Absage des Weekend-Festivals in Künzelsau wirft Fragen auf

Künzelsau  Die Veranstalter des für das Wochenende geplanten Weekend-Festivals geben dem Hohenlohekreis die Schuld, dass das Event nicht stattfinden kann. Das Landratsamt sieht das jedoch anders.

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So viele Menschen wie DJ Felix Jaehn normal anlockt, wären es beim Weekend-Festival des Veranstalters Schlaraffenklang gar nicht geworden. Rund 1000 Menschen hätten in Künzelsau auf die Beats des Künstlers getanzt. Foto: Archiv/dpa

"Ratlosigkeit, Wut, Unverständnis, mittlerweile sind alle emotionalen Lagen dabei", erklärt Ole Linseisen. Mit seiner Veranstaltungsfirma Schlaraffenklang hatte er für das kommende Wochenende eigentlich das Weekend-Festival auf den Wertwiesen in Künzelsau geplant. Die Betonung liegt auf eigentlich, denn am Mittwoch sagten die Veranstalter das Festival ab.

Die Begründung, die zwei der drei Geschäftsführer in einem öffentlichen Statement anführen: "Eine behördliche Verordnung durch den Landkreis Hohenlohe", die nur fünf Tage vor der ersten Veranstaltung gekommen sei. Dadurch sei "jeglicher Spielraum für Konzeptanpassungen genommen" worden. Das Landratsamt hingegen sieht die Ursache nicht bei sich. Was also ist schief gelaufen?

Kein Felix Jaehn, kein Mausio, kein Fabian Farell

Für das kommende Wochenende hatte Schlaraffenklang neben einer 80er- und 90er-Party auch geplant, dass die DJs Felix Jaehn, Mausio und Fabian Farell auflegen. Das Konzept für die rund 1000 Gäste war klar: 3G wäre Einlass-Bedingung gewesen. "Wir hätten sogar noch ein Testzentrum installiert, falls jemand seinen Schnelltest vergisst", erzählt Linseisen.

Am Montag sei den Veranstaltern jedoch mitgeteilt worden, dass zusätzlich eine Maskenpflicht in Bereichen, in denen kein Mindestabstand einhalten werden kann, nötig sei. "Also quasi auf dem kompletten Veranstaltungsgelände", so Linseisen. "Aber das kann ich nicht durchsetzen", meint er. "Zudem bräuchte ich mehr Securitys, die mir aber keiner erstattet hätte." Das Problem sieht Linseisen in der behördlichen Verordnung des Landkreises.

Nachfrage beim Landratsamt

Auf Nachfrage sagt das Landratsamt dazu, dass es lediglich "auf Anfrage der Stadt Künzelsau seine Einschätzung zum Hygiene- und Sicherheitskonzept des Veranstalters dargelegt" hätte. Und diese hätte sich an die Corona-Verordnung des Landes gehalten, laut der immer dann eine Maskenpflicht gilt, wenn der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann.

Vor allem stört Linseisen, dass die Ansage erst fünf Tage vor Festival-Beginn kam und damit zu kurzfristig für Änderungen. Auch hier sieht sich das Landratsamt nicht in der Verantwortung und sagt: "Die Stadt Künzelsau hat sich am 20. August an uns gewandt. Unsere Antwort an die Stadt erfolgte am 23. August, also am nächsten Arbeitstag."

Trägt die Stadt Künzelsau die Schuld?

Liegt der Schwarze Peter als nun bei der Stadt? Auch nicht ganz, denn diese lässt mitteilen, dass der Veranstalter das "zunächst in Tanzquadraten geplante Format in ein normales Stehkonzert-Format verändert" hätte und das "dafür veränderte Hygiene- und Sicherheitskonzept am 18. August 2021 der Stadtverwaltung vorgelegt" hat. Das Ordnungsamt hätte den Veranstaltern noch am selben Tag mitgeteilt, dass eine Maskenpflicht nötig sei.

Zu einem anderen von Linseisen getätigte Vorwurf, "dass bei Veranstaltungen am gleichen Wochenende in anderen Regionen von Baden-Württemberg diese Regelungen nicht greifen, obwohl dort teils mehr Menschen auf kleinerem Gelände zusammenkommen", äußert das Landratsamt vage: "Ob und gegebenenfalls warum bei vergleichbaren Veranstaltungen auf die Einhaltung der in der Corona-Verordnung verankerten Maskenpflicht verzichtet wird, entzieht sich unserer Kenntnis."

Verschiebung auf das Jahr 2022

"Unseres Erachtens ist es nicht fair, erst groß über die Presse sämtliche Freiheiten anzukündigen, um das Lob dafür zu ernten, aber dann bei der Umsetzung entweder kurzfristig zurückzurudern oder gar keine Auskunft darüber zu erteilen", so die abschließende Meinung von Linseisen.

Was er jedoch betont, ist die "hervorragende Zusammenarbeit" mit der Stadt Künzelsau. "Wir haben vorgestern früh sogar noch mit Bürgermeister Neumann gesprochen, der seinen Urlaub unterbrochen hat für uns, um eine Lösung zu finden." Ohne Erfolg. Die Leidtragenden der Absage sind nun nicht nur die Veranstalter, die finanzielle Einbußen hinnehmen müssen, sondern auch Gäste und Künstler. Nach derzeitigem Stand wird die Veranstaltung auf das Jahr 2022 verschoben.

 

Das Weekend-Festival wird ins Jahr 2022 verschoben. Ersatztermine werden gemeinsam mit der Stadt und den Künstlern besprochen, denn diese "haben bereits zugesichert, auch dann wieder dabei zu sein", freut sich Linseisen. Alle bereits gekauften Tickets behalten Ihre Gültigkeit. Wer sein Ticket behält, dem verspricht Schlaraffenklang, dass sie sich "im Jahr 2022 mit einer weiteren Überraschung und einem noch faszinierenderen Festival bedanken." Wer dennoch stornieren möchte, kann dies die nächsten 28 Tage über www.schlaraffenklang-festival.de machen. 


Draskovits

Katrin Draskovits

Autorin

Katrin Draskovits arbeitet seit 2019 bei der Heilbronner Stimme. Seit Juni 2021 ist sie Redakteurin bei der Hohenloher Zeitung und dort vor allem im Jagsttal unterwegs.

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