Bilder schimmern in alter Pracht

Restaurierung der Fresken in Bächlinger Kirche fertig − Einweihung am 24. Juni

Bilder schimmern in alter Pracht
Restaurator Steffen Bückner bei der Arbeit, die 2009 begann und nun zu einem guten Ende kommt. Die Fresken leuchten in ursprünglichen Farben.Foto: privat

Langenburg - Der Sternenhimmel über dem Chorraum in der Bächlinger Kirche schimmert türkisblau, durchsetzt mit weißen Sternen. Die Haarpracht auf den Köpfen der Evangelisten ziert wieder das kräftige Gelb eines Kornfelds. Die Lilie Marias leuchtet wieder weiß. Die Bilderwelt des Mittelalters ist wieder lebendig geworden.

Gute 650 Jahre sind die Bilder alt. Jahrhunderte schlummerten sie unter einer Schicht Mörtel. Anfang des letzten Jahrhunderts entdeckten sie Handwerker. Kunstsinnige Sachverständige konservierten sie. Jetzt retteten sie engagierte Restauratoren ein zweites Mal. Am Wochenende vom 24. Juni (Johannistag) begehen die Bächlinger und ihre Gäste diesen Anlass feierlich.

Bedeutung Der Anlass ist es wert. Schließlich handelt es sich bei dem Bächlinger Freskenzyklus um einen der schönsten im Südwesten. Der Bilderzyklus im Chor der Bächlinger Kirche entstand − nach der Beurteilung der Kunsthistorikerin Helga Steiger − um die Jahre 1350/60. Wer die Bilder entwarf, wer sie in der "secco-Technik" an die Wände und in den Turm malte, ist nicht bekannt. Wer den Auftrag gab, wird vermutet. Welcher Sinn dahinter stand, steht der Interpretation offen. Eine Theorie besagt, ein Nachfahre des Ritters Burkhardt Rezzo von Bächlingen habe sie in Auftrag gegeben. Sein Epitaph findet sich heute noch an der Südwand der Kirche und ist für sich selbst ein Kunstwerk. 1580 wurde im Zuge der Reformation die Kirche ausgeräumt und die Fresken verschwanden unter einer Putzschicht. Mehr als drei Jahrhunderte blieben sie versteckt. Erst 1914 kamen sie wieder zum Vorschein. In den folgenden Jahrzehnten machten sich immer wieder Restauratoren an die Arbeit, mit unterschiedlichem Erfolg. Sicher ist auch, dass diese Bilder der Bächlinger Kirche eine besondere Aura verleihen, sie zu einem Ort der Ruhe, der Einkehr und der Besinnung machen. Davon zeugen viele Einträge im Gästebuch.

Seit gut zehn Jahren treibt die Bächlinger die Renovierung ihrer Kirche um. 2001 ging es nur darum, den Salpeter in den Wänden und den Holzwurm in den Bänken zu bekämpfen. Im Turm hatte Regen über Jahrzehnte Balken durchnässt. Fäulnis breitete sich aus. Neue Balken mussten eingezogen werden. Ein neuer Anstrich war fällig und die elektrische Anlage musste erneuert werden. Natürlich waren in diesem Zug auch die Malereien im Chor zu begutachten. Das Erschrecken danach war groß. Die Bilder zeigten sich als akut gefährdet. Die letzte Schutzschicht, aufgebracht 1979, rollte sich auf und drohte die Farben mitzunehmen.

Unterstützung Mit nachhaltiger Unterstützung des Landesamtes für Denkmalpflege und des Oberkirchenrates nahmen die Bächlinger die Restaurierung in Angriff. Die Magisterarbeit der Kunsthistorikerin Helga Steiger legte den Grundstein im Jahr 2002. Darauf baute 2007 die Diplomarbeit der Restauratorin Michaela Sosnowksi auf. Diese wiederum war Grundlage für das Genehmigungsverfahren. Die Zuschussanträge waren zu stellen, Ausschreibungen erfolgten. Endlich Anfang 2009 nahm das Restauratoren-Team die Arbeit auf. Mit Steffen Bückner aus Bad Mergentheim und Ulrike Piper-Wölbert aus Stuttgart fand sich ein Stamm-Team an Restauratoren zusammen. red