Raiffeisenbank Hohenloher Land würde gerne mit Volksbank Krautheim fusionieren

Hohenlohe  Während das Kreditgeschäft rasant gewachsen ist, sinkt der Ertrag: Kreditinstitute müssen sich in diesen Zeiten kräftig strecken, um ihr Geschäft so am Laufen zu halten, dass am Ende ein zufriedenstellendes Ergebnis steht. Von gut oder sehr gut will man ja gar nicht mehr sprechen. Das ist auch bei der Raiffeisenbank Hohenloher Land nicht anders.

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Die Raiba Hohenloher Land ging 2019 aus der Fusion der Raibas Kocher-Jagst und Bretzfeld-Neuenstein hervor. Hier die Geschäftsstelle in Ingelfingen.

Foto: Ralf Reichert

"Wir müssen immer mehr schaffen, um höchstens das gleiche zu verdienen", sagt Vorstandsvorsitzender Andreas Siebert. Ohne eine "enorme Ausweitung des Kundengeschäfts" gehe nichts mehr, wenn nicht nur Niedrigzinsen, sondern Negativzinsen an der Tagesordnung seien. Deshalb hat die Raiba bei den Kundenkrediten 2020 wieder satt zugelegt: um 13 Prozent von 732 auf 828 Millionen Euro. Haupttreiber waren die weiterhin boomenden Bereiche Bauen und Wohnen.

Unerwarteter Verlust

Trotzdem sank der Ertrag im vergangenen Jahr. Wie das? Ein unerwarteter Verlust machte der Raiba einen Strich durch die Rechnung und schlug gewaltig ins Kontor: "Wir sind ja als Partner beteiligt an der DZ Bank, und die hat 2020 keine Dividende gezahlt. Das sind immerhin 460 000 Euro, die uns jetzt fehlen", erklärt stellvertretender Vorstandschef Stefan Häring.

Der zweite Rettungsanker bei niedrigen oder negativen Zinsen ist der Invest in Wertpapiere. Das Geschäft floriert weiter, konnte am Ende aber nicht verhindern, dass der immer wichtiger werdende Provisionsüberschuss zum 31. Dezember 2020 leicht gesunken ist. Unterm Strich steht damit ein vorläufiges Ergebnis von 5,3 Millionen Euro, "damit sind wir wieder auf dem Stand von 2017", so Siebert. 2019 war mit 8,2 Millionen Euro ein Ausnahmejahr, 2018 kam die Raiba auf 6,3 Millionen Euro.

Die Bank als Bauherr

Die Kundeneinlagen sind moderat gestiegen: von 810 auf 818 Millionen Euro. Im Unternehmensbereich gibt die Raiba Negativzinsen seit 2020 ab einem bestimmten Betrag bereits an die Firmenkunden weiter, "in der Jahresmitte werden wir das wohl auch im Privatkundenbereich einführen, und zwar ab Einlagen von 500 000 Euro". Wie kann die Einnahmenseite noch verbessert werden? Die Bank tritt jetzt auch verstärkt als Bauherr in Erscheinung und vermietet Wohneinheiten: in Künzelsau und Niedernhall genauso wie in Mulfingen und Oberkessach.

Offen für Fusion

Raiba-Vorstand flirtet mit Volksbank Krautheim

Andreas Siebert (r.) und Stefan Häring bilden das Vorstandsduo. Die Vorstände Martin Krenkler und Dieter Frölich sind nach 40 Jahren ausgeschieden, Roland Streckfuß und Jens Petruschat rücken als Generalbevollmächtigte nach.

Foto: privat

Könnte die Raiba noch größer werden und ihr Geschäftsvolumen damit effizient erweitern? Die Raiffeisenbank Hohenloher Land ist ja erst seit Mitte September 2019 auf dem Markt: als Zusammenschluss der Raiffaisenbanken Kocher-Jagst und Bretzfeld-Neuenstein. Sind weitere Fusionen schon ein Thema angesichts der weiter düsteren Aussichten an der Zinsfront und den Folgen der Corona-Pandemie? "Das wird auch bei uns im Kreis nicht ausbleiben", sagt Siebert - und umwirbt ganz offen und kokett die Volksbank Krautheim: "Wir würden gern fusionieren und könnten uns das Gebiet als sechsten Marktbereich gut vorstellen", so der Vorstandschef. "Konkrete Gespräche gibt es noch nicht, aber unsere Türen sind offen."

Die Mitglieder der Raiba sollen auch 2020 eine Dividende erhalten. "Zwei bis drei Prozent sind bei diesem noch zufriedenstellenden Ergebnis drin", sagt Siebert. Wir steht es ums so wichtige Eigenkapital? "Bis 2025 ist es noch auskömmlich, irgendwann könnte es knapp werden." Warum? Die Eigenkapitaldeckung halte nicht Schritt mit der rasanten Kreditentwicklung. "Wenn wir noch mehr solche Jahre hinlegen, wird es eng."

Virtuelle Beratung

Ob Filialen geschlossen werden, entscheide sich in diesem Sommer. Zuletzt hatte das Vorgänger-Institut Raiba Kocher-Jagst zum 6. Oktober 2018 zehn Geschäftsstellen dicht gemacht. Umso wichtiger wird das Kunden-Dialog-Service-Center, das von Dörzbach nach Neuenstein gezogen ist. Die virtuelle Beratung werde weiter ausgebaut. Die Erfahrungen der anhaltenden Coronakrise hätten gezeigt, dass dies gut funktioniere und Zeit spare. "Das ist kein Allheilmittel, bietet sich aber in etlichen Bereichen auch in Zukunft an."

 

Ralf Reichert

Ralf Reichert

Redaktionsleiter Hohenloher Zeitung

Ralf Reichert ist seit Oktober 2006 Redaktionsleiter der Hohenloher Zeitung. Die Region Hohenlohe ist seit jeher seine journalistische Heimat. Er kam vom Haller Tagblatt und stammt aus dem Taubertal. Bei der HZ kümmert er sich vor allem um die Kreisthemen.

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