian von Stetten rückblickend. Wie er das gemacht hat, verrät er nicht. Es gilt auch, Leute zu schützen. Als im Oktober 2008 der jetzige Präsident Mohamed Nasheed nach 30 Jahren Diktatur gewählt wurde, war dies für den Abgeordneten aus Künzelsau eine Genugtuung. Er war während des Wahlkampfes im Inselstaat gewesen.

Ehrenamt fürs Inselparadies
So sieht der Tourist die Malediven: Palmen und Traumstrände. Hinter dieser Kulisse herrschte jedoch 30 Jahre ein Präsident mit diktatorischer Machtfülle.Foto: dpa
Demokratisierung

Der jetzige Präsident, der vom früheren Regime mehrfach verhaftet und gefoltert worden war, möchte sein Land auf die internationale Bühne führen. Die Malediven brauchen Hilfe. Der Inselstaat ist von der globalen Erwärmung und dem Ansteigen der Meeresspiegel besonders bedroht. Die Malediven versinken. Der Staat hat sich selbst verpflichtet, bis 2020 ein CO2-neutrales Land zu werden. Denn CO2 gilt als Klimakiller Nummer eins. Die Energiewende soll vor allem durch Solar- und Windtechnologie erreicht werden. Für von Stetten der richtige Ansatz − und die Chance zur Kooperation. "Wir in Deutschland haben die Technologie, die haben das Wetter." Und er ergänzt: "Bei dem Projekt mache ich gerne mit." Deshalb nahm er jetzt das Ehrenamt als Honorarkonsul an.

Der Abgeordnete hatte, so ist zu erfahren, einen nicht unerheblichen Anteil daran, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel Nasheed in Berlin empfing. Es war ein Zeichen an die Bevölkerung des Inselstaates: Die Welt nimmt sie und die Untergangs-Angst ernst. Von Stetten hat auf eigene Kosten ein Konsulats-Büro in Berlin-Mitte angemietet. Auch eine Mitarbeiterin bezahlt er privat. Das Amt als Honorarkonsul sei strikt von der Abgeordnetentätigkeit getrennt. Geld bekommt er für die Arbeit als Honorarkonsul nicht.

Partnerschaften

Freilich, viel zu tun gibt es nicht. Touristen fragen gelegentlich, ob sie ihren Hund mit auf die Inseln nehmen dürfen. Aber, so von Stetten, das Amt biete auch Chancen. Er will Titel und Amt nutzen, um Hochschulpartnerschaften in die Wege zu leiten. Gerade für das Fach Touristik seien die Malediven interessant. Auch die maledivische Fußballmannschaft drängt auf die internationale Bühne. Von Stetten will sich nach einem Trikot-Sponsor umschauen. Besonders für das Bildungs- und College-Wesen will er sich einsetzen. Dies alles sei "ein kleiner Stein, um die Malediven vor dem Untergang zu bewahren."

Kurz darauf bot der neugewählte Präsident Mohamed Nasheed dem Hohenloher Bundestagsabgeordneten an, Honorarkonsul der Republik der Malediven zu werden. Die nächste Botschaft ist in London. In Deutschland waren die Inseln nicht diplomatisch präsent. Lange Zeit, so Christian von Stetten, habe er gezögert. Allerdings wollte er die Bemühungen um Demokratisierung unterstützen. Heute, so Christian von Stetten, seien die Malediven "die jüngste Demokratie der Welt".